Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 25 (3.12.1909)
- Date
- 1909-12-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 25 feindliche Batterie bis auf Schußweite angerückt und immer furchtbarere Lücken riß das mörderische Feuer des Feindes in die Reihen des Bataillons. Mehrere Offiziere finden den Tod, die Uebrigen, darunter der Bataillonskommandant, werden kampfunfähig; eine enorme Anzahl von Mannschaft war niedergestreckt. Das erschreckend zusammengeschmolzene Bataillon beginnt zu weichen. In diesem Augenblicke attackiert von rechts die feindliche Kavallerie. Die zur Deckung der rechten Flanke bestimmte Plänklerkette formiert sich rasch in Klumpen und in einen derselben wird auch der verwundete Bataillonskommandant hineingezogen. Mit ihrem eigenen Leibe decken die unerschrockenen Leute ihren Kommandanten; ihre Verteidigung, welche der Major selbst „brillant" nennt, leitete der Kadettkorporal Herrn an n Flach (geboren in Wien) mit ebenso besonnenem als schneidigem Wesen. Die ansprengenden Chasseurs rufen dem Klumpen ein ganz deutliches „Beim Fuß!" zu. Kadett Flach hat jedoch keine andere Antwort als: „Nix beim Fuß; kommts nur her!" Die Attacke wird auch glücklich abgeschlagen und das Bataillon zieht sich zurück. Flammenden Auges berichteten die Soldaten vom Reste des Bataillons nach ihrer Rückkehr zum Regimente vom Heldenkadetten Flach und das Lob strahlte aus ihren von Begeisterung erglühenden Mienen. Flach wurde für sein hervorragend tapferes Verhalten mit der goldenen Tapferkeitsmedaille dekoriert. Das Gewoge der Schlacht hatte an Intensität zugenommen, bei Solferino, am Zypressenhügel, war das heftigste Ringen entbrannt. Ein solcher Kampf, wie der am und um den Zypressenhügel, kehrt in der Geschichte der Kriege selten wieder; am Zypressenhügel gekämpft zu haben, war eine Auszeichnung fürs ganze Leben. Hier gelang es einem Zuaven, sich ganz nahe an die Kette des 31. Infanterieregiments anzuschleichen und einen Mann derselben zu erschießen. Gemeiner Demeter Moses, hierüber erbittert, stürzte sich auf den Zuaven und durchbohrte ihn mit dem Bajonette. FML. Graf Palffy sah die entschlossene Tat des Gemeinen Moses und rief ihm seinen Beifall zu. Derselbe erwiderte aber: „Exzellenz, gehen Sie gütigst zurück, hier in der Kette ist nicht der Platz für Sie!" Gleich darauf wurde auch Graf Palffy von einer Kugel am Oberschenkel verwundet. Gemeiner Moses zeichnete sich während des Tages noch einige Male durch hervorragende Bravour aus, erhielt aber später eine Wunde, der er leider am Schlachtfelde erlag. Den verwundeten Grafen Palffy hatte der G efreite Jonas Gang des 47. Infanterieregiments auf dem Rückzüge, am Wege, angetroffen. Da der General weder ein Pferd besteigen noch gehen konnte, die feindlichen Tirailleurs aber schon in der Nähe erschienen, trug er den Verwundeten, nachdem er ihn notdürftig verbunden hatte, im feindlichen Feuer zurück und brachte ihn in Sicherheit, wofür diesem wackeren Gefreiten diegoldeneTapferkeitsm e d a i 11 e verliehen wurde. Auch der Zugsführer Efraim Zukiewicz und GemeinerMosesDenes ragten in diesem hartnäckigen Kampfe durch besondere Bravour hervor. Gegen 2 Uhr brach die Katastrophe über das bei Solferino kämpfende Zentrum herein. Die Piemontesen ergriffen die Offensive und rückten mit ihrer ganzen Macht gegen das VIII. Korps Benedek vor. Eben als sie mit überlegenen Kräften die österreichischen Stellungen angriffen, entlud sich jenes historische Gewitter, welches den Schlachtenlärm weit übertönte und den erbitterten Kampf für einen Moment zum Schweigen brachte. Inmitten des Kampfes der Elemente begann abermals das Geschützfeuer; es waren die Kanonen Benedeks, die, als ob sie das Mißgeschick des Tages noch in letzter Stunde zu bannen vermöchten, ihre erschütternde Stimme mit jener des Himmels vereinten. Als eine Division des Infanterieregiments Nr. 32 die Piemontesen angriff, aber durch Geschützfeuer stark zu leiden hatte, ermutigte Feldwebel Samuel Traub, in dessen unmittelbarer Nähe eine feindliche Kanonenkugel mehrere Leute auf einmal niedergerissen hatte, seine Mannschaft durch eine energische Ansprache zu standhaftem Ausharren. Diese warf sich nun mutvoll dem überlegenen, mit dem Bajonette vordringenden Feinde entgegen. Traub erhielt dafür die silberne Tapferkeitsmedaille. In diesem Handgemenge fiel der Fahnenführer von einer Kugel getroffen zu Boden. Die Division, dem Signale „Zurück" gehorchend, trat den Rückzug an und der Abgang der Fahne wurde erst nach einigen hundert Schritten bemerkt. Da kehrte der Divisionskommandant, gefolgt von den zunächst befindlichen elf Mann, darunter Gefreiter Jossei Nebel, sofort um und führte dieses Häuflein im fürchterlichen Feuer auf die verlassene Stelle gegen den Feind zu. Der Gefreite Nebel raffte das am Boden liegende Palladium auf; fechtend zogen sich hierauf die Wackeren zurück. Gefreit erNebel erhieltdie großesilberne Tapferkeitsmedaille. Die Piemontesen hatten im Vorrücken einen auf einer Anhöhe liegenden Schuppen besetzt und zwei Geschütze daselbst plaziert, die ein zerstörendes Feuer auf ein Bataillon des 32. Infanterieregiments eröffneten. Eine Kompanie erhält den Befehl, diesen Schuppen zu stürmen; sie schreitet zum Anlaufe, während sie der Feind mit entsetzlichem Kartätschenhagel begrüßt. Die eine Halbkompanie führte Feldwebel Gustav Fink. Obwohl seine Mannschaft durch das feindliche Feuer dezimiert wurde und die Ueberlebenden nur mühsam die Hindernisse des unebenen Bodens überwinden konnten, ließen sich die Braven nicht aufhalten. An der Spitze der Handvoll Leute, die ihm geblieben, warf sich der tollkühne Unteroffizier durch den dichten Pulverdampf der ihm entgegenprasselnden Dechargen auf den Feind. Seine Kräfte waren jedoch dem Gegner nicht gewachsen; er wich, um die Verbindung mit der anderen Halbkompanie zu erreichen, gegen den Abhang zurück und raillierte seine Abteilung. Da erblickte er die beiden feindlichen Geschütze, welche von der Bedienung und Bedeckung verlassen worden waren. In Gefahr, von seiner Truppe durch eine bereits begonnene feindliche Flankenbewegung abgeschnitten zu werden, in der Front durch das rasche Vorrücken der gegnerischen Tirailleurs bedroht, ließ er — da er kein Mittel hatte, um diese Geschütze unbrauchbar zu machen — dieselben in einen abseits befindlichen Wassergraben werfen. Erst dann zog sich der Held, jeden Schritt verteidigend, langsam zurück. Die große silberne Tapferkeitsmedaille unddie baldige Ernennung zum Unterleutnant belohntendiesenebensotapferen wie umsichtigenUnteroffizier.