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Neue Nationalzeitung · 1909-11-19 · Heft 24 (19.11.1909) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 24 (19.11.1909)
Date
1909-11-19
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 24 „Neue National-Zeitung" Seite 7 Die allgemeine Bildung des Rabbiners. Wien. 18. November. Nach dem Gesetze vom 21. März 18y0, resp. der Verordnung des Ministeriums für Kultus und Unterricht vom 7. Juni 1892, muß der Kandidat für eine Rabbinerstelle in einer kleineren Stadt Galiziens „zum Mindesten ein vorschriftsmäßig ausgestelltes Entlassungszeugnis über die vollständig mit entsprechendem Erfolg zurückgelegte vierklassige Volksschule beibringen". Rabbiner Osias Pinkas Bombach in Oswiecim hat jedoch die Volksschule nicht absolviert, sondern lediglich die Prüfung über die vierte Volksschulklasse mit gutem Erfolge bestanden. Diesen Umstand benutzten seine Gegner (Die »Fortschrittler-), um ihn aus dem Amte zu verdrängen. Die Bezirkshauptmannschaft ebenso die Statthalterei wiesen den Protest zurück unter Hinweis auf das von Bombach vorgelegte Zeugnis. Das Unterrichtsministerium gab jedoch dem Rekurse, der erhoben worden war, nachdem es ein Gutachten des Landesschulrates eingeholt hatte, statt. Gegen diese Entscheidung des Ministeriums erhoben die israelitische Kultusgemeinde in Oswiecim und der Rabbiner Bombach die Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof, die unter dem Vorsitze des Senatspräsidenten Truxa zur Verhandlung gelangte. Es wurde dieser Beschwerde auch stattgegeben. Es wäre aber schon die höchste Zeit, die veralteten Vorschriften den Zeitverhältnissen mehr anzupassen. Soll denn für die Absolventen der israel.-theologischen Anstalt gar nichts geschehen? Nachklänge zur Salzgries-Versammlung. Wien, 9. November. Bei der gestrigen Verhandlung vor dem Strafrichter Dr. Bilek hatte sich der Techniker Moses Freundlich wegen Beleidigung unseres Herausgebers, Dr. S. R. Landau, in der von uns ausführlich besprochenen Versammlung des „Jüdischen National-Vereines" am Salzgries zu verantworten. Herr Freundlich leistete Abbitte. Er verpflichtete sich weiters, an den Verein „Bezalel" eine Buße im Betrage von 50 Kronen zu bezahlen. Hierauf trat Dr. Landau von der Anklage zurück. GEMSiNDSwn& VSReiNiNrHRRiCFÄW Wien. (Verein der Sabbatfreunde „Schomre Schabbo s") versendet folgende Einhidung: Der VeTein der „Sabbatfreunde" eröffnet seinen diesjährigen Vortragszyklus am Dienstag, den 23. November 1909, &8 Uhr abends, im Festsaale des Hotel Continental, Eingang II., Taborstraße 8, mit einer Vorlesung Sr. Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners Dr. M. Güdemann, der „Ueber den Sabbat" sprechen wird. Gäste, auch Damen, herzlichst willkommen. New-Vork. (Der Verband der österreichisch-jüdischen Wo hltätigkeitsvereine) hat seine 9. Konvention in den Progreß Assembly Rooms abgehalten. 270 galizische Vereinigungen entsandten Delegierte und an 2000 Personen besuchten im Laufe der zweitägigen Beratungen die Konvention. Die Eröffnung derselben war sehr feierlich. Nachdem Rabbiner Dr. Jakob Tailau das Gebet gesprochen und der Präsident Herr M. B r e i t b a r t seinen Rechenschaftsbericht erstattet hatte, übernahm Dr. M. N e u- Städter den Vorsitz und stellte als ersten Redner den Vertreter des hiesigen Generalkonsulates Konsul Dr. von Manojlovits vor. Der kaum endenwollende Beifall, der sein Erscheinen begleitete, bewies, daß die Anwesenien c.ieh no<h viel Liebe für die alte Heimat bewahrt haben; die vornehm und zu Herzen gehende Rede des Herrn v. Manojlorits entfesselte minutenlangen Beifall. Außer dem Konsul sprachen noch der bekannt« Politiker Edw. Lauterbach und Kongreßmitglied Goldfogle. Als Vertreter der Oesterreichischen Gesellschaft war der Vizepräsident Doktor S. Breitenfeld erschienen. Der Verband, hat ein Altenheim errichtet, welches demdenxnächst seiner Bestimmung übergeben wird. Die Besucher der Konvention haben die ganze Einrichtung für dasselbe gespendet. ALLEN WSLtCEiLSN Der neue Bürgermeister von New-York. Mr. G a y n o r hat seine Wahl nicht zuletzt den jüdischen Wählern zu verdanken. Mr. G a y n o r hat sich bekanntlich erst durch seine Preßkampagne gegen den Polizeichef von New-York, Colonel B i n g h a m, einen Namen verschafft; ihm ist es zu verdanken, daß Bingham seines Amtes enthoben wurde. Da Bingham wegen seiner antisemitischen Publikationen auch bei den Jaden verhaßt war, so haben sich dieselben dem Mr. Gaynor anläßlich der Mayorswahl dankbar gezeigt. Anläßlich einer Aufwartung jüdischer Deputationen hielt Gaynor eine Ansprache, ans der folgende Worte b esonders hervorgehoben zu werden verdienen : „Die ganzeWelt hat Ihnen viel zu danken. Zunächst in der Religion, dem Glauben an einen einzigen, wahren Gott, von dem Sie niemals abwichen. Sie dankt Ihnen auch viel auf dem Gebiete der Wissenschaft, Literatur und Staatskunst. Ich kann mich leider jetzt nicht auf die Aufzählung aller jener Angehörigen verbreiten, deren Verdienste um die Förderung von Kunst, Musik und all dessen uneingeschränkt anerkannt werden, wovon die Aufklärung, das Glück, die Zivilisation unserer Zeit abhängt. Die Christen hatten niemals wahre Gründe, Sie zu hassen. Der Haß entstand aus Böswilligkeit, enstand in Zeiten der Finsternis, der großen Mißverständnisse. Dieser Haß kann sich heute nur noch bei jenen Völkern halten, die noch in Unwissenheit verharren, die auf einer niedereren Kulturstufe stehen als die übrigen und die noch der Einwirkung der wahren Zivilisation bedürfen, um von diesem Hasse befreit zu werden." Die jüdische Wanderung. Ein antisemitisches Blatt schreibt: Die jüdische Bevölkerung von Wien und Pest. — Bei keinem Volke tritt der Zug nach der Großstadt so außerordentlich stark hervor wie bei den Juden, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Oesterreich und Ungarn. So erklärt sich das außerordentliche Anwachsen der jüdischen Bevölkerung in den Hauptstädten dieser Reiche, namentlich seit dem Eintreten der neuen Aera mit der Freizügigkeit um die Mitte des vorigen Jahrhunderts. Im Jahre 1870 zählte Wien erst 52.000 Juden, im Jahre 1890 bereits 118.000 Juden und gegenwärtig dürften in Wien 180.000 Juden leben. Verhältnismäßig noch rascher haben sich die Juden in Pest vermehrt. Denn ihre Zahl stieg von 42.000 in 1869 auf 103.000 in 1890 und dürfte gegenwärtig rund 175.000 Köpfe ausmachen. In Pest wohnen bereits 20 Prozent aller ungarischen Juden. Alljährlich ziehen viele ungarische Juden nach Wien. Etwa ein Drittel der Wiener Juden besitzt nicht die österreichische, sondern eine fremde, meist die ungarische Staatsangehörigkeit. Von Wien aus übersiedeln außerordentlich viele Juden nach Berlin oder nach Paris, in welch letzterer Stadt ihnen unter der dritten Republik die günstigsten Aussichten nach allen Richtungen hin winken. Mit Rücksicht auf die starke jüdische Einwanderung aus Rußland dürfte das Judentum Groß-Berlins auf mindestens 150.000 Köpfe angewachsen

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