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Neue Nationalzeitung · 1909-11-05 · Heft 23 (5.11.1909) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 23 (5.11.1909)
Date
1909-11-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 „Neue National-Zeitung" Nr. 23 Das Gesetz hat mit dieser Ausschließungnichts zu tun. „Vor dein Gesetze sind alle deutschen Bürger gleich." So lautet ein Paragraph der Verfassung. Aber die Tradition verlangt, daß das Offizierskorps über die Aufnahme der Bewerber abstimmt . . . Und unter dieser Vorschrift haben die Juden schwer zu leiden. Sie versuchen, diese Inferiorität dadurch auszubleichen, daß sie Freiwillig» werden und während ihrer Dienstzeit einen prahlerischen Luxus zur Schau stellen, der durch die an anderer Stelle besprochenen Verhältnisse unterstützt wird. Weit entfernt, diesem Stande, der sie über die Achsel ansieht, den Rücken zu kehren, werfen sie sich nun auf gewisse Truppenteile, wo ihrem Eintritt weniger Hindernisse entgegenstehen: auf den Fahrtrain zum Beispiel, der nicht gerade den besten Ruf genießt und wo nicht die Offiziere, sondern die Regierung den Ersatz bestimmt. Da gesetzlich eine Beförderung zum Offizier nicht verhindert werden kann, ist es nieht möglich, sie prinzipiell zuriiekzuweisen. Manche können also, nachdem sie eine Prüfung abgelegt und bei der Kavallerie gedient haben, beim Train zum Offizier avancieren. Aber da man dort keine Adeligen findet und der Kaiser die Absicht, auch die Trainuniform zu tragen, noch nicht zur Tat werden ließ, ist ihnen an der Eroberung dieser Epauletten nicht viel gelegen. Die Juden sind von der diplomatischen Karriere ausgeschlossen. Im Auswärtigen Amt weiß man von zwei jüdischen Legationssekretären, die das Reich von Bayern übernommen hat, zu erzählen. Aber sobald sie befördert zu werden wünschten, wurde ihnen bedeutet, daß sie sich vorher taufen lassen müßten . . . Der eine ließ sich dazu bereit finden und avancierte, der andere lehnte ab und mußte bald darauf den Abschied nehmen. Sie sind von der Regierung ausgeschlossen. Man trifft weder jüdische Oberpräsidenten, noch jüdische Landräte. Kaum daß ein Bürgermeister zu finden ist. Nicht einmal jüdische Briefträger gibt es. Man kann also ruhig sagen, daß die Verwaltung keinen Juden in i Ii r e n Beamten- Stand aufnimmt. Weder im Marine-, noch im Ackerbau-, noch — so unglaublich es klingt — im Finanz- oder im Handelsressort! — Da nach einer bestimmten Zeit im Justizfach die Notare unter den Anwälten ausgesucht werden und man den Juden nicht verbieten kann, sich als Anwälte niederzulassen, sind viele von ihnen Notare geworden. Ihre Zahl mehrt sieh selbst derart, daß das Justizministerium sieh eines Tages entschloß, keine Rücksicht mehr auf die Rangliste zu nehmen, sondern den Christen den Vorzug zu geben. Vom Landtag darüber interpelliert, gab es zur Antwort, daß das Notariatsfach so sehr mit Juden überfüllt sei, daß die deutsche Nationalität nur noch ein Minimum des proportionalen Verhältnisses ausmache. Und da es viele Deutsche gibt, die nicht gerne mit den Kindern Israels zu tun haben, mußte man wohl oder übel auch deutsche Notare anstellen. Beim Zivilgericht sind Juden zu finden, nicht aber beim Kriminalgericht. Man fängt sogar, an. beim Zuchtpelizeigericht einige Schwierigkeiten zu machen. Jedenfalls steigen Juden nicht zu den obersten Stellungen empor, es sei denn, daß sie sich taufen lassen. Man führt zwar zwei Ausnahmen von dieser Regel aji, einen Herrn Sommer, der Mitschüler des Kaisers im Gymnasium von Kassel war und den dessen Vater, Friedrich II., der seine liberalen Anschauungen betätigen wollte, an den Hof einlud. Dieser übrigens sehr angesehne Mann wurde zum Oberappellationsgerichtsrat befördert, Die zweite Ausnahme betrifft einen Herrn Mosse, der die gleiche Stellung in Königsberg *) bekleidete, Verfasser vorzüglicher juristischer Schriften und Rechtslehrer ist, dessen Vorlesungen sehr besucht sind. Er soll der Bruder des Besitzers des Berliner Tageblattes sein, eines enorm reichen Mannes von großem Einfluß. Anderer Ausnahmen in dem juristischen Ressort kann sich Israel nicht rühmen. *) In Königsberg ist der Antisemitismus sehr gemildert. Die Juden behaupten, der Geist Kants schwebe über der Stadt und veredle sie. Sehen auf den höheren Schulen und auf der Universität sehließen die künftigen Offiziere. Richter und Beamten die ,.Semiten" von ihren Korps und Burschenschaften aus. An vielen Orten haben sie sogar unter den Verfolgungen ihrer Studiengenossen zu leiden. In Würzburg und wohl auch anderswo haben sie ihre eigenen Verbindungen, wo das Duell Vorschrift ist. Diese Abneigung erstreckt sich bis in die ländlichen Bezirke hinein, wo die Hotbesitzer allerdings oft genug den unerbittlichen jüdischen Wuchergesetzen zum Opfer fallen. Sie borgen den Bauern Geld zu hohem Zinsfuß, verstehen es vortrefflich, die Zinsen zum Kapital zu schlagen, und wenn die Stunde gekommen ist, ziehen sie den Strick zu um! bringen den Fnglücklichen um Hof und Haus. Jede Woche >l ielen Prozesse; dieser Art in Gegenden der kleinen Grundeigentümer. Der Jude, der sich nach allen Richtungen zu decken wußte, trägt fast immer den Sieg davon. Daher ein Haß, der sieh auf die Allgemeinheit übertragen hat. Aber die aristokratischen Salons sind es, die der Jude am hartnäckigsten und eifrigsten bestürmt und wo man dem amüsanten Schauspiel beiwohnen kann, wie allgemach eine Schranke um die andere fällt, dem großen, sieghaften Reichtum der Juden gegenüber. Zwar so ganz von selbst versteht sich das noch nicht. Es erregte sogar einiges Aergernis in den preußischen Adelskreison, als der Kaiser auf einen Schub drei jüdische Familien in den Adelsstand erhob, die man jetzt von Sehwabach. von Friedländer, von Caro nennt. .,Weshalb diese Aufregung r" fragte ich diejenigen, di° sich über die Erhebung entrüsteten. „Sollten die Deutscheu nicht etwa zu viel Wert darauf legen, sich adelig nennen zu dürfen? Ob ein armer, an der Bibel, am Talmud und an moderner Philosi(phie gebildeter Rabbi nicht adeliger ist als ein adeliges Herrchen in zweierlei Tuch,', das seine Schulde;! nicht zahlt und bereit ist, bei Hofe als Bedienter zu fungieren? ' Jedenfalls denken diese ehemaligen Wucherer und Kohlenhändler nicht so. Ja sie aller Charakterlosigkeiten fällig sind, um ein ..von" vor ihren lächerlichen Namen setzen zu dürfen. Und kaum ist diese Sehnsucht gestillt, lassen sie auf allen KoHoni, auf aller ihrer Wäsche das Adelszeichen anbringen! — Betrachten Sie ihren Snobismus und sehen Sie. wie sie im gesellschaftlichen Leben auftreten. Die Frauen, die ihren Salon halten, richten sich stets so ein, zwei oder drei Offiziere um sich zu haben, die alles,. Kotillon. Orchester besorgen, dabei der Frau des Hauses die Cour schneiden und gleichzeitig einen Ueberschlag machen über die Höhe der Mitgift, die sie jeweils tanzen lassen. *) Hören Sie meine alte Potsdamer Dame, der ich so manchen Wink und so manche feine Bemerkung über die Berliner Gesellschaft verdanke, darüber sprechen: „Gewiß, es läßt sich nicht leugnen, daß etwa ein Dutzend jüdischer Familien durch ihr Vermögen in diesen Kreisen ihren Einzug gehalten haben. London läßt sie eher herankommen, dort zählt man ungefähr 40 Juden, die die Pforten zu sprengen wußten, in Paris noch mehr. In Hamburg und Bremen richten sie allein mit Geld nichts aus. In Aachen ebenfalls nicht. Hier meint man. sich entschuldigen zu müssen, wenn man in jüdischen Häusern verkehrt. Es ist himnielstraurig — heißt es, wenn man unter sich ist —, ein schlimmes Zeichen der Zeit. Aber sie alle haben am 24. Dezember ihren Weihnachtsbaum. Herr Schwabach hat sich sogar eine sehr deutsche Frau, ein blondes Gretchen geholt. Kann man einer Landsmännin mit solch reinem Blute gram darob sein?**) Man muß auch bedenken, daß sie über ein Toilettenbudget von 70.000 Mark verfügt. Und wie soll man sich Leuten, die sich so um einen bemühen, auf die Dauer entziehenV Man seufzt und — geht wieder hin'" *) Die Offiziere dürfen nur getaufte Jüdinnen heiraten. **) Es ist Tatsache, daß die Juden gegenwärtig Blondinen, blaße, aristokratische Frauen haben wollen.

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