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Neue Nationalzeitung · 1909-11-19 · Heft 24 (19.11.1909) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 24 (19.11.1909)
Date
1909-11-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 24 Seite 3 Morlz Frühling: jüdische Soldaten bei Magenta. Der 4. Juni 1859 brachte jene Reihe blutiger Gefechte, die der Schlacht von Magenta den Namen gaben. Die Truppen des I. Armee-Korps hatten die Uebergänge des Naviglio grande besetzt; gegen 10 Uhr vormittags rückten die Franzosen über die Ticino-Brücke vor und griffen zuerst Buffalara an. Der feindlichen Uebermacht gelang es anfangs, das in der Brigade Baltin kämpfende Bataillon von einem innegehabten Rideau zu verdrängen, doch wurden die Franzosen bald durch einen glänzenden Bajonettangriff wieder zurückgeworfen. Das Bataillon besetzte dann die auf der Höhe gelegen«* Cascine, beschoß von da den Feind auf das wirksamste und vertrieb ihn vollends. Bei diesem ersten Sturm zeichnete sich der Zugsführer Moses Brauner rühmlich aus, indem er unter den ersten war, die in die von Turcos besetzte Cascine eindrangen. Auch sein Bruder, Zugsführer Bernhard Brauner tat sich durch herzhaftes, mutvolles und aufmunterndes Benehmen hervor. Interessant ist folgende, auf die beiden Brüder bezughabende Episode: Der ältere, Moses Brauner, hofmeisterte seinen Bruder bei einer jeden Gelegenheit und fand an ihm immer etwas auszusetzen. Als nun das Regiment mobilisiert wurde, setzte er alle Hebel in Bewegung, daß sein Bruder nicht ins Feld ziehe, damit dieser ihn nicht — blamiere. Diese brüderliche Geringschätzung rief bei Bernhard eine gerechte Opposition gegen die Bestrebungen des Bruders hervor, welche denn auch Erfolg hatte; sie zogen beide in den Krieg. Nun trat das umgekehrte Verhältnis ein. Während der ganzen Zeit, bis zur Schlacht von Magenta hänselte der Jüngere wieder den Aelteren, daß dieser ohne jede Dekoration, er aber bestimmt mit geschmückter Brust heimkehren würde. Beide erwiesen sich als schlechte Propheten, aber als brave und tapfere Soldaten. In einer Stunde erkämpften sich beide die Tapferkeitsmedaille. Als eine längs des Naviglio aufgelöst gewesene Plänklerkette des erwähnten Regiments durch eine feindliche Abteilung heftig angegriffen wurde, war ein Offizier nahe daran, gefangen zu werden. Felwebel Ignaz Becker, dies gewahrend, sammelte rasch einige Schwärme, warf sich mutvoll auf den Feind und rettete dadurch den Offizier. Bald aber entwickelten sich neue feindliche Massen gegen die knapp nebeneinander liegenden Uebergänge der Eisenbahn, wo die am linken Ufer liegenden Zollhäuser (Dogana) von den Oesterreichern stark besetzt waren, sowie gegen Ponte vecchio di Magenta. Vor diesem Orte kam das 58. Infanterie-Regiment in feindliches Schrapnellfeuer, ging sofort zum Angriff über und in kurzer Zeit wurden die wenigen Häuser des Dorfteiles genommen, an die Franzosen wieder verloren und endlich wieder gewonnen. Bei diesen wiederholten Stürmen waren Korporal Leib Schmier und Gefreiter Abraham Feder, obwohl beide verwundet, stets unter den ersten, drangen mit einigen Rotten in den Ort, bemächtigten sich der unteren Etage eines einzeln stehenden Hauses .und brachten, als sie gezwungen waren, sich zurückzuziehen, trotz heftiger Verfolgung, zwei Mann der französischen Fremdenlegion als Gefangene zurück. Der Gemeine Ascher Zehngeboth zeichnete sich durch persönlichen Mut aus und rettete einen verwundeten Offizier vor Gefangenschaft, indem er einen Franzosen niederschoß und einen zweiten mit dem Bajonett erstach. Korporal 0 s i a s S c Ii 1 o s i n g er war beim Sturme slets voran; als aber seine Abteilung zurückgedrängt wurde, blieb er tapfer und unerschrocken und deekte mit wahrer Selbstverleugnung den Rückzug. Indes waren allen Versuche des Feindes, sich der umstrittenen Uebergänge zu bemächtigen, bis 1 Uhr nachmittags erfolglos geblieben. Um diese Zeit aber überschritten die Franzosen den Naviglio und gewannen gegen Magenta zu immer mehr Terrain. In diesem gefährlichem Moniente traf die Division Reischach am Schlachtfelde ein und gab dem Gefechte eine für die Franzosen höchst bedenkliche Wendung. Der Angriff der Bataillone geschah trotz des heftigen Feuers so ungestüm, daß der Feind zu weichen begann und in der Dogana sich festzusetzen suchte. Mit dem Säbel in der Hand bahnten sich die stürmenden Battaillone durch die dicht verschlungenen Weinranken den Weg. Der Zimmermann Isaak Fohler hieb mit seiner Hacke die Ranken nieder und machte seinem vorstürmenden Regimente Platz, bis durch eine Kugel sein Handgelenk blessiert wurde. Während einer kurzen Gefechtspause erinnerte sich der Vormeister Wilhelm Schütz daran, daß es der Sterbetag seiner Mutter sei. Er trat an den Batteriekommandanten heran und bat ihn, ihn für fünf Minuten zu befreien, damit er einige Schritte hinter der Feuerlinie das Andenken seiner Mutter mit einem „Kadisch" ehren könne. Er habe dies noch nie zu tun unterlassen, und speziell heute, wo es wenig Wahrscheinlichkeit gebe, aus diesem gefährlichsten Punkte lebend herauszukommen, möchte er noch seine Kindespflicht ausüben. Dem Batteriekommandanten imponierte diese seltene Pietät und er gewährte die Bitte. Kaum entfernte sich Schütz, als unmittelbar darauf eine feindliche Granate einschlug und den zur Bedienung des Geschützes an seine Stelle eingetretenen Ersatzmann in Stücke riß. Die Franzosen wurden aus der Dogana hinausgeworfen, wobei Grenadier Alois Klein des 54. Inf.-Rgts. an der Spitze seiner Abteilung die Häuser stürmte! Klein hatte wunde Füße und war zur Bagage-Bedekkung bestimmt; allein als er den Kanonendonner hörte eilte er barfuß auf das Schlachtfeld und machte alle Stürme als braver Soldat mit. In dem betäubenden Lärm der in voller Heftigkeit wütenden Schlacht, unter heftigem Kanonen- und Kleingewehrfeuer, inmitten eines Hagels von Geschützprojekttilen ertönte in den Bataillonen der das Gefecht aufnehmenden Brigade Dormus das Signal zum Sturm. Bei den wiederholt ausgeführten Bajonettangriffen war Gemeiner Michael Krämer immer in den vordersten Reihen. Als er einen schwer verwu;',r!m Unteroffizier aufhob, um ihn zurückzutragen, wurde er durch einen plötzlichen Offensivstoß genötigt, sich zur Wehre zu setzen; er tat dies mit der blanken Waffe, ohne seinen verwundeten Vorgesetzten zu verlassen und brachte ihn aus dem Bereiche des feindlichen Feuers. In der ersten Reihe der Kämpfenden glänzte auch des Gemeinen Leiser Zsigmond zähe Ausdauer. Sein Zugsführer, von einer feindlirhen Kugel schwer getroffen, fällt und drei Franzosen stürzen sich auf ihn. Zsigmond, die Gefahren der sein Zugsführer schwebt, kaum erkennend, drängt auf die Gegner ein, erschießt den einen, erschlägt den zweiten mit dem Kolben, während der dritte die Flucht ergreift.

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