Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 24 (19.11.1909)
- Date
- 1909-11-19
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 »Neue National-Zeitung" Nr. 24 taten a/n Anne ohne Unterschied der Konfession, aber beileibe, nicht von Schabbosheiligung, gesprochen wird, die Hand zu drücken, kann es nicht besser werden. Denn fünf Schritte vom Tempel zündet man sich wieder seine Zigarre an und geht ins Bureau, um seine unterbrochen« Arbeit aufzunehmen." „Der Fraind", das jüdische Tagblatt in Petersburg wird nach Warschau verlegt. Die Herausgeber hoffen, in diesem Zentrum der Judenschaft besseT zu prosperieren. Bis auf weiteres hat das Blatt sein Erscheinen eingestellt. LITERATUR UND KUNST, Max Rittmeyer: Bilder aus Tunesien. Heckners Verlag, Wolfenbüttel 1909. Wir finden in den letzten Tagen nachstehende Notiz in den Tagblättern: „Judisches Meeting in Tunis. Ann letzten Sonntag fand hier ein großes jüdisches Meeting statt, dem mehr als dreitausend Personen beiwohnten, während noch gegen zweitausend andere an den Tonen des Hippodroms standen, in dem die Versammlung abgehalten wurde. Zweck des Meetings war ein lauter Protest gegen die Zuweisung der Juden an die Eingeborenengerichte und die Forderung auf Unterstellung der Juden unter die französische Gerichtsbarkeit. Der Erfolg des Meetings war ein unbestrittener, die gesamte Presse anerkennt — ohne Unterschied der Naionalität und der sonstigen Anschauung — daß noch nie in Tunis eine so gewaltige Versammlung ihre Forderungen in so würdiger und maßvoller Weise zur Geltung gebracht hat. Daraus ersehen wir, in welcher Zurücksetzung noch unsere Stammesgenossen in Tunis leben. Das eingangs zitierte Büchlein enthält darüber recht interessante Details. Sie sind wohl unter den übrigen Einzelheiten zerstreut; sie geben ums aber einen. Begriff von den sozialen und politischen Verhältnissen der Juden in Tunis." Ueber die Zahl der Juden und ihre Umgangssprache lesen wir: „Man rechnet 60.000 einheimische Juden, 80.000 Italiener, meist Sizilianer, 30.000 Franzosen, 12.000 Malteser und 3000 sonstige Europäer, darunter allein 1000 Griechen; den Rest bilden Mohammedaner der verschiedensten Stämme. Welch ein Kauderwelsch schwatzt dies Volk zusammen! Die Araber und Juden unter sich sprechen arabisch. J u d e n all e i n auch noch hebräisch. Es gibt arabische und hebräische Zeitungen für die, die lesen und schreiben können. Unter den Europäern, zu denen auch die ganz einheimisch gewordenen Italiener und Franzosen zu rechnen sind, herrscht jetzt die französische Regierungssprache. Indessen it es mir vorgekommen, daß ich im Innern der Stadt Tunis eher mit Italienisch als Französisch weiter kam. Von den älteren Arabern spricht fast keiner eine europäische Sprache, die einheimischen Juden eher italienisch als französisch. Der Jugend wird in den zahlreichen frankoarabischen Schulen die neue Landessprache beigebracht." Will man wissen, warum sich die Juden so entschieden gegen die einheimische Gerichtsbarkeit wehren, so erhält man darauf in den nachstehenden Schilderungen die Antwort: „Außer den Arabern unterstehen der arabisch-tunesischen Gerichtsbarkeit auch die eingeborenen tunesischen Juden. Ihre Stellung ist eine eigentümlich mißachtete und gegenwärtig machen sie alle Anstrengungen^ eine Besserung derselben zu erreichen. Während nämlich die Araber zu den Stellungen des Oaid und des Scheik kommen, also zum Range von Beamten, und als solche hohes Ansehen genießen, während der einfache Araber als Schutzmann von der Regierung bestätigt wird, kann kein tunesischer Jude, mag er noch so reich und noc/h so gebildet sein, zu irgend einer Stellung gelangen. Die Juden für sich haben auch keine Gerichtsbarkeit, sondern werden, wie oben schon erwähnt, vor ein arabisches Tribunal geschleppt und von ihm abgeurteilt. Auch bezüglich des Militärdienstes werden sie als minderwertig angesehen. Der Araber ist dem Militärdienst unterworfen, der Jude wird nicht Soldat." Sehr „schmeichelhaft" ist das Urteil des Verfassers über die Schönheit der jüdischen Frauen: „Die Jüdinnen zeichnen sich von ihren arabischen Schwestern durch große Schönheit, durch fabelhafte Fettleibigkeit, ferner dadurch aus. daß sie unverschleiert gehen und eine hohe, goldgestickte, zuckerhutförmige Kopfbedeckung tragen. Es ist zum Lachen, so eine maßlos fette Jüdin auf der Straße watscheln zu sehen! Die Absätze der viel zu kleinen Pantöffelehen sitzen genau unter der Mitte des Fußes, aber verlieren tut keine einen!" Von der Kleidung der Männer weiß er zu sagen: „Die Juden tragen meist auch die arabischen Gewänder, aber immer schwarzen oder tief dunkelblauen Tu/rban . . ." Die Juden betreiben zumeist den Handel. Das erkennt man schon an dem StraßenbiLde, welches Tunis am Samstag oder an jüdischen Feiertagen darbietet. Der Ba.sa,r ist dann wie ausgestorben. Das Büchel liest sich rocht interessant und bietet eine sehr anschauliche Vorbereitung für jedermtnn, der einmal diesen bunten Landstrich Afirikas aufzusuchen gedenkt. bied eines jüdischen Soldaten.1) Ün2) draußen is e finstre Nacht, E Regen ün e Wind, Ech3) sitz' in de Stüb' ün klär' ün trachf, Wus thüt man Wab4) ün Kind! Ech blos' den Roiech5) vün der Ltilke6) eraus, Der Wind, der chapt7) ehm zü, Ün flieht mit ehm in de Welt eraus; — Oj flieh', mei Roiech, flieh'! Der Roiech flieht über Feld ün Wald, Ün flieht gar ohn' e Eck. — Ech wer' doch nebech8) grau ün alt, Man Leben laft eweg!9) Der Roiech waß,10) wie mir is; Er hot gesehn man Greim,11) Ün hat genimmen mit e Gruß, Zu dir, mein gilden Heim! Wos nützt mer dos, wos es thüt mer bang; Ech zeil'12) doch ifliche ,3) Schoh,") — Es werd' doch nicht mehr dauern lang, Soi15) bin ech nischt mer do!16) JVlotizen. Widmung des Reinerträgnisses der XXVII. Staatslotterie. Der Reinertrag der XXVII. Staatslotterie für gemeinsame Militärwohltätdgkeitszwecke der diesseitigen Reüehshälfte, deren Ziehung am 16. Dezember d. J. stattfindet, ist z_ur Beteilung einer großen Anzahl humanitärer Anstalten bestimmt. Der Spielplan dieser Lotterie bietet sehr günstige Chancen, indem 18.386 Gewinste in barem Gelde im Gesamtbeträge von 514.800 Kronen, darunter ein Haupttreffer von 200.000 Kronen, zur Verlosung gelangen. Durch die reichen TreffeTdotationen und die Widmungen für wohltätige Zwecke erklärt sich die große Popularität der Staatswohltätigkeitslotterie, welche in den letzten Jahren in den weitesten Kreisen Eingang gefunden hat. Lose zu 4 Kronen sind in Tabaktrafiken, Wechselstuben, Lottokoliekturen etc. erhältLkh._ Briefkasten der Redaktion. S. L. Sie meinen offenbar die auf der Militärbahn Marienfelde-Zossen vorgenommenen Fahrversuche. Die „Studiengesellschaft für elektrische Schnellbahnen" hat dort Geschwindigkeiten bis zu 20 Kilometer in der Stunde erreicht (Oktober 1903). Zwischen Berlin—Gr.-Lichterfelde haben Siemens & Halske 1903 die erste elektrische Vollbahn im Deutschen Reiche gebaut. Diese ist eine Vorortebahn. Ueber erfolgreiche Schnellfahrten auf dieser Strecke ist uns nichts bekannt. ') Dieses, uns von Herrn Moriz Frühling freundlichst zur Verfügung gestellte Lied dürfte aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, da die Juden zuerst in die österreichische Armee eingereiht wurden, stammen. Dieses Lied wird noch heute in den galizischen Ghetti gesungen. Die Redaktion. — ') Und; 3) ich; 4) mein Weib; *) Rauch; «) Pfeife; 7) ergreift; 8) leider: 9) schreitet dahin; 10) weiß; ") Kränkung; ,2) zähle; ") jede; J<) Stunde; **) so; ,6) da.