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Neue Nationalzeitung · 1909-11-05 · Heft 23 (5.11.1909) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 23 (5.11.1909)
Date
1909-11-05
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 23 Seite 7 Bedenkt man nun, daß zu den „ausweislosen Fremden" in Rumänien viele Hunderttausende von Personen gehören, darunter sämtliche 250.000 in Rumänien ansässige Jude n, so könnte es leicht geschehen, daß die rumänische Regierung eines Tages alle diese Personen zwingt, österreichischen oder ungarischen Boden zu betreten, um nicht mehr nach Rumänien hineingelassen zu werden. Die Regierung Rumäniens hat nämlich, entgegen den Aufträgen der Vertragsmüchte des Berliner Vertrages, zu denen auch Oesterreich-Cngairn gehört, bis zum heutigen Tage die Frage der Naturalisierung dieser sogenannten Fremden, deren Familien zumeist seit Jahrhunderten im Lande wohnen, nicht gelöst, obwohl sie sie zu allen Bürgerpflichten heranzieht und sie auch den Militärdienst ableisten läßt. So gehören alle sogenannten Fremden in Rumänien keinem Staatsverbande der Erde an, und wenn ihre Ausweisung auf Grund des Ausweisungsgesetzes vom Jahre 1901 erfolgte, welches die rumänischen Behörden ermächtigt, ausweislose Fremde „in ihr Heimatland" auszuweisen, so entsprach das eben nicht diesem Gesetze, weil diese angeblichen Fremden kein anderes Heimatland haben als eben Rumänien.'' Sie schließt mit der Anfrage: „Ist die Regierung geneigt, ihren Einfluß auf das österreichisch-ungarische Auswärtige Amt auszuüben, daß dieses bei der rumänischen Regierung vorstellig werde. 1. damit die rumänische Regierung die Frage der Naturalisierung der sogenannten Fremden erschöpfend und ehestens im Sinne des Berliner Vertrages löst; 2. damit die rumänische Regierung es für die Zukunft unterläßt, ihr mißliebige Bürger mit List und Gewalt nach Oesterreich-Ungarn auszuweisen?" Es wäre wünschenswert, wenn die Sozialdemokraten auch in den Delegationen die rumänische „ Fremden frage aufrollen. Hier ist die kompetente Instanz und hier hätten sie eine umso schönere Mission zu erfüllen, als kein jüdischer Abgeordneter den Delegationen angehört. Allerdings wäre es notwendig, daß die Juden Rumäniens nicht bloß en passant erwähnt werden. Rußland. Massenverhaftung von Rabbinern in JJussland. Warschau. Auf Grund einer böswilligen Denunziation wurden in Lithauen nicht weniger als sechzehn Rabbiner, darunter auch der Rabbiner Kahn von Mohilew, wegen angeblicher Zugehörigkeit zu einer Organisation zur Befreiung jüdischer Jünglinge vom Militärdienste, verhaftet und nach Jekaterinoslaw zur Inlernierung im dortigen Gefängnis transportiert. Nach der Untersuchung wurden bisher nur die Rabbiner Rallner-Dwinsk und Polak-Reschitza freigelassen. Diese Verhaftungen haben in der gesamten russischen Judenheit tiefgehende Erregung hervorgerufen, umsomehr, als man von der absoluten Unschuld der Rabbiner und der Haltlosigkeit der ganzen Anklage fest überzeugt ist. Tatsache ist, daß viele Rabbiner in der letzten Zeit Anfragen und Offerten betreffs Mililärbefri iungen erhalten haben, die aber sämtlich unbeachtet und unbeantwortet blieben. Es unterliegt keinem Zweifel, daß jene Briefe von Verbändlern zum Zwecke der Anschuldigung fingiert wurden, wofür auch die festgestellte Tatsache spricht, daß sowohl die Namen der Briefschreiber, wie die in den Briefen erwähnten in Wirklichkeit gar nicht existieren. Diese Briefe oder deren Reste, die man in den Papierkörben der Rabbiner fand, dienen nun als die einzigen Indizienbeweise zur Aufrechlerhallung ihrer Untersuchungshaft. Unter den Verhafteten befinden sich solche, die zu den angesehensten Rabbinern in ganz Rußland gehören. Dem Ausgang dieser unerhörten und empörenden Affäre sieht man mit großer Besorgniß entgegen. GSMeiNt>e=uN» V5R5iNSNGUWUWW Wien. (Jüdisch-akademischer Philosophen-Verein.) Die Ausschußwaren für das W. S. 1909—1910 haben ergeben: Friedrich F rank 1. Obmann; Bc-rthold H i r s c h 1, Obmann Stellvertreter; Adolf Low y, Emanuel J e d 1 i n s k y, Schriftführer; Fräulein Agathe lochte n, Viktor Spitzer. Kassiere: Fräulein Mela Riesenfeld. Maximilian Low. Ausschußmitglieder. Wien. (L e s e- und Rede halle jüd. Hoc;ischule r.) Bei der am 23. Oktober 1909 stattgefundenen Plenarversainmlung wurden folgende Herren in den Ausschuß für das Wintersemester 1909/10 gewählt: J. ü. C. Fritz O b e r 1 ä n d e r, Präses; phil. Berthold Hirsch 1. I. Vizepräse-s: J. LT. C. Max K ö r n o r, II. Vizeprä.ses; J. U. C. Heinrich S c h i f f m a n n. I. Schriftführer; phil- Isidor Goldberger. II. Schriftführer; J. ü. C. Fritz E n g e 1, I. Kassier: iur. Rudolf W i n e r, II. Kassier: cand. phil. Theodor R e i k, Bibliothekar; cand. phil. Isak B a ir b a g, Zeitungsverweser; ing. Eugen Knebel. Ha usverweser. Wien. (A k a d e m i s c h e r V e r e i n „J ü d i s c h e K ii 1 t ii r".) Die Ausschußwaren für das IX. (Winter ) Semester ergaben folgendes Resultat: Cand. ing. Bruno M e i s n e r, Präses; cand. arch. Chaim W e r b e 1, Vizepräses; cand. arch. David Birnbaum, Schriftführer. Die Kurse für jüdische Sprache und Literatur finden jeden Dienstag von 7 bis 8 UhT abends im VeTeinskjkale (IL, Blumauergasse 20) statt. Einschreibungen in diese Kurse finden Montag, Mittwoch, Freitag von 7 bis 9 Uhr abends statt. Wien. („V erein der Sabbathfreund e".) Am 23. November, 8 Uhr abends, wird Herr Oberrabincr Dr. G ü d e m a n n im Festsaale des ..Hotel Continental" den Zyklus der diesjährigen Vereinsabende mit einem Vortrage ..Leber den Sabbat h" eröffnen. Wien. (Saison beginn der Wiener Jüdischen Toynbee-Halle.) In der kommenden Woche nimmt die Toynbee-Halle ihre Tätigkeit in vollem Umfange auf. Die Einschreibungen für die unentgeltlichen Unterrichskurse (Englisch für Anfänger und Vorgeschrittene, ferner Stenographie) finden Sametag, den ß. November tl. J. von 7—^9 Uhr abends und Sonntag, den 7. d. M. von 10—%12 vormittags im Unterrichtslokale, 1. Bez., Seitens tettengasse 2, statt. Der Unterricht wird von staatlich geprüften Lehrkräften erteilt. Die Einsclireibegebhhr beträgt pro Kurs 1 Krone. Die populärwissenschaftlichen Vorträge in der Toynbee-Halle, 20. Bez., Othmn.rgas.se 46. beginnen Sonntag, den 7. November d. J.. 7 Uhr abends. Rabb. Dr. Feuchtwang liest Skizzen aus dem jüdischen Leben. Das Wochenprogramm wurde wie folgt festgesetzt: Montag, den 8. d. M.: Dr. Theodor Jenner: „Bilder aus ■dein Rechtsleben": Dienstag, den 9.: Lehrer Rafael Low: ..Erziehung zur Selbständigkeit": Mittwoch, den 10.: Univ.- Prof. Dr. Jos. Polla.k: „Der Philosoph Senecca.": Donnerstag, den IL: Fachlehrer Georg Schmiedl: „Der moderne Mensch und die Natur"; Freitag, den 12.: Lehrer H. L ö w - V o g e 1: .,Bibelvortrag". Samstag, den 13.: Konzert. Anmeldungen von Vortrögen und Mitwirkungen bei K< nz-erten wolle man an den Obmann Dr. J. Samuel}'. I. Bez.. Fischerstiege 6. gelangen lassen. Die Vorträge beginnen an Wochentagen um %8. Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen um 7 Uhr abends. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Wien. (Verband der j ü d. - n a t. Finken an den Wiener Hoc h schule n.) Die zweite ordentliche Generalversammlung des Verbandes fand am 28. v. M. im Saale des zion. Zentralvereines statt. Die Ausschußwahlen für dieses Semester ergaben folgendes Resultat: Präses cand. med. Aurel Gonda, Vizepräs. cand. me-d. Emst Grünberger. T. Schriftführer cand. iur. Leo Keller. TL Schriftführer cand. iur. Dawid Weinberger. Kassier iur. Friedrich Wessely. Anmeldungen werden täglich von 11 bis 12 Uhr in der Wohnung des Herrn Ernst Grünberger, IX. Hahngas-se Nr. 24. 1. Stiege. 3. Stock. Tüt 16, entgegengenommen. Zuschriften: Aurel Gonda, III. Obere Bahng&ss« 22.

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