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Neue Nationalzeitung · 1909-11-05 · Heft 23 (5.11.1909) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 23 (5.11.1909)
Date
1909-11-05
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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„Neue National-Zeitung" Nr. 23 Wien. (Akademische Verbindung* JJb;i noiiin".) Die Chargenwahlen für das laufende Wintersemester iXXXI. Semester) ergaben folgendes Resultat: cand. med. Isidor Müller Xstud. med. Isidor Schieber XXi stud. jur. Viktor X o ub r u n n XXX- Czernowitz- (.Jüdischer S t u d e n t e n t a g. i I >io jüdisch-nationale Studentenschaft beruft für den IM. und 14. November 1. J. einen S t u d e n t e n t a g H u k o w i n a e r H o c bschiiler nach Czernowitz zur Besprechungder Lage und Aufgaben der jüdischen Studenten ein. Vorschläge und Anregungen für Tages- und <Geschäftsordnung können von allen interessierten jüdischen Studenten bis zum J. Xovember nu die Adresse: inr. Siegmund ferner, Radaufz, Kirchengasse, eingesendet werden. Die definitive Tagesordnung wird nach dem 1. November bekanntgegeben werden. cand. iur. Siegmund T e r n e r. cand. inr. Saul S o k a 1. ^('hermonia4', -Emunali'*, „Hasmonea-, „Ilebronia", „Tikualr, „Zephira". Czernowitz. i.I ii d i s c h - a k a d e m i scher V e r e i u „Emunah".) Die ('hargenwahl für das laufende Wintersemester ergab folgendes Resultat: cand. iur. Israel T a u b e s X 'Brüses), cand. iur. Naftali X u s s e u b a u in XX izepriises), cand. iur. Karl Ii a nger XXX «.Schriftführer). %y$ auen weßtfiiiN Subventionen des Hilfsvereines der Deutschen Juden. Im vorigen Monale wurde eine Reihe von Bewilligungen für Zwecke der Auswandererfürsorge und für Schulen in Deutschland, der Schweiz, Bulgarien, Galizien, Rumänien, Rußland, der europäischen und der asiatischen Türkei vollzogen. Unter anderm wurden die Subventionen erneuert: für die vom Hilfsverein entsandten deutschen Lehrer an der Schule der israelitischen Kultusgemeinde in Philippopel; für den Kindergarten in Kolomea; für den Wiener Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien als Zuschuß für die von ihm unternommene Aktion zur Unterbringung und Ausbildung galizisch. er K n ab en beiHandwerkern inWestösterreich; für die Schule „Reschith Daath"' und die Anstalten des Schulvereins „Gultura" in Bukarest; für die Kunstgewerbeschule „Bezalel": für das Informationsbureau für Auswanderer in Basel; die Kinderstube in Mannheim etc. Einem lebhaft empfundenen Bedürfnis ist durch die Bewilligung von Mitteln für Kinderg ärtnerinn e nkurse in Jerusalem abgeholfen worden. Der Antisemitismus in Kanada nimmt immer häßlichere Formen an. Jüngst ereignete sich in Montreal, der Hauptstadt von Kanada, folgender trauriger Vorfall: Ein Jude betrat ein im jüdischen Viertel befindliches Gasthaus, als aus demselben zwei französische Rowdies traten, die ihn ohne jeden Grund überfielen und niederschlugen. Einige Juden eilten ihrem arg bedrängten Glaubensgenossen zur Hilfe. Wie auf Verabredung kamen auch zahlreiche Franzosen herbeigeeilt, und es entstand ein förmlicher Straßenkampf, Zeitungen aus Montreal behaupten, daß an dem Kampfe 4-000 Menschen beteiligt waren, daß der Verkehr lange Zeit stockte, daß es auch eine Menge schwerer Verletzungen gegeben habe. Die Polizei war nicht zur Stelle, da sie auch in Kanada versteht, wenn sie will — abseits vom Getriebe zu stehen. Die letzte Nummer des „Jewish Eagle" enthält eine Aufforderung an die Juden, sich der Selbstschutz-Organisation anzuschließen, um das Judenviertel vor Wiederholungen solcher Ueberfälle zu schützen. Ganz russisch mutet das Verhalten der Polizei an. Die französichen Angreifer wurden unter Bewachung in ihre Wohnung gebracht, während mehrere schwer verletzte Juden verhaftet und vor Gericht gestellt werden. Kanada sieht bekanntlich unter englischer Oberhoheit. Die Juden in Kurdistan sind leider seitens der Hauptbewohner dieses Landes, der Kurden, forlgesetzten Leiden und Erpressungen ausgesetzt. Sie bewohnen zehn Ortschaften, welche mehr oder weniger bedeutende Gemeinden bilden: Ranch.......HO Häuser, 1 Svnagoge. 400 .Juden. Salitz.......ISO „ 2 ' ., KHK» Bonkan......(.'<» - 1 _ 400 Mrandoob.....lfiO „ 1 .. 900 Sonjboulak.....17ö „ 1 „ Kloo Xakade.....Bio „ 1 Soo Choni........">(» .. 1 .. M00 Salmaz ......VJi* _ 2 _ 770 Siankale......40 .. 1 .. -_>:>0 Bijar.......4.">o „ 2 ., 900 „ Seneh (Kesidenz) . . 4SO „ 2 H)O0 Insgesamt also 9550 Juden. Wenn man die in den zahlreichen Dörfern zerstreuten Juden, wo sie in Gruppen von 5 bis 10 Häusern, höchstens in 20, leben, so kommt man hei den genauesten Nachforschungen auf eine Zahl von mehr als 1200Ü Seelen. Die meisten dieser Gemeinden haben keine eigentliche Synagoge: ein Zimmer dient ihnen als Beiraum. Von welcher Beschäftigung sie leben, läßt sich nicht sicher feststellen. In den Städten haben die Reichsten kleine Magazine, wo sie Baumwollenzeug, Gewürze und Droguenwaren verkaufen, die sie au> Hamadan oder Tebriz beziehen: Andere sind Export-Makler für die Ausfuhr. Die Kinder ziehen mit einem hölzernen Bündelt auf dem Kopfe durch die Straßen und verkaufen Streichhölzer, Tabak, Früchte und einige Krämerwaren. Die meisten Familienväter gehen in den Dörfern umher, wo sie die Färberei ausüben und den Dorfbewohnern Hausierwaren gegen Natuiprodukte (Getreide, Fett, Käse, Wolle und Felle) verkaufen, die sie dann in den Städten wieder veräußern, und wenden tausend Versuche an, um einige Schehis zur Erhaltung ihrer Familie zusammenzubringen. Sie sind Aerzte und Apotheker zugleich, ohne irgend einen Begriff von der Medizin zu haben; sie schreiben Amuletten, um die bösen Geister und den bösen Blick zu beschwören u. s. w. Sehr oft werden die Unglücklichen ausgeplündert, sei es, daß sie in Dörfern die ihnen auf Kredit gegebenen Waren verlieren, sei es bei der Rückkehr aus den Dörfern, wobei sie dann der Frucht ein- oder mehrjähriger Arbeit beraubt werden. Sie kommen verschuldet nach der Stadt zurück und haben kein anderes Mittel, um dem Gefängnis zu entgehen, als zu einem einflußreichen Priester zu fliehen und sich zu „bekehren", indem sie ihre Frauen und Kinder im Elend zurücklassen, wenn letzlere ihnen nicht nachfolgen wollen. Die Muselmänner sunnitischer Sekte haben Verbindungen mit den Juden; sie besuchen dieselben Bäder, speisen an einer Tafel und laden sich gegenseitig ein. Die Sprache, deren sich die Juden bedienen, ist „Djebelli", d. i. das T arg um mit vielen hebräischen Wörtern. Sie unterstehen dem Vekilham, dem Oberhaupt der Stadtpolizei, dessen Agenten das jüdische Vierlei durchlaufen und sich alle Arten Willkührlichkeiten erlauben. Während ein Enkel Moses Mendelsohns als Berliner Finanzier in Petersburg festlich empfangen wird, haben seine Stammesgenossen in demselben Lande die grausamsten Martern zu erdulden. Rußland scheint jetzt mit keinem geringem als mit dem wilden Beherrscher von Marokko, Muley Hafid, in Konkurrenz treten zu wollen. Dies beweist nachstehender Vorfall, der aus Hornel, vor Jahren der Schauplatz eines schrecklichen Pogroms, berichtet wird: Die Arbeiter einer hiesigen Zigarettenfabrik sind in einen Streik eingetreten Als angebliche Organisatoren des Streiks wurden zwei jüdische Arbeiter, Ghaim Friedemann und Samuel Rubesbin, verhaftet und nach dem Polizeibureau hingeführt, wo sie mit den gröbsten Beschimpfungen empfangen wurden. Friedemann wurde vom Pristaw an den Haaren

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