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Neue Nationalzeitung · 1909-12-03 · Heft 25 (3.12.1909) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 25 (3.12.1909)
Date
1909-12-03
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 25 Ludwig Freiherr von Oppenheimer. Wien, Ende November. Am 27. November ist Ludwig Freiherr von Oppenheimer, Mitglied des Herrenhauses, im Alter von 66 Jahren gestorben. Der Verstorbene, der mit dem Grafen Beust aus Sachsen nach Oesterreich gekommen war und hier als Günstling des deutsch-böhmischen Adels Karriere machte, wurde nach dem Tode des Baron Königswarter ausdrücklich, wie das „Fremden-Blatt" betonte, als „Repräsentant des Judentums" ins Herrenhaus berufen. Trotzdem ist er nie als solcher aufgetreten, wiewohl er hiezu, speziell in den Delegationen, reichlich Gelegenheit gehabt hätte. Baron Oppenheimer war ein klassisches Vorbild, was die von der Regierung für uns bestellten „Repräsentanten" wert sind. Sein einziger Sohn, ein volkswirtschaftlicher Schriftsteller, ist getauft. Durch den Tod Baron Oppenheimers ist — da auch für Julius von Gomperz noch kein Nachfolger berufen wurde — die Zahl der Juden im Herrenhause auf drei gesunken. Wir dürfen wohl neugierig sein, wer unsere nächsten „Repräsentanten" sein werden .... Nichtöffentliche Vorstandssitzungen. Wien, im November. Aus den uns zukommenden Communiques über die zwei letzten Vorstandssitzungen vom 14. bis 28. November heben wir folgendes hervor : Der Vorstand erteilte Subventionen: Der Simon Edlen von Lämmelschule in Jerusalem; dem Bet - Hamidrasch - Verein „Talmud Thora", Wien, II. Malzgasse 16; dem jüdischen Turnverein im XV. Bezirk; dem Verein Tefilas Haneorim; der Zeitschrift „Mit!eilungen für jüdische Volkskunde". Die letzte Zeitschi ift wird bekanntlich vom Rabbiner Dr. G r u n w a 1 d herausgegeben. So löblich es auch ist, daß der Kultusvorstand endlich daran geht, jüdische Fachblätter zu unterstützen, so merkwürdig ist es anderseits, daß er suh dazu erst dann entschließt, wenn es sich um den Schwiegersohn des Herrn Dr. J. S. B I o c h handelt. Es wäre aber auch für die Oetfentlichkeit wichtig, wie viel die etnologischen Foi sehungen des Herrn Dr. Grunwald die Wiener Kultusgemeiude kosteten. Das Communique enthält auch ein sehr merkwürdiges Geständnis: „Die seit einem längeren Zeiträume schwebenden Verhandlungen betreffen t die Errichtung einer unter die Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinates zu stellenden Koscherselchwarenfabrik mußten abgebrochen werden, ohne zu einem positiven Ergebnisse geführt zu haben." Das heißt, daß der Vorstand sein Projekt, eine Fabrik zur Erzeugung koscherer Würste zu gründen, fallen läßt. Es bleibt also beim Alten. P i o w a t y, Theumann und Genossen werden das Fleisch von krepiertem Vieh auch weiterhin unter den Augen des Kultus Vorstandes und dos Rabbinates als „koscher" verkaufen. Das ist der S gen des konservativen Regimes und seines „konservativen" Oberrabbiners. Rußland. Die Judenfrage im finnischen Landtag. Helsingfors. Der 17 November wird für die Juden in Finnland ein historischer Gedenktag bleiben. An diesem Tage hat der finnische Landtag seine letzte Sitzung vor seiner Auflösung1 der Judenfrage gewidmet und mit 11*2 gegen 43 Stimmen das von der Senats-Kommission ausgearbeitete Gesetzesprojekt angenommen, welches d e n i n V i n 11 1 a n <1 g e b o r o n e n <> d c r seit einigen .1 a h r e n ansässigen ,1 u den die b ii r - g e r 1 i c h e n Hechte g e w ä h r t. Dafür stimmten die Sozialdemokraten, die Jungrinnen, die Schweden und die Agrarier: dagegen stimmten nur die Alttinnen. Die Debatten, die von 7 Uhr abends bis 2 l'hr nachts dauerten, wurden von beiden Seiten mit groLier Heftigkeit geführt; es wurden die besten Hedner vorgeschickt, von denen besonders mehrere weibliche Parlamentsmitglieder, die sonst nur selten in die Verhandlungen des Landtags einzugreifen pflegten, mit wirkungsvoller Begeisterung für die rechtliche Gleichstellungder Juden eintraten. Den stärksten Kindruck machte Frau Dr. phil. Krok. welche die großen Verdienste der Juden um die gesamte .Menschheit hervorhob und mit bebender Stimme die grundlosen entsetzlichen Leiden und Verfolgungen dieses Volkes schilderte. Von tiefer Wirkung war auch eine einstündige Hede des berühmten Professors der Theologie, des greisen Schweden Hosen- <l u i s t, der über den gottlosen Antisemitismus, das sittlich hochstehende Judentum und die um die menschliche Ethik hochverdienten Juden sprach und mit folgenden Worten schloß: „Die Vergeltung wird nach den Handlungen bemessen. Wollen die .Finnländer die Sympathien der Menschheit gewinnen, so müssen sie sich auch allen Ebenbildern Gottes gegenüber menschlich verhalten, und insbesondere jenem Volke gegenüber, das zuerst die Sittlichkeit und die Liebe zu allen Unterdrückten und Elenden lehrte und verwirklichte." Die Altfinnen ergingen sich in maßlosen Beschimpfungen der Juden und des jüdischen Glauheus und wünschten die Gewährung der Bürgerrechte an die Juden von deren Uebertritt zum Christentum abhängig zu machen. Vor der Sitzung hatten sie die Beratung über die Judenfrage, die ursprünglich auf den 1"). d. M. angesetzt war, zu verhindern gesucht. Man erwartete mit Bestimmtheit die Auflösung des Landtags wegen der Ablehnung des Militäretats.Lud so hofften die Altfinnen, durch eine llinausschiebung der Verhandlungen über die Judenfrage dieselben in diesem Landtage unmöglich zu macheu. Durch verschiedene Initiativanträge gelang es ihnen auch an zwei Tagen eine Zurückstellung des ihnen so peinlichen Gegenstandes zu erzwingen. Am Ende wurde aber ein Antrag der Sozialdemokraten angenommen, für die Beratung über die Judenfrage eine Extra-Nachtsitzung anzuberaumen. Diese Sitzung, der auf Einladung ■ der Sozialdemokraten auch zahlreiche Juden beiwohnten, war, wie erwähnt, die letzte dieses Landtages. Sein Beschluß über die rechtliche Gleichstellung des Juden hat durch dessen Auflösung von seinem faktischen Wert zwar sehr viel verloren, da es nicht wahrscheinlich ist, daU der Zar einen Beschluß des aufgelösten Landtages sanktionieren wird : jene Hesolution bleibt jedoch auf alle Fälle von weitreichender moralischer Bedeutung für die künftige Gestaltung der Lage der Juden in diesem Lande. G*yGisue=üK5 V5R(5kNSNMftRiCBSW Wien. -Verein zur r»fPi'stiitzn n gj ii d i s c h e r K I e i u g e we r be t r e i b e n d e r~ versendet folgende Einladungen: E u e r 11 o c h w o h 1 g e b o r e n! Durch :>.*> Jahre verfolgt der ^Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender" den Zweck, die Aermsten mmerer Glaubensgenossen durch Krankengelder und zinsenfreie Darlehen zu unterstützen und deren AVitwen und Waisen durch größere Abfertigungen vor dem Elende zu schützen. Zur Feier seines -J.") jä jährigen Bestandes hat die ergebenst gefertigte Vereinsleitung die Veranstaltung eines F e s t g o 11 e sdiciistes im israelitischen Tempel II., Teinpelgasse am 12. Dezember 1. J, präzise I Uhr nachmittags beschlossen, bei welcher Sr. Ehrwürden Herr Oberrabiner Dr. S c h m i e d 1 die Festpredigt halten wird. Die ergebenst gefertigte Vereiusleitung ladet Euer llochwohlgeboren samt weifen von Minen eingeführten Gästen zu diesem Festgottesdienste ein und wird dieselbe in dem zahlreichen Besuche dieses Gottesdienstes die Anerkennung für die hum. Tätigigkeit des Vereines finden. Gleichzeitig erlaubt sich die gefertigte Vereinsleitung auf die beigeschlossene Einladung zu der an demselben Tage stattfindenden Festa k a d e m i e hinzueisen, deren gesamtes Heinerträgnis dem Unterstützungsfonds zufliest. Der Vereinsohmann : S. Kl a u s n e r: der Obmann: Friedrich Krüh. Wien. (C h a n u k a - A k a d e in i e.) Die S o /..- T e r r i t o r i a 1 i s t e n veranstalten Mittwoch den 8. Dezembera. c. (Feiertag) im Unterhaltungssaale des „Cafe C i t y", IX., Porzellangasse, eine C h a n u k a- Akademie m i t, a n s c h 1 i e ß e n d e in Tan z. Für

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