Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 24 (19.11.1909)
- Date
- 1909-11-19
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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„Neue National-Zeitung" Nr. 24 sein. Verhältnismäßig die meisten Juden zählt Charlottenburg. Die judenreicbste Stadt der Welt ist New-York mit 6 -0,000 Juden. In zweiter Reihe steht Warschau mit 203.000 Juden. Jüdische Gewerbeschulen in Kussland. Der russische sozialdemokratische Abgeordnete Beleussow sammelt zum Zwecke einer Interpellation an den Kultusminister Material über die gegenwärtige Lage des jüdischen Bildungswesens im ganzen Reiche. Ueber die jüdischen Gewerbeschulen, die alle von jüdischen Korperationen erhalten werden, sind ihm nun folgende interessante Angaben zugekommen: Die Zahl dieser Schulen ist in steter Zunahme begriffen: sie stieg von 6 im Jahre 1903 auf 25 im Jahre 1907. Dementsprechend stiegen auch die Ausgaben für diese Schulen von 144.500 Rubel im Jahre 1905 auf 215.500 Rubel im Jahe 1907. Dagegen sank die Zahl der Zöglinge in diesen Schulen. Im Jahre 1905 betrug sie durchschnittlich 80 in jeder Schule; im Jahre 1906 75 und im Jahre 1907 nur 66 pro Schule. Die Gesamtzahl der Schüler betrug im Jahre 1906 1422, im Jahre 1907 1311. Das erklärt sich ganz offenbar durch die Verschlechterung der ökonomischen Lage der jüdischen Massen und durch die infolge der Pogrome hervorgerufenen Massenauswanderung. Viele Zöglinge mußten die Schule verlassen, weil ihre Eltern selbst das geringe Schulgeld von 5—10 Rubeln jährlich nicht entrichten konnten. Außer den Fachabteilungen, von denen die fabrikmäßigen Fächer, eine Schlosserei, Weberei usw. die stärkste Frequenz aufweisen, befindet sich in jeder Schule auch eine Abteilung für allgemeine Bildung. Das Kreuz auf der Synagoge. In der Judenschaft von Odessa herrscht eine große Aufregung wegen des nachstehenden Vorfalles: Bei der jüngsten Illumination zur Feier des Jahrestages der Thronbesteigung des Zaren hatten die Juden ihre Hauptsynagoge mit dem kaiserlichen Wappen und der Kaiserkrone geschmückt, jedoch von der Krone das Kreuz weggelassen, da nach jüdischem Ritus das Anbringen eines Kreuzes weder an den Außenwänden, noch im Inneren der Synagoge gestattet ist. Daraufhin sind die Vorsteher der Judengemeinde zu dem Stadthauptmann von Odessa, dem General Tolmatscheff, zitiert worden, wo ihnen wegen der Weglassung des Kreuzes von der Kaiserkrone ein strenger Verweis erteilt und ihnen angekündigt wurde, daß sie im Wiederholungsfalle wegen Mißachtung der allerhöchsten Herrscherembleme zu schweren Arrest- und Geldstrafen verurteilt werden würden. Zugleich verfügte der Gouverneur, daß künftighin bei allen Festlichkeiten, welche aus Anlaß von Gedenktagen in der Zarenfamilie veranstaltet werden, auf jeder Synagoge ein Kreuz aufzustellen ist, um so alle Symbole, welche die Kaiserkrone vereinigt, zu ehren. So bedauerlich dieser Vorfall ist, wenn man ihn oberflächlich beurteilt, so muß man doch an die Konsequenzen denken, die das Verhalten der jüdischen Vorsteher nach sich ziehen müßte. Wenn von jüdischer Seite aus der kaiserlichen Krone das Kreuz entfernt werden müßte, warum nehmen die Rabbiner und Vorsteher keinen Anstand, Verdienstk r e u z e zu tragen oder Ordensauszeichnungen anzunehmen, die wie beispielsweise der Franz Josefsorden mit Kreuzen geschmückt sind? Also nur nicht so zimperlich! Können die Rabbiner ihre Brust mit Kreuzen schmücken, so müssen sie auch du iden, wenn bei festlichen Anläßen auch die mit einem Kreuze versehene Kaiserkrone auf Synagogen angebracht wird. Ministerpräsident Zahle — kein Jude. Es ist eine merkwürdige Eigenschaft gewisser jüdischer Blätter, daß sie jeden berühmten Menschen, soweit das Gegenteil nicht feststeht, zum Juden stempeln. So machten sie es unlängst mit der Eintags-Berühmlheit Dr. C o o k, und jetzt ist wieder der neue dänische Ministerpräsident Zahle an die Reihe gekommen. In beiden Fällen ist lediglich der Wunsch Vater des Gedankens. Wohl ist die Frau des Ministerpräsidenten Zahle, eine geborene Trier, Jüdin; der Premier selbst ein geborener Christ. Das antisemitische Tagblatt ,.GIos Narodu' in Krakau, ein berfichtiges Hetzblatt, wurde von den A11 p o le n übernommen. Die Partei, zu deren Hauptstützen der ehemalige Kadihmaner Dr. Gold gehört, legt sich nunmehr nach der Allianz mit Stojalowski keinen Zwang mehr auf. „Der rote Zettel" in Palästina. In Sachen des viel umstrittenen roten Zettels hat der türkische Minister des Innern an den Gouverneur von Jerusalem ein Telegramm erlassen, worin bis zur Entscheidung des Parlaments „alle Gesetze, die bisher in Kraft waren, einzuhalten wären". Der rote Zettel bleibt also noch immer. Frau Botschafter Strauss in Konstantinopcl hat sich zur Aufgabe gemacht, die türkischen Städte mit größeren Judengemeinden zu bereisen, um die soziale Lage der jüdischen Frauen zu studieren. Ihr erster Besuch wird der Judengemeinde in Salonichi gelten. Unter den heutigen Verhältnissen, wo die Frauen jüdischer „Kapazitäten" sich in christliche Salons drängen und ihre Töchter abgekrachten Aristokraten zuführen, ist es umso erfreulicher, wenn die Frau des einzigen jüdischen Botschafters gerade die ärmsten Frauen ihres Volksstammes aufsucht. Die Pressverhältnisse in der Türkei. Der Polizeidirektor von Salonichi lud dieser Tage die verantwortlichen Redakteure der dortigen Zeitungen zu sich ein, um ihnen eine Zirkularnote des Ministers des Innern T a- I a a t B e y bekanntzugeben. In diesem Zirkulare beklagt sich der Minister, daß gewisse Provinzblätter Artikel veröffentlichen, die geeignet erscheinen, zwischen den verschiedenen Elementen des Landes Uneinigkeit hervorzurufen und die Einigkeit zu zerstören, die im Lande herrschen müsse. Mit Rücksicht auf das höhere Interesse des Vaterlandes werden die verantwortlichen Leiter der Journale verhalten, die Rassen- und Konfessionsfrage mit Takt und Zurückhaltung zu behandeln. Der Inhalt der Zeitungen wird regelmäßig kontrolliert werden. Der General prokurator hat den Auftrag erhalten, jedes Journal, das Schmähartikel gegen irgend ein Element der im Reiche lebenden Völker oder Konfessionen veröffentlicht, in der Person des verantwortlichen Redakteurs laut Artikel 16 des Preßgesetzes rücksichtslos zu verfolgen. Zur Nachahmung empfohlen! Herr Alexander Schorr in Wien hat dem „Galiztsehen Hilfsverein" in Wien 4°/0 Ungar. Kronenrente im Nominalwerte von K 18.000 mit der Bestimmung übergeben, dalf dieses Kapital als Anlagekapital einer von diesem Verein zu gründenden Erwerbs¬ und Wirtschaftsgenossenschaft (Vorschußkassa) in einem Orte Galiziens verwendet werde. Jüdisches Massenelend im Ansiedlungsrayon. Die wirtschaftliche Lage der Juden im russischen Ansiedlungsrayon wird immer trostloser. Die Fabriken werden den jüdischen Arbeitern immer mehr verschlossen. Der Kleinhandel, auf den die Juden zum größten Teile angewiesen sind, wird durch die großen korperativen Gesellschaften beständig verdrängt. Auch die Lage der jüdischen Handwerker gestaltet sich immer trauriger. Die unter den jüdischen Arbeitern herrschende große Arbeitslosigkeit hat in einigen Orten, wie Warschau und Bjalystok, zu dem Bestreben geführt, jüdische Arbeiterfabriken auf genossenschaftlicher Basis zu begründen. Bisher konnte aber dieser aussichtsreiche Plan aus Mangel an Mitteln noch nicht verwirklicht werden. Wo bleiben die großen Hilfsorganisationen? Reichsduma-Mitglied Brodsky — angeklagt. Die reaktionäre Sippe in Rußland arbeilet konsequent. Da der Senat dem ersten Anstürme von Protesten widerstand und