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Neue Nationalzeitung · 1909-11-19 · Heft 24 (19.11.1909) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 24 (19.11.1909)
Date
1909-11-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 24 eine Zurücksetzung für die jüdischen Soldaten, sondern auch den Entgang einer richtigen moralischen und menschlichen Stütze in einer schweren Zeit, wo der jüdische Soldat, oft fern von Freunden und Verwandten, sich ganz einsam und verlassen fühlt. Daß unsere Gemeinde- „Versorger" nach dieser Richtung bisher nicht einmal einen Finger gerührt haben, zeigt nur, wie selbst die religiösen Interessen der jüdischen Bevölkerung von dieser Seite vernachlässigt werden. Welche Bedeutung dem jüdischen Seelsorger im Heere zukommt, beweist die Stellung des Reverend Michael Adler in London, der mit dem Runge eines Kapitäns als Seelsorger für die englische Landarmee und die königliche Marine angestellt ist. Reverend Adler besucht von Zeit zu Zeit die Kasernen, er unterhält sich mit den jüdischen Soldaten über jüdische Fragen, belehrt sie, erkundigt sich nach ihren persönlichen Verhältnissen, veranstaltet an den Feiertagen für sie Gottesdienste und interveniert bei den Vorgesetzten, um anläßlich der Feiertage die Soldaten vom Dienste zu entheben. Es ist in England allgemein aufgefallen, daß sich die Zahl der jüdischen Soldaten und Matrosen, die vor vier Jahren kaum 219 betrug, in der letzten Zeit mehr als verdreifacht hat. Bei näherer Untersuchung stellte es sich heraus, daß viele Soldaten ihren Glauben anläßlich des Eintrittes ins Heer verleugneten, um Schikanen zu vermeiden. Seit der Anstellung des Reverend Adler haben nun alle Soldaten ihr Judentum offen eingestanden und sich beeilt, den Seelsorger davon zu verständigen, damit sie im Falle des Todes ein jüdisches Leichenbegängnis erhalten. Reverend Adler wird auch kraft seines Amtes von den militärischen Behörden um Gutachten angegangen. So wendete sich einmal der Regiments- Kommandant aus einer entfernten Provinz an ihn mit der telegraphischen Anfrage, ob er einem jüdischen Soldaten, der wegen des Todes seiner Mutter für die ersten zwölf Trauertage vom Dienste enthoben sein wolle, diese bewilligen soll. Reverend Adler hat dieses Ansuchen befürwortet und es wurde bewilligt. Die jüdischen Offiziere in der Armee (58) und in der Marine (18) stehen mit ihrem Kameraden von der Seelsorge im besten Einvernehmen und auch sie fühlen sich durch seine hervorragende gesellschaftliche Position geehrt. Wir machen auf die Zurücksetzung der jüdischen Seelsorger in der österreichischen Armee speziell das Kuratorium der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien, aufmerksam. Alljährlich wird eine große Anzahl von Rabbinern aus dieser Anstalt entlassen, denen jede geistliche Betätigung fehlt. Durch Stabilisierung von Rabbinern im Heere würde sich für diese jungen Leute ein neues Gebiet eröffnen. Das Kuratorium hätte da Gelegenheit zu zeigen, daß es etwas leistet und nicht blos dem Namen nach besteht. Ein Provinz-Rabbiner. DIE JÜDISCHE Efl IQ RATION. Vor N<*w-York wird gewarnt! Im New-Yorker jüdischen Tagblatte „The Jewish Gazette" behandelt der Munizipal-Richter Leo Sanders sehr eingehend die Frage, ob den jüdischen Einwanderern eine Ansiedlung in New-York zu empfehlen sei. Der Verfasser kommt zum Resultate, daß die Verhältnisse im jüdischen Ghetto von New - York jeden weiteren Massenzufluß unmöglich machen. Es könne höchstens noch bezüglich der Familienangehörigen derjenigen, die in New-York bereits eine sichere Existenz besitzen, eine Ausnahme gemacht averden, sonst aber müssen die Emigranten noch rechtzeitig, bevor sie Europa verlassen, darauf aufmerksam gemacht werden, daß sie im Interesse einer gesicherten Existenz lieber andere Teile der Vereinigten Staaten aufsuchen. Sanders appelliert an alle amerikanischen Juden, die mit Europa in Beziehungen stehen, soAvie an die jüdische Presse diesseits und jenseits des Ozeans, in diesem Sinne auf die Emigranten zu Avirken. „Jeder Jude" — schreibt Richter Sanders — »der seinen europäischen Freunden helfen will, wenn sie die alte Welt verlassen, soll ihnen mitteilen, daß New-York nicht der einzige Hafen in Nordamerika ist. Es gibt noch außerdem Philadelphia, Boston, Baltimore und schließlich Galveston. Hier kann man leichter in das Avirkliche Amerika gelangen, wo die jüdische EinAvanderung nicht zurückgedrängt Avird, avo Kapital und Boden verlügoar sind, wo die Erde fett und mineralreich ist, avo jeder arbeitswillige Mensch eine gesicherte Existenz findet. Möge sich eine endlose Korrespondenz entspinnen zwischen den amerikanischen Juden und ihren europäischen Verwandten, auf daß ein richtiges Emigrationssystem einsetze und das jüdische Volk endlich vom antisemitischen Europa 1 o s k o m m e! Durch ihre Zahl Averden die Juden dieses Land stärken, mit ihrem energischen Willen Wüsten in Weingärten verAvandeln und mit ihrer Arbeit diesem Boden seine Kräfte entAvinden. So Averden sie für das amerikanische Land ein Segen sein; ihren Brüdern werden sie Glück bringen nach 2000 Jahren der Wanderung.* Die Emigration nach Argentinien. In Argentinien sind im Jahre 1908 255.710 Einwanderer (Zwischendeck-Passagiere) eingetroffen. Außerdem kamen noch 16.223 Personen in der I. und II. Klasse. Im vorhergehenden Jahre betrug die Zahl der Einwanderer um 16.607 weniger. Von den Immigranten im Jahre 1908 waren 125.479 Spanier, 93.490 Italiener, 9.111 Syrier, 8.500 Russen, 3.823 Franzosen, 2.551 Oesterreicher, 2.469 Deutsche, 2.083 Portugiesen, 1.879 Engländer u. a. Darunter waren 5.444 Juden. Die Emigrations- und Wahlpolitik in New-York. Die Bemühungen des New-Yorker Komitees behufs Erlangung von Erleichterungen für die jüdische Einwanderung nach Amerika haben endlich gewisse Erfolge gezeitigt. Der vom Komitee nach Washington entsandte Rechtsanwalt Charles D u s h k i n d konferierte dort mit zwei hervorragenden Regierungsvertretern, die ihre Zustimmung zur Ernennung eines jüdischen Kommissarsgehilfen auf Ellis-

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