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Neue Nationalzeitung · 1909-12-03 · Heft 25 (3.12.1909) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 25 (3.12.1909)
Date
1909-12-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 25 Devise gemacht hat. man möge ihn nicht nach seinen Taten, sondern nach seinenWorten beurteilen. Wie könnte es sonst möglich sein, daß Herr Dr. Güdemann einige Tage, nachdem er jenen Vortrag und dann den Nachruf für Taus*ig gehalten hatte, an dem Leichenbegängnisse des Barons Ludwig Oppenheimer teilnahm und eine Leichenrede hielt — wiewohl Baron Oppenheimer am christlichen Hietzinger Friedhofe brgraben werden solHe und seinen einzigen Sohn schon als Kind zur Taufe geführt hatte. Hat denn der Herr Oberrabbiner schon jedes Schamgefühl verloren? Oder spekuliert er auf die Gedächtnisschwäche seiner Mitmenschen? Es scheint aber, daß die Geldgier des Oberrabbiners von Wien jede Empfindung für die Würde, Autorität und die Pflichten seines Amtes in ihm verwischt hat. Der jüngste Fall hat ihn der Gemeinde von einer ganz neuen, von der allertraurigsten Seite gezeigt. Man wuß'e bisher, daß er das Geld über alles liebt, daß er selbst mit den kleinsten Rabbinern, durch die er sich vertreten läßt, auf Teilung arbeitet, aber daß ein Oberrabbiner für Geld selbst an der Leiche eines Mannes eine Grabrede hält, der in katholisch geweihter Erde, in einer mit einem Kreuz geschmückten Gruft, bestaltet wird — diese Spezialität hat nur die Wiener Kultusgemeinde aufzuweisen. In allen Kreisen der Gemeinde wird die eifrige, jede Rücksicht mißachtende Geschäfts.freudigkeit des Oberrabbiners als schweres Aergernis empfunden. Was im offiziellen Wiener Judentum jetzt öffentlich vor den Augen aller Welt sich abspielt, ist ein wahrer Chilel haschen?. Und auch der Präsident der Kultusgemeinde ist von einer Mitschuld ni<ht freizusprechen. Hätte die Wiener Gemeinde einen Präsidenten mit jüdischem Bewußtsein, der seinen Pflichten gewachsen wäre, so hätte er dem Oberrabbiner derlei Funktionen unbedingt verbieten müssen. Er hätte ihm erklärt, daß das Hausieren des Oberrabbiners mit seinen Lobsprüchlein von der Leiche des einen Geldprotzen zur anderen, das Ansehen der (iemeinde vor aller Welt kompromittiert und geeignet ist, das Judentum sowohl in den Augen der e genen Bekenner als auch nach außen hin, tief herabzusetzen. In seinem »Sabbat" - Vortrage sagte der Oberrabbiner, daß bisher der Sabbat nur durch die Kaufleute zugrunde gegangen ist. Wir können aber mit mehr Recht erklären, daß das Judentum durch solche Rabbiner in seinen Fundamenien schwer erschüttert wird. Der kleine Kaufmann ist leider durch die Ungunst der Verhältnisse oft gezwungen, im Interesse der Erhaltung seiner Familie gegen seine bessere Ueberzeugung die Glauhensgrundsätze teilweise außeracht zu lassen. Aber der Wiener Oberrabbiner, selbst ein Millionär, der ein größeres Einkommen hat, als ein Minist« r, schädigt die Autorität des Rabbinats und die Würde des Judentums, nur um seinen Geldsack noch mehr zu füllen. Vielleicht möchte Herr Dr. Güdemann auch einmal einen Vortrag halten über „Rabbinat und Geschäft". Das Haupt des Wiener Rabbinates wäre dazu berufen. Ein Sabbathfreund. Unsere P. T. Abonnenten werden um die Begleichung der rückständigen Abonnements-Gebühr höflichst ersucht. Die Administration. Moriz Frühling: Jüdische Soldaten bei Solferino. Am 24. Jänner 1859, bevor es noch im Osten dämmerte — es mochte 2 Uhr gewesen sein — erschollen von der durch unzählige Lagerfeuer markierten feindlichen Seite her Hörnerklang und Trommelwirbel: es war die französische Tagreveille. Ein heller, sonniger Junitag war im Anzüge. Zeitlich früh setzte auch schon weithin vernehmbarer Kanonendonner ein, die vordersten Abteilungen empfingen die ersten ehernen Grüße und nach kurzer Zeit entbrannte ein überaus heftiger Kampf an drei Orten zugleich. Bei Medole plänkelte Feldwebel Rudolf Deutsch von Franz Carl-Infanterie Nr. 52 mit seinem Zuge längs einer Straße und übernahm, als sein Kompanieoffizier schwer verwundet wurde, das Kommando über dessen Halbkompagnie. Der Feind drang übermütig auf diese Abteilung ein und die Streitlust des wegen seiner Tapferkeit noch aus der Schlacht bei Novara, am 23. März 1849, wohlbekannten Unteroffiziers wurde in dem Maße immer mehr und mehr angefacht, als sich die Gefahren und Schwierigkeiten einer längeren Behauptung seiner Stellung häuften. Der Terrainabschnitt, der ihm zur Verfügung stand, war vollkommen offen, und zwei nahezu mannshohe Wassergräben durchzogen ihn; sie durchwatend, ließ Deutsch seine Mannschaft hinter denselben Stellung nehmen. Die beiden Gräben bildeten ein Zugangshindernis und so vorzügliche Deckung, wie es in solchem Terrain nicht schöner gedacht werden konnte, was in der Folge das fruchtlose Stürmen des Gegners zur Genüge bewies. Auch der Feind kam zur Einsicht, daß hier mit einem Frontalangriff nichts auszurichten sei, und so ging er nun von drei Seiten zu gleicher Zeit gegen das tapfere Häuflein vor. Aber auch diesem Angriffe wußte Deutsch durch persönlichen Heldenmut, mit dem er seinen ganzen Zug begeisterte, zu widerstehen und durch feurige Worte der Aufmunterung vermochte er seine Leute sogar noch zu einem Offensivstoß auf die bloßgegebene Flanke einer feindlichen Abteilung hinzureißen. Dreimal stürzte die kleine, immer lichter werdende Schar auf den Feind ein; rings um Deutsch lagen seine Braven tot oder verwundet, aber auch von den Franzosen deckten viele das Feld. Ein Wunder war es fast, daß Deutsch selbst noch nicht niedergestreckt wurde — da, ein tückisches Geschoß, niedergestreckt wurde; da kam ein tückisches Geschoß, rechten Oberschenkel: er brach zusammen. Nun erst befahl er dem mageren Rest seiner Treuen, sich zurückzuziehen. Er selbst — unfähig sich zu bewegen — wurde umzingelt und gefangen. Dafür erhielt er nach der Rückkehr aus feindlicher Gefangenschaft die goldene Tapferkeitsmedaille. Ein zweites Bataillon dieses braven Regiments hatte ebenfalls am Gefecht teilgenommen. Im Laufschritt marschierte es, die Toten und Verwundeten hinter sich liegen lassend, vom feindlichen Geschützfeuer arg hergenommen, über die offene Haide gegen Medole. Plötzlich wurde das Bataillon von drei Seiten her bedroht: Infanterie vorne, Kavallerie rechts und Artillerie links. Mit bewunderungswürdiger Festigkeit und musterhafter Haltung, einer makedonischen Phalanx klassischer Zeiten gleich, rückte jedoch das Bataillon dem schweren Verderben entgegen. Es wird mit einem Kugelregen überschüttet und dezimiert. In der linken Flanke war inzwischen die

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