Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 24 (19.11.1909)
- Date
- 1909-11-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 In immer steigender Kampflust verfolgten die Abteilungen die eingeschlagene Richtung und waren bald bis Gasa Limido vorgedrungen, welches von den Franzosen besetzt war und auf die anrückenden Kolonnen ein wahrhaft mörderisches Feuer eröffneten. Aber ungebeugt und fest entschlossen bewirkte die Truppe ihre Annäherung, drang endlich in die Cascine, aus welcher der Feind, ohne den Kampf Mann an Mann aufzu ehmen, das Weite suchte. Korporal Benjamin Slamnik, ein Mann von hervorragender Entschlossenheit hatte hier mit glänzender Bravour gefochten. Ueberall seinen Offizieren zur Hand, überall anwesend, wo eine Erschütterung der eigenen Mannschaft möglich gewesen wäre, war er für die letztere ein Vorbild der Aufopferung. Bei einem Bajonettangriffe zerschmetterte ihm eine feindliche Kugel seinen linken Oberarm. Slamnik aber achtete nicht der schweren Wunde; unfähig, sein Gewehr weiter zu gebrauchen, stürzte er sich mit dem Säbel in der Faust auf den Feind und blieb so lange noch in der vordersten Reihe der Streiter, bis übermäßiger Blutverlust seine Kräfte schwinden ließ. Da erst meldete sich der brave Mann reglementmäßig bei seinem Hauptmann, daß er zu schwach geworden, um weiter zu kämpfen; er wurde sofort auf den Verbandsplatz gebracht, erlag aber bald seiner schweren Verletzung. Die eroberte Cascine war mit Verwundeten und Leichen angefüllt; friedlich beieinander lagen liier Oesterreicher und Franzosen in ewigem Schlafe! Viele erhebende Szenen heldenmütiger Hingebung, dann viele rührende Beweise waffenbrüderlicher Anteilnahme, aber auch wahrhaft erschütternde Bilder, gezeichnet von des Kriegers grausamem Griffel, boten sich dem Auge der Kämpfer dar. So bebte selbst das Herz der rauhen Krieger, als sie den Jammer eines J u d e n sahen, dessen Kind, als es den Verwundeten Wasser zutrug, durch eine Kugel zufällig getötet wurde. Es war ein Drama von packender Gewalt, als der unglückliche Vater sein blutendes Kind in die Arme schloß, dann aber in grenzenloser Verzweiflung über die kleine Leiche gebeugt — betete. Als am Abende Rekognoszierungspatrouillen entsendet wurden, die die Stellung des Feindes zu erforschen halten, bot sich der Korporal Sender Groß hiezu freiwillig an. Dieser Unteroffizier kam bald mit der Meldung zurück, daß er unweit eine Abteilung entdeckt habe, die in einem Graben liege und jedenfalls eine französische sein müsse, weil er in einer ihm vollkommen fremden Sprache reden gehört habe. Als sein Kompagnie-Kommandant mit dieser Meldung nicht zufrieden war, erbot sich Groß sogleich genauere Ueberzeugung zu verschaffen, ging auf diese Abteilung gerade los, wurde dort in fremder Sprache angerufen, auf sein „gut Freund" aber mit Gewehrschüssen begrüßt. Korporal Groß sprang mit seinen beigehabten vier Mann blindlings auf den Feind los, der sich überfallen glaubte und eiligst die Flucht ergriff. Groß, damit nicht zufrieden, setzte nach und ergriff einen Franzosen, den er nun seinem Hauptmanne mit den Worten vorstellte: „Ich bitte gehorsamst, sich zu überzeugen, daß dort wirklich Franzosen waren.11 Der Korporal Samuel G e 11 m a n n hat während des Rückzuges nach Magenta die retirirende Mannschaft zweimal gesammelt, selbe gegen den nachrückenden Feind in Plänkler aufgelöst und durch seinen persönlichen Mut, sowie durch zweckmäßige Postierung seiner Plänkler, dem Feinde das Nachrücken bedeutend erschwert. Der Kampf schwieg. Ermüdet von den Anstrengungen des Tages pflegten die Lebenden der wohlverdienten Ruhe, und um die auf dem Felde der Ehre Gefallenen, begann die Ewigkeit bereits ihren goldenen Kr.mz zu winden. Der 4. Juni war ein heißer Tag. Von der ersten bis zur letzten Stunde fochten die kaiserlichen Truppen mit rühmenswerter Begeisterung und die einzelnen Abteilungen suchten sich an Ausdauer und Tapferkeit zu übertreffen. Die Namen der jüdischen Soldaten, die bei Magerita mehr als ihre Pflicht taten, die überall unter den ersten waren, einen überaus günstigen Eindruck auf ihre Kameraden übten und mit Tapferkeitsmedaillen dekoriert oder belobt wurden, sind folgende: Goldene Tapferkeitsmedaille .* Korporal Ii e n j a m i n S I a m n i k. Grosse silberne Tapferkeitsmedaille: Feldwebel: Hermann Fürst, Michael (Jrünhur, Hermann Kremser, Albert Perl. Karl I' fei ff er, Jakob S c 1) w a r z, Simon \V o 1 f. Z u «r s f i'i h r e r : flottlieb K a n n, Osias S c h 1 e s i n »■ e r. Philipp S c h w a r z, .Moritz W e i I! f e I (I. K o r p orale: Samuel (i e 1 1 m a n n, Jakob P e 1 /, Josef S p i t z. Gemeine: Hermann H e r m a n n. Samuel Kuh n, Michael K r ä m e r, .loset' M a y e r, Salonion K e c h n i t z e r, Ascher Zeh n- <r e 1» o t h und Yormeistor Wilhelm S c h ü t z. Kleine silberne Tapferkeitsmedaille: F e 1 <l w e b e I : I^naz (»ecke r, Adolf Ii ö Ii m, .Josef Silliorstein. Simon T a n b. Moses T a u s s i <r. Adolf W o 1 f f und Sigmund \Y o 1 f f. Z ii <r s f ii h r e r : llernhard H r a u n e r Moses Ii r a u n e r. Joachim Kraus. Josef P i a s c h. I<rnaz Popper, Jakob Schreibe r und Franz (J r o Ii m a n n. Kor p o r a 1 e : Samuel F i n d 1 a u c Ii. Moritz K ö u i «• sf e 1 (I. Moses N a <r y, Josef N e u d ö r f e r, Adolf Poll a k. Leib S c h m i e r. Osias S c h m o 1 1 i n <? e r. Adolf \V e i Ii b u r und Samuel AV i t s c h e n. Hof reite: Sigmund N o t z i, Abraham F e d e r. Meier Spiel m a n n. Gemeine: Josef K w i y, Frnsr Glaser, Michael (J ö t z. ( haskel II a 1 I a u n b r e n u e r. Kmanuel M ii 11er, Salo Ii e c hn i t z. Moritz S c h e t t 1 i k. Moses Silliorstein, Leiser S t a ii b, Abraham \V o I f f, Leiser Z s i <r m o n d. Allerhöchste Belobnng: F e 1 d w e b e 1 : I<rnaz F r;iss o n. Paul S c h w a r /.. Z u <•■ s f ii h r e r : Alexander S i m o n und Jakob II a a s. Korporal: Simche S c h a m e s. <i Olli eine: Heisch Klein, Osias Mein d 1, Leiser S c Ii a m e r, Wolf Seher, Hirsch Stein und Moses T eich Jüdische Militär-Seelsorger. Zu den Forderungen gegenüber der Staatsverwaltung, welche streng genommen zum Ressort unserer „Israeliten" gehören würden und dennoch von ihren offiziellen Vertretern ganz vernachlässigt werden, gehört die Reform der jüdischen Militär-Seelsorge. Alle Konfessionen haben ihre ständigen Militär- Geistlichen, die Katholiken, die Protestanten (Evangelisch A. B. und Evangelisch - reformiert), die Griechisch-Katholischen, die Griechisch-Orientalischen, ja selbst die Mohammedaner, nur die Juden müssen sich mit einigen Feldrabbinern zweiter Klasse in der Reserve begnügen, die nur im Falle eines Krieges ihr Amt antreten. Es bedeutet dies nicht bloß