Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 22 (22.10.1909)
- Date
- 1909-10-22
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 Deutsches Reich. Der Verband der deutschen Juden. Breslau, 18. Oktober. Die hier tagende Delegierten- Versammlung des „Verbandes der deutschen Juden" nahm zum Thema „Juden in den Os t - marken" die folgenden Thesen an: „Der preußische Staat hat ein dringendes Interesse an der Erhaltung der stels vaterländisch gesinnten jüdischen Bevölkerung in den Ostmarken. Daher fordern wir 1. In politscher Beziehung: Gerade in den Ostmarken sollte die Regierung a) die gesetzliche Gleichberechtigung der Staatsbürger auf allen Gebieten des Staatslebens auch für die Juden verwirklichen und namentlich auch bei der Beheizung der öffentlichen Aemter die Juden nicht zurücksetzen, b) bei Gestattung des Aufenthalts und bei Verleihung der Staatsangehörigkeit an die vom Auslande zugezogenen Juden nicht nach anderen Grundsätzen verfahren, als gegenüber den einer anderen Religionsgemeinschaft zugehörenden Ausländern. 2. In gesellschaftlicher Beziehung: Alle Beteiligten sollten darauf hinwirken, daß in den Oslmarken im geselligen Verkehr keine Absonderung nach dem Berufsstand oder nach der Zugehörigkeit zu bestimmten Religionsgemeinschaften stallfindet. 3. In wirtschaftlicher Beziehung: Die Behörden, insbesondere auch die Ansiedlungskommission, sollen a) bei Vergebung von Arbeiten und Lieferungen in den Ostmarken, ausnahmslos die Juden in gleichem Maße berücksichtigen wie die übrige Bevölkerung, b) öffentliche und private Anstalten, sowie Genossenschaften und Vereine in den Oslmarken nicht unterstützen oder empfehlen, wenn diese die Juden von der Verwaltung ausschließen oder im Geschäftsverkehr zurücksetzen." Der Tagung lag außer dem fünften Geschäftsbericht des Verbandes eine von Justizrat Bernhard ßreslaaer (Berlin) verfaßte sehr interessante und lehrreiche Denkschrift über „Die Auswanderung der Juden aus der Provinz Posen" vor. G£MEiNö5=u^ V5R£kNSNÄlftRiCW5N Wien. (Verein zur II cbuiig der Gewerbe in Wien.) Sonntag den 24. Oktober d. J., 10 Uhr vormittags, mutet eine Exkursion nach dem Elektrotechnischen Institut der k. k. Technischen Hochschule, JV., (iutihausstratfe 2;">, statt. Den 1\ T. Teilnehmern wird unter anderen vielen hochinteressanten Einrichtungen Folgendes gezeigt werden: 1. Einrichtung des großen Hörsaales. 2. Laboratoriums- Einrichtungen. 8. GroJJer M a sc hinens a a 1. 4. 1) r ah t, lose Tel egra nhi o. ~\ K ö n t g e n - V e r s u c \\ e. (>. Experimente über Wirkungen des elektrischen Stromes etc. Für die Vereinsleitung: l>cr Präsident B r o d. Zusammenkunft um halb 10 I hr im Vestibüle des Elektrotechnischen Institutes. ftllSN W£^w3iLiS Cesare Lombroso, der dieser Tage reich an Ehren und wissenschaftlicher Anerkennung in Turin verschieden ist, hat trotz seiner hervorragenden wissenschaftlichen Stellung nie aus seinem Judentume einen Hehl gemacht. Er Irat wiederholt gegen den Antisemitismus auf und hat sich wiederholt über die zionistische Bewegung geäußert. Als italienischer Staatsbürger kam er nicht in die Lage, für die politischen und wirtschaftlichen Interessen seiner Volksgenossen einzutreten. Die Tagesordnung des nächsten Zionisten- IvOllgresses wurde jüngst in Köln festgesetzt wie folgt : Sonntag vormittags: Eröffnungsrede, Rede Dr. Nordaus; Wahlen für das Kongreßpräsidium. Nachmittags: Bericht des Aktionskomilee?; Bericht des Zenlralbureaus; Bericht des Palästinaressorts; Generaldebatte. Montag: Generaldebatte. Dienstag vormittags: Organisationsstatut. Der Nachmittag soll möglichst für Kommissionssilzungen u. s. w. frei bleiben. Mittwoch: Bericht des Nationalfonds; Bericht der Oelbaumspende; Bericht über die Banken; Spezialreferate. Donnerstag: Spezialreferate. Diskussion, Anträge, Wahlen. Als Spezialreferate sind vorgesehen: Vorträge über die kulturelle Lage der türkischen Juden, über die Einwanderung in die Türkei, über die landwirtschaftlichen und über die industriellen Möglichkeiten Palästinas. Ein jüdisches Studentenheim wurde am 10. d M. in Lemberg eröffnet. An der Feier beteiligten sich u. a. der Vizebürgermeisler Dr. A s c h k e n a s e, der aus diesem Grunde von der allpolnischen Presse heftig angegriffen wurde, sowie mehrere jüdische Reichsrats- und Landtagsabgeordnete, der Lemberger Kultusvorstand u. a. Viel Aufsehen erregte das Telegramm des Oberlandesgerichtspräsidenten v. T c h 6 r znicki, daß „dieses Haus brave Bürger zum Nutzen der jüdischen Nation und unseres Landes erziehen möge". 25jälii*iges Jubiläum der Kattowitzer Konferenz. Aus Anlaß dieses Jubiläums hat das Palästina- Komitee in Odessa nachstehende Beschlüsse gefaßt: 1. Am Jahrestag, dem 23. Gheschwan (7. November), für die verstorbenen Mitglieder der Konferenz eine Trauerandacht Zü verrichten; 2. zu Gunsten des Erziehungsfondes von Dr. Pinsker, welcher bei der Kallowitzer Konferenz den Vorsilz geführt hat, eine Sammlung zu veranstalten. Von den Mitgliedern der Kattowitzer Konferenz sind unter anderen noch am Leben: Dr. Josef Ghasanowicz, Dr. Karl Lippe, M. B r a m s o h n, Advokat Jasinowski u. s. w. Das Hausieren in der Schweiz isl den Ausländem verboten. Diese Maßregel ist in erster Linie gegen die ausländischen Juden gerichtet. Die in der Schweiz lebenden türkischen Juden haben sich daher an ihren Großrabbiner mit der Bitte um Intervention gewendet. Haim Nahum Effendi leitete sofort die nötigen Schritte beim Minister des Auswärtigen ein und halte die Genugtuung, daß dieser sofort bei der Schweizer Regierung intervenierte. Der Erfolg war die Aufhebung der freiheitswidrigen Bestimmung. Notizen. (Hagenbecks Raubtie» scV-au vn Zirkus Busch) ist eine Schaustellung ganz eigener Art. halb Zirkus, halb Menagerie. Es ist geradezu erstaunlich, zu welchen Kunststücken diese Bestien, man möchte sagen, herangebildet worden. Oanze Hudeln von Löwen, Tigern, Eisbären und Elefanten folgen ihrem Dompteur und gebärden sich wie Artisten und /.ahme Haustiere. Besonders hervorzuheben sind die indischen Wunderelefanten des Adolf Busch, die zehn Prachtlöwen des August Mölker, die 70 L'isbären und die gemischte Kaubtiergruppe dos Karl Feldmann. Der Flug Ble>iots auf der Simmeringer Heide findet Samstag den 28. Oktober zwischen 8 und halb ö Ihr nachmittags statt. Logen l.~>0 Kronen, Tribünensitze von bis 80 Kronen, Plaques l."> Kronen. Banksitze 8 Kronen und Entreekarten 1 Krone im Bureau der Freiwilligen Ketlungsgesellschaft II 1/2, Kadetzkystralie 1, und in den Kartenaureaux zu haben.