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Neue Nationalzeitung · 1909-12-03 · Heft 25 (3.12.1909) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 25 (3.12.1909)
Date
1909-12-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Seite 5 Die Sonne ging bereits zur Neige als die sechzehnstündige Schlacht endete. Ich habe bei den einzelnen Momenten des Tages von Solferino nur einige Namen von jüdischen Soldaten genannt, die durch ihre Tapferkeit und ihr heldenmütiges Betragen besonders hervorgeleuchtet haben. Sie waren deshalb nicht die Einzigen, die sich wirklich ausgezeichnet hatten. Der Raum eines Zeitungsartikels ist jedoch zu enge, um alle entsprechend hervorzuheben, die es verdienen. Das nachfolgende Verzeichnis der an jüdische Soldaten verliehenen Auszeichnungen ergänzt diese Lücken und spricht durch sich selbst. Alle jüdischen Soldaten waren tapfer, unternehmend und gingen mit edlem Beispiele in Wort und Tat ihren Kameraden voran; 456 unter ihnen haben ihr junges Leben auf dem Schlachtfelde gelassen. Goldene Tapferkeitsmedaille: K a (I e ( t Hermann F 1 a c h. Fel d w e b ei Kudolf J) c u l < c Ii uü! (1 e f r e i { e r Jonas (i a n g. GroUe silberne Tapferkeitsmedaille; F e 1 d w e b e 1: Gustav F i n k. Jo-sel N a c h tin a )i n; Z u g s f ü h r e r: Efraim Z u k i e w i c z: K o r p; r a lt Williehn Klein: (; e f r e i t ie r: Jossol N e b e 1: (i o in o i n o: Nuchim Abend. Demeter M o s e r. und Herseli K r a u I. Kleine silberne Tapferkeitsmedaille: F e 1 d w r hol: Samuel T r a u b; Z ii k s f ii Ii r e r: Josef P o 1 1 a k, Osias Schlesinger: K o r p o r a 1: Samuel F r i e d 1 Ii n d e r, Miehnl H a a b und Eduard M a y o r; 0 o m e i n e: Adolf Ehr m a n n, Samuel Klei n. Michael Ivr ä ni e r. Gabriel L ö \v y, Lippmann M ii 1 1 o r. Josef Z i o r w o i n und Moses D e n e s. Allerhöchste Belobung: Z u g s f ii h r o r: Samuel Hacker. Geora: H e i s 1 e r: K o r j) o ia 1: Michael K a u 1) i c z e k: G o m o i n e: Ohaim C h 1 u s i n s k y. Sigmund H o t / i, Jakoli S c h e r z e r und Michael Klei n. * „Jüdische Soldaten bei Magenfa". Geehrter Herr Redakteur! Mit großem Interesse las ich in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes den Artikel von Moritz Frühling „Jüdische Soldaten bei M a g e n t a". Gestatten Sie, daß ich zu dessen Ergänzung folgende Notiz hinzufüge: Am Samstag, 25. Juni 1859, hielt der verewigte Prediger Dr. Adolf J e 11 i n e k eine begeisterte Predigt im „Neuen Tempel" zu Wien, welche auch unter dem Titel „Der Krieg" gedruckt wurde. In dieser sagte er: „Welcher Stamm und welche Religion in Oesterreich darf sich wahrhaft rühmen, uns, die Bekenner des Judentums, zu übertreffen, nicht an Vorrechten, sondern an strenger Pflichterfüllung, an Treue und Liebe für das Vaterland? Die stolzen Adler unseres Kriegsheeres, breiten sie nicht ihre Schwingen aus über mehr denn 12.000 mutige, jüdische Krieger? Ja, ist nicht einer derselben, ein österreichischer Adler, erst vor kurzem tapfer verteidigt worden von einem Sohne Zions, einem Sohne Salem s?" Der Redner spielte hier auf eine Tatsache aus der Schlacht von Magenta an. Der tapfere Jude, der noch im Zurückweichen vom Wahlplatze ein Feldzeichen des österreichischen Heeres den Feinden streitig machte, gehörte der durch Namen und Gesinnungen edlen Familie Jerusalem von Salemsf e 1 s in Prag an. Indem ich diese ergänzende Notiz Ihnen zur Verfügung stelle, zeichne ich mit Hochachtung B r ü n n. Prof. Dr. M. Grünfeld. Der „Sozialdemokratische Verband44 und die Austrittsliste. In der Parlamentssitzung vom 30. November d. J. hat der „Sozialdemokratische Verband" durch seine Mitglieder, die Abgeordneten W u t s c h 1 und Genossen an die Regierung eine Interpellation gerichtet, in der gegen die Publikation der Ausgetretenen in den jüdischen Blättern Stellung genommen wird. Die Interpellation hat folgenden Wortlaut: ..Drei in Wien erscheinende Mütter, die den religiösen Interessen der strenggläubigen Juden zu dienen bestimmt sind, veröffentlichten in jeder Nummer eine Liste der uns der jüdischen lieligümsgenossensehaff austretenden, in Wien wohnhaften Personen. Die Liste erhalten sie von der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Durch die Veröffentlichung dieser Proskriptionslisten soll Furcht vor dem Austritt aus dem Judentum erzeugt, die weitere Zugehörigkeit zum Judentum hei vielen Leuten erpreßt werden. Ks ist auf den ersten Mick erkennbar, daß die Praxis der israelitischen Kultusgemeinde den Gesetzen des Staates Hohn spricht, in dem angeblich die Freiheit, das religiöse Bekenntnis zu wählen oder frei von jedem Religionsbekenntnis zu sein, gewährleistet ist. und es ist nicht genug zu verurteilen, daß die bisherige öffentliche Kritik an dem Vorgehen der Kultusgemeinde: die Staatsbehörden nicht zum Einschreiten veranlaßt hat. Dazu hätte sie schon der Artikel 14 des St GG. über die allgemeinen Hechte der Staatsbürger veranlassen müssen, der da lautet, daß die volle Glaubensfreiheit jedermann gewährleistet ist. Ks ist ein Mißbrauch der Amtsgewalt, der da begangen wird. In dem (Jesetze, das speziell für die israelitische lieligionsgenossenschaft geschaffen wurde, heißt es wörtlich: rDie Staatsbehörde hat darüber zu wachen, daß die Organe der Kultusgemeindon ihren Wirkungskreis nicht überschreiten. Zu diesem Lude können die Behörden gesetz- oder statutwidrige Beschlüsse oder Verfügungen der Kultusgemeinden beheben, die betreffenden Vertretungskörper auflosen, ferner <Geldbußen in einer den Verniögeusx erhältnissen angemessenen Höhe sowie sonst gesetzlich zulässige Zwangsmittel in Anwendung bringen. Auch können die Behörden Mitglieder des Genieindevorstandes sowie Beligionsdiener, deren Amtsführung die öffentlich Ordnung gefährdet, des Amtes entsetzen." Der rnterrichtsminister, der Minister des Innern und der Jnstitzminister, die mit dem Vollzüge jener (Jesetze betraut sind, werden von den Interpellanten gefragt, ob sie den geschilderten Mißbrauch der Amtsgewalt der Wiener Kultusgemeinde durch Anwendung der in den Gesetzen bezeichneten Mittel beseitigen wollen." Zu dieser Interpellation lag, wie wir in Erfahrung gebracht haben, folgender unmittelbarer Anlaß vor: Die letzte Austrittsliste (vergl. unsere vorige Nummer) weist auch den Namen des Herrn Dr. Robert Danneberg auf. Dieser Herr ist Advokaturskonzipient und Redakteur der sozialdemokratischen Zeitschrift „Der jugendliche Arbeiter." Wiewohl Herr Dr. Danneberg erst im Juli d. J. das 24. Lebensjahr erreicht hat, ein minimales Jahreseinkommen (keine 2000 K) hat und noch bei seinen Eltern wohnt, wurde ihm eine Kultussteuer von 20 K von der Kultusgemeinde auferlegt. Dadurch fühlte sich Dr. Danneberg beschwert und rekurrierte. Doch sein Rekurs wurde abgewiesen. Sohin ist Herr Dr. Danneberg aus der Gemeinde ausgetreten. Wir linden das Vorgehen des Dr. Danneberg absolut nicht gerechtfertigt; es ist doch gewiß sonderbar, daß gerade innerhalb der Sozialdemokratie die führenden Juden bei der erstbesten Gelegenheit ihr Judentum über Bord werfen.

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