Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 23 (5.11.1909)
- Date
- 1909-11-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 ______„Neue National-Zeitung"______________________Seite 5 Stdche Niederlagen werden bisweilen durch Imlici tinciiziMi w ettgemac'nt. Kinos der angesehensten Zentrumsniitglieder. liraf ().....selbst mit irdischen Gütern reich gesegnet, ein liebenswürdiger, geistvoller, formgOAva ndtor Mann, mit einer sehr eleganten Frau verheiratet, die trotz ihrer zwölf Kinder noch schön und gefeiert ist, verkehrt in einigen jüdischen Salons. Aber wenn Sie iIm beobachten, werden Sie sehen. daß er seine Handschuhe den ganzen Abend anbehält. . . . Kr will wohl jeder unreinen Berührung aus dein Wege gehen. — Vielleicht zwingt ihn meine Indiskretion, vuii mm an die Handschuhe auszuziehen. l ud sii werden nach und nach die letzten antisemitischen Vorurteile schwinden. Von den jüdischen Familien, die eingeladen werden, und mehr als genug Gäste natürlich im eigenen Hause sehen, müssen die jüngst Geadelten genannt av erden, die Fried- I ä n d e r. die II a r d y. die M e n d e 1 s o h n. L e y d e vi, Ii i c h t e r. G ü ß f e 1 d t. Herr F r i e d 1 ä n d e r ist ein sehr reicher und äußerst geschickter Bankier, den der Kaiser in finanziellen Angelegenheiten um Hat befragt und der seine gesellschaftliche Ijaut'bahn durch die Jagdpartien im großen Stile auf seinen fürstlichen Besitzungen in Brandenburg eröffnet hat. Die schlesischen Gutsherren gehen zu ihm. die Diplomaten ebenfalls, einige hohe Damen sollen sich n;■ch sträuben, sozum Beispiel die Frau des Oberhof- IlüH'sclialls. Auch Herr x. PosadoAvski hat sich noch nicht herbeigelassen. Aber man zitiert die Widerspenstigen . . . Der Salon Frau S c Ii av a b a c h s oder Avie man jetzt sagen muH von Schwabach. Avurde durch eine Freundin, die Baronin Lebbien geschaffen, die wiederum eine Freundin des bekannten Herrn v. Holstein A\ar, des Schattens Bismarcks, der vor Avenigen Monaten erst gestorben ist. Auch Herr von M e n d e 1 s o h n, ein Nachkomme des Musikers, ist einer der Bankiers, denen der Kaiser Gehör schenkt, seine Gattin gilt als liebensAvürdige. kluge Hausfrau, ihr Salon lanciert die Vorkämpfer der musikalischen "Welt und die Sezessi, Misten unter den Malern. Die Kunst findet dort eine behagliche, anregende Heimstätte. Ich rede von dem Einfluß, den er besitzt, nicht von seiner künstlerischen Bedeutung, die mir entgeht. Envähnt werden müssen ferner: Frau Professor Güßfeldt. deren Gatte. Alpinist und Geograph, zu den Freunden des Kaisers zählt, den er zuweilen auf seinen Reisen begleitet; Frau Richter, die Tochter Meyerbeers, Frau eines Malers, sehr klug, sehr gewandt, sehr liebenswürdig und allgemein verehrt; Frau von Loydon. die Gattin des bekannten Arztes, der KaiV-r, Zaren und Sultane in verzweifelten Fällen behandelte und dessen Haus vielbesucht ist. Die Provinz leistet im allgemeinen größeren Widerstand. Avas die Aufnahme jüdischer Elemente anbetrifft. Selbst in Frankfurt sind den Juden die meisten Kreise verschlossen. Nun gründen sie ihr eigenes Kasino, avo sie. ohne zu schmollen, die Christen einladen, die in sehr unlogischem Widerspruch ihre Söhne hingehen lassen, weil die Abende dort sehr unterhaltend sind und die Gesellschaft sehr elegant ist: die jungen Katholiken und Protestanten tanzen mit den jungen dunkeläugigen, geschmeidigen Töchtern Israels und amüsieren sich Aveit besser als in den väterlichen Kreisen. Sobald sie zu einem geAvissen Rei'htum gelangt sinL wollen die Juden aus ihrem Milieu, ans dem moralischen Ghetto, in das die Vorurteile sie bannen, heraus. Kaum daß ein aristokratisches Seebad aufkommt, gleich laufen sie hin. Nach einiger Zeit haben sie die Oberhand, und die Aristokraten Avandern nach einem unbekannteren Orte. So Avar es mit Heringsdorf, dem letzten Bade, wo sich dieses Kommen und Gehen vollzog. Ein Seebad allerdings gibt es. wo die Juden keinen Einlaß finden, das ist Borkum, eine kleine Insel in Ostfriesland. ,.Tn B o r k u in." sagte mir eine freundliche Berichterstatf-erin. ..gelingt es noch, sie sich vom Halse zu halten, und man setzt sich mit umsornehr Eifer zur Wehr, als es das letzte billige Seebad ist, das übrig blieb. Läßt man die Juden vorerst hinein, dann ist« vorbei mit der guten Zeit ... So hat man alles aufgeboten, sie zu vertreiben, als sie erschienen. Es gibt ein Lied, das ,.Borkum"-Lied. das man auf der Straße, am Strande, in den Hotels zu singen pflegte. Eine ganze Menge Geistlicher beteiligten sich an dem Lärm. Schließlich räumten sie das Feld." ..Ja. es ist richtig." erAvidern die Juden daraufhin, ..aber jetzt, avo sie sehen, daß die Strandgäste nur aus ein paar armen Schlucktun von Junkern bestehen, aus Beamten und LadenscIiAvengeln bestehen, möchten die Hoteliers uns Avieder anlocken. Aber wir kommen nicht wieder." Oberst Dr. Julius Mandl. Wien, Ende Oktober. Vor einigen Wochen ist hier im Alter von 48 Jahren der O berst im Geniestab und Professor am höheren Genickurs, Dr. ing. Julius Mandl, gestorben. Es erregte in der OeftVntliehkeit großes Aufsehen, daß der Verstorbene ohne militärischem Kondukt, in aller Stille, bestattet wurde. Erst einige Tage nach dem Leichenbegängnisse erschien eine kurze Notiz in den Tagesblättern. Dr. Mandl war einer der genialsten Offiziere dos österreichischen Geniestabes. Bereits als Hauptmann war er dem höheren Geniekurs als Lehrer zugeteilt worden, wurde wiederholt ausgezeichnet und wirkte dort bis zum Tode. Er war prädistiniert zu einer der höchsten Stellungen in der Armee. Trotz seiner Fähigkeiten und seines Wissens — er hatte bereits als Oberstleutnant den Grad eines Doktors der technischen Wissenschaften erwarben — mußte sich Dr. Mandl vor einigen Jahren im Interesse seiner Karierre taufen. Dieser Schritt scheint dem höchst feinfühligen Manne sehr nahe gegangen zu sein und dies umsomehr, als er der Schwiegersohn einer Krakauer Kaufniannsfamilie war, die noch im Judentum stark wurzelt. Aus diesen Empfindungen machte der Verstorbene keinen Hehl, indem er an Herrn Moriz F r ü h J i n g, der bekanntlich ein großes Werk über die Juden in der österreichischen Armee vorbereitet, nachfolgendes Schreiben richtete: Wien, 6. August 1906. Hochgeehrter Herr! Im Besitze Ihres sehr geschätzten Schreibens vom 20. v. M. beehre ich mich Ihnen mitzuteilen, daß ich nicht mehr das Recht habe, mich zu den Juden zu zählen, da ich vor einigen Jahren den Glauben gewechselt habe. Die Gründe, die mich zu diesem Verhalten veranlaßt haben, brauche ich wohl nicht anzuführen; dafür haben Sie wohl kein Interesse und anderseits ist dies eine Sache, die mein Gemütsleben zu sehr tangiert, als daß ich sie ohne weiteres aufzudecken Lust hätte. Da nun aber an der Tatsache meiner Konversion nichts mehr zu ändern ist, so ist auch die Voraussetzung Ihres Briefes nicht mehr gegeben und es bleibt mir nur übrig, Ihnen zu Ihrem patriotischen Werke viel Glück zu wünschen. Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung Dr. M a n d 1, Oberst m. p. Ein tragischer Beitrag zur vollen Würdigung des modernen Marannentums!