Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1909-12-03 · Heft 25 (3.12.1909) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 25 (3.12.1909)
Date
1909-12-03
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2425679-2425773-2425799--1530-2427895
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 10 Nr. 25 Die ersten jüdischen Soldaten in der österroichisch- 1; u yari seilen Arne*» finden wir unter der Regierung Kai sei .) sef 11. In die>er Zeit, und zwar im Jahre 1789 erschien in Wien eine Broschüre ..Soll der Jude Soldat werden"? In derselben ist die folgende Ansprache, welche der damalige Oberrabbiner zu Prag, Ezechiel Landau, der ,.Noda bi- Jehuda", an die ersten jüdischen Soldilten 'hielt, reproduziert: ..Meine Brüder, die Ihr immer meine Brüder wäret, noch jetzt es seid und sein werdet, so lange Ihr fromm und rechtschaffen handelt! Gott und unser allergnädigster Kaiser wollen, daß Ihr zum Militär genommen werdet. Füget Euch daher in Euer Schicksal, folget ohne .Murren, seid treu aus Pflicht und geduldig aus Gehorsam! Vergesset aber nicht Eure Religion! Schämet Euch nicht, Juden zu sein unter so vielen Christen! Betel Gott täglich bei Eurem Aufstehen an! Gottesdienst geht vor allem. Der Kaiser selbst ist schuldig, Gott anzubeten, und alle seine Diener, die gegenwärtigen und die abwesenden, beten täglich ihren Schöpfer an. Schämet Euch dieser Zeichen der Religion nicht! (Hier übergab er jedem Soldaten ein Paar Gebetriemen, ein Päckchen Schaufäden und ein Gebelbuch.) Habet Ihr Zeit. s>o betet täglich, was ein Jude zu beten verpflichtet ist: habet Ihr aber nicht Zeit, sc leset wenigstens das Sch"ma! Den Sabbath könnt Ihr auch hallen, indem ich höre, daß Ihr an diesem Tage meist rasten werdet. Die Wagen schmieret immer Freitag vor Abend. Tuet überhaupt alles, was sich tun läßt, am Freitag, bevor der Sabbath eingeht! Lebet in Eintracht mit Euren christlichen Kameraden! Sehet, daß Ihr sie Euch zu Freunden macht, dann werden sie am Sabbath für Euch Dienste tun. Ihr aber werdet für Sie am Sonnta.g, wo sie als Christen zu feiern schuldig sind, arbeilen. Der Kaiser war so gnädig, zu sagen, daß man Euch nicli zwingen wird. Fleisch zu essen. Ihr könnet demnach immer von Butter. Eiern und anderen erlaubten Speisen leben, bis Ihr zu Juden kommt, wo Euch dann Euere menschenfreundlichen Mitsoldaten erlauben werden, zu denselben zu gehen. Sollte Jemand von Euch krank werden, so trachte er, sich so lange mit Tee zu erhal'.en, bis es die Notwendigkeit erfordert, Fleischbrühe zu sich zu nehmien. Im übrigen seid Gott treu im Herzen! Weichet in keinem Falle vom Glauben Eurer Väter und dienet unserem allergnädigsten Landesfürsten •mit gutem Willen und rastloser Tätigkeit! Erwerbet Euch und unserer ganzen Nation Dank und Ehre, damit man sehe, daß auch unsere bisher unterdrückte Nation ihre Lndesfür.sten liebt und im Fa.llo der Not ihr Leben aufzuopfern bereit ist- Ich hoffe, daß wir durch Euch, wenn Ihr Euch, wie es jedem Untertan geziemt, pflichtgetreu aufführt, auch noch jener Fesseln entledigt werden, die uns zum Teil noch drücken. Und welchen Ruhm, welche Ehre werdet Ihr alsdann davontragen bei allen rechtschaffenen Menschen so gut, wie bei Euren Mitbürgern. Und hiemit will ich Euch noch meinen aus innigen Herzen emporsteigenden Segen erteilen." Kossuth Lajos und Rabbi Teitelbaum. Folgende interessante Episode aus der Kindheit Ludwig K o s s u t h s verdient besonderes Interesse: Der Vater Kossuths, ein sehr gesuchter Advokat des Zempliner Komitats, hatte gegen den wogen sein'er Frömmigkeit und Heiligkeit berühmten Rabbi Moses Teitelbaum, den Verfasser des gefeierten Werkes „Jismach Moschoh". einten Prozeß eingeleitet. Was die Ursache desselben war, und warum er sich so sehr in die Länge zog, ist nicht mehr bekannt, genug, daß während desselben zwei ältere Söhne Kossuths und bald darauf Kossuth selbst starben. Die Juden waren überzeugt, daß der plötzliche Tod des Vaters und der beiden Söhne infolge des Prozesses gegen den frommen Rabbi erfolgt sei. Das glaubten aber nicht nur die Juden, sondern es fanden sich auch viele Christen, die diesem Glauben beipflichteten; denn von Nah und Fern waren gar uft auch Katholiken und Protestanten zu dem frommen Manne gewandert, dessen Fähgkeit, durch sein Gebet Wunder zu üben, sie auch unverhohlen anerkannten. So läßt es sich auch (erklären, daß die Witwe Kossuths mit ihrem einzig noch übrig gebliebenen Sohne Ludwig zu dem Rabbi nach Ujhely eilte, damit sie denselben versöhne und seinen Segen für ihr Kind erbitte. Der Rabbi zögerte anfangs, den Wunsch der Witwe zu erfüllen, doch die selten lieben und durchgeistigten Gesichtszüge des Kindes und seine außerordentlich klugen Antworten stimmten den frommen Mann um, und indem er seine Hände auf den Kopf des Kindes legte, sprach er laut den Satz aus den Psalmen: „Nossato lijerecho mos lehisnoses mipne Kosen et selah" (Du hast;o Gott] Deinen Auserwählten eine Fahne gegeben, daß sie entfaltet werde im Namen des Rechts und der Wahrheit). Die Mutter Kossuths soll diesen Satz dann in ihr Gebetbuch eingeschrieben haben. Der Ujhelyer Rabbiner aber hat deshalb diesen Satz gewählt, weil in demselben das Wort Koschet (Kossuth) vorkommt, welches Recht, Wahrheit bedeutet, und der Satz wurde während des Freiheitskampfes von den patriotischen Juden wie folgt übersetzt: „Du hast Deinen Auserwählten eine Fahne gegeben, daß sie entfaltet werde im Namen Kossuths." Die Gehalte amerikanischer Rabbiner. Den größten Gehalt von allen amerikanischen Rabbinern bezieht Rabbiner H i r s c h vom Sinai-Tempel in Chicago, und zwar 18.000 Dollars (90.000 Kronen). Die Rabbiner Josef S i 1 v e rm a n n vom Emanu-El-Tempel in New-York und Dr. Josef K r a u s k o p f von Keneseth-Israel-Tempel in Philadelphia werden mit 12.000 Dollars (60.000 Kronen) jährlich entlohnt: Rabbiner Dr. P h i 1 i p p s o n in Cincinnati erhält bloß 10.000 Dollars (50.000 Kronen). Die geringsten Bezüge erhalten die orthodoxen Rabbimer, u. zw. circa 1000 Dollars (5W0 Kronen). Geheitnrat J. S. von Poljakow ist am 24. November in 1> i a r r i t z im Alter von 77 «Jahren gestorben. Ganz besondere Verdienste hat er sich um die Entwicklung des Agrar- und Handelskreditwesens in Kutiland erworben. Er ist der Gründer der Donischen Agrarbank, deren Präsident er bis ans Ende seines Lebens gewesen ist, und vieler anderer. Ebenso bekannt wie als l'inanzmann war J. S. Poljakow als Wohltäter und Förderer humaner Unternehmungen. Obwohl er Jude war, dem Glauben seiner Väter treu blieb und sowohl in Taganrog als in Petersburg in energischester und fruchtbarster Weise für das Wohl seiner Glaubensgenossen arbeitete, wurde er von der Regierung in den russischen Adel erhoben. L>iste der Ausgetretenen. Vom 8. bis 30. November 1909. (Nr. 531 - ö.vt.) Bauer Emil, Musikdirektor, geb. L Mai 1874 Wien, IX.. Eisengasse 23. Ehrenzweig Margarethe, Private, geb. 5. August 1880, Wien, IX.. Türkenstrasse 15. Habermann Katharina, geb. 19. Juni 1804. Teinitz, Mähren. XVI.. Haberlgasse 22. Harfner Margarethe, Private, geb. 2. Mai 1882, Wien, V.. M a rga ret lue n st ras se 80. Hernfeld Bertha, Privatbeamtin, geb. 21. August 1883, Wien. IX., Porzellangasse 50. Majer Leopold, Chemiker, geb. ß. April 1885, Wien, IX., Frame rga sse ß. Reti Jacques, Privatbeamter, geb. 18. November 1887. Wien, V., Maigarethenstrasse 122- Rosenfeld Bili, Köchin, geb. 1. September 1872. Ungarisch- Bi\»d, Mähren, IL, Vorgarten Strasse 132. Rosenberg Anna, Private, gel». IL Mai 1876. Lemberg. XVIII.. D ein l) s c 1 lerga s s e lß. Silbiger Manuela, Erzieherin, geb. 3. Jänner 1881, Döbling. XVIIL, Sterngarteustrasse 40. Schwarz Willi, Bankbeamter, geb. 18. März 1879. Bozen. Tirol. Wahle Elise Antonie, Private. 21. Juni \88'$- Wien, I. Türkeustrasse 23. Weiss Valentin, geb. 15. Jänner 188!'. Wien, III.. Salesianergasse 8. Weinfeld Josef, Student, geb. 12. August, Glodurile, IX.. Wagnergasse 10. Schloss Max, Ingenieur, geb. 27. Jänner 1877, Wien. IX.. Alserstras.se 20. Sträußler Melanie, geb. 2. November 1880. Wien, IX.. Servitengasse 5. Goldreich Richard, geb. 18. Juni 1800, Lundonburg, V., Stromgasse 22. Aufriebt Viktor, Student, geb. 22. Juni 1883. Lehota-Precsin. IV., Favoritenplatz 8. Weinwurm Philipp, OberbauknmiiiMsär, gel». 17. März 1805. Wien, IL, Schüttelstrasse 27. Schloß Elisabeth, Ingenieursgattin, geb. 10. Jänner 18G0. Wien, IX., Als er Strasse 20. Schoder Emma, geb. 18. März 1880, Wien, VIL. Burggasse 22. Stein Erwin Hugo, Prokurist, geb. 13. September 1878, Karolinenthal, XXL, Hauptstrasse 91. Rosenfeld Julius, Lehrling, geb. 7. Mai 1895. Wie«. XXL, Kechtstrasse 99.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.