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Neue Nationalzeitung · 1909-10-22 · Heft 22 (22.10.1909) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 22 (22.10.1909)
Date
1909-10-22
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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.! Nr. 22 „Neue National-Zeitung" Seite 9 Der Rücktransport aus New-York. Obgleich das («ewaltrogiinent des Eiuwanderungskomlnissürs auf Ellis-Island dank den Bemühungen angesehener jüdischer Männer etwas gemildert worden ist. steht es noeii schlimm genug um die unglücklichen Einwanderer, die diese ..Teufels-Insiol'* betreten. Dies beweist auch die Ziffer der im Monat Juli zurücktransportierten j ü d i s c Ii e n Einwanderer; ihre Zahl betrug 327. während im gleichen Monat des Vorjahres nur etwa 40 von diesem harten Schicksal betroffen wurden. Im ganzen kamen in diesem Jahre über 8000 jüdische Einwanderer nach Xew-York, davon 6000 aus Rußland. Das Hauptübel liegt darin, daß das Einwanderungsge.sotz solche Immigranten ausschließt, die wahrscheinlich .der öffentlichen Fürsorge zur Last fallen" wrerden. Dieser vieldeutige Ausdruck läßt sich natürlich, wenn man keinen Birten Willen hat, auf 90 Prozent der Einwanderer anwenden, da ja alle nicht als Millionäre nach Amerika kommen. Das Handelsamt hat jetzt allerdings ausdrücklich festgestellt, daß eine „Belastung der öffentlichen Fürsorge" schon dann als ausgeschlossen erscheinen muß, wenn fiir die betreffenden Einwanderer von Hilf»•esollschaften gesorgt wird. Eine unerhörte Chikane. In welcher Weise die jüdischen Einwanderer in den n-ordanierikanischen Häfen schikaniert werden, beweist folgender Fall: Zwei russiche Juden,, ein Schneider und ein Schuster, wurden im Juni in Ellis-Island zurückgewiesen, weil sie keine 25 Dollars zur Verfügung hatten. In Bremen angelangt, verschafften sie sich das Geld und reisten nach Boston. Dort wies sie der Konmiissür neuerlich zurück, mit der Begründung, daß sie von Ellis-Island zurücktransportiert seien und daher auch einen anderen Hafen nicht passieren können. Trotz aller Bemühungen von Verwandten, die für sie 1000 Dollars deponieren wollten, mußten beide Emigranten nach Europa zurückkehren. Es scheint, daß .die amerikanische Staatsverwaltung schon jedes Schamgefühl eingebüßt hat. Die Arbeitslosigkeit in Argentinien. Nach offiziellen Berichten sind in den letzten zehn Jahren insgesamt 943,540 jüdische Immigranten in Nordamerika eingetroffen. Von diesen blieben 63 Prozent— 594.430 Einwanderer — in New-York. Während die jüdische Emigration aus Rußland in den letzten zwrei Jahren sich ziemlich gleich blieb, zeigt die jüdische Auswanderung aus O e s t e r r e i c h - U n g a r n eine rapide Zunahme. Hingegen ist die jüdische Einigration in Knmänien in steter Abnahme begriffen. Beachtenswert ist, daß, wie die „N. J. K." schreibt, in letzter Zeit sehr viele Juden A r g e n t i n i e n v e r 1 a s s e n und nach den Vereinigte?) Staaten von Nordamerika gehen. Die meisten von ihnen klagen über A r b e i t s 1 o s i g k e i t i n A r g e nt i n i o n. Hiezu bemerkt die „N. J. K.": „Es wird höchste Zeit, für die wandernden Jud-?n endlich einmal solche Ansiedlungsg( biete zu suchen, in denen sie für Generationen seßhaft gemacht werden können, damit nicht immer der Sohn eine neue „Heimat" suchen muß, nachdem der Vater in der alten kaum warm geworden ist. Aber das wird erst möglich sein,, wenn die jüdischen Organisationen die Solidarität, die sie jede einzeln ihren Mitgliedern predigen, selber betätigen und gemeinsam an die Erschließung neuer Kolonisationszentren im größten Stile herangehen werden. Daß diese Gebiete nur im näheren (türkischen) Orient zu suchen und zu finden sind, darüber besteht wohl heute nirgends mehr ein Zweifel." SPRECHS/IdL. Der Jugendgottesdienst. W i e n, 18. Oktober UU>9. An die geehrle H e d a k t i o n der „Neuen X a t i u n;i 1 - Z e i t u n g" Wien. 1'eber die in Ihrem geehrten Blatte vom 8. d.M. enthaltene Bemängelung wegen unzureichender Heranziehung der Schuljugend zum Gottesdienste an den hohen Feiertagen, ersuche ich Sie, folgender Richtigstellung Raum gehen zu wollen. Seit Jahren werden von dem unter Patronanz des Kultusvorstandes gegründetem Vereine „Tetilas Haneorim1* an den jüdischen Festtagen Gottesdienste für die Schuljugend veranstaltet und es stellen sich in anerkennenswerter und selbstloser Weise die Religionslehrer in den Dienst dieser guten Sache. Die Kosten dieser Veranstaltung werden zu 90 Prozent durch die Subvention der Kultusgemeiude, zu 10 Prozent durch die Beiträge einer nur geringen Zahl von Mitgliedern des genannten Vereines gedeckt. So wurden auch in diesem Jahre an den hohen Festtagen in Betstätten im 1., VI., XVIII., XX. und in drei Betstätten im II. Bezirke Gottesdienste für die Schuljugend abgehalten. Auf diese Veranstaltungen wird durch die Keligionslehrer in der Schule, durch Anschlag der Kundmachung in den Genieindebethäusern, sowie durch Publikationen in den jüdischen Blättern aufmerksam gemacht. l'eberdies werden von den Herren Religionslehrern der Mittelschulen Schiilereintritfskarten für die ^ottesdienstlichen Veranstaltungen der Kultusgemeiude vorteilt. Wenn diese Jugendgottesdienste an den hohen Feiertagen nicht in einem noch größeren MaÜstabe durchgeführt werden, so liegt lüefiir die Ursache ausschließend in dem Mangel an geeigneten Lokalen. Hochachtungsvoll Dr. Lieben, Der Präsident: erster Sekretär. Dr. Alfred Stern. LORS(ESPONbgNZ£N Oesterreich-Ungarn. Eine geheime Plenarsitzung des Kultusvorstandes. Wien, 17. Oktober. Im Einlaufe befindet sich eine Zuschrift der Kinder des verewigten Vorstandsmitgliedes Emanuel Baum garten, in welcher sie mitteilen, daß sie behufs Durchführung des Beschlusses des Kultusvorstandes, auf Anbringung des Bildnisses des um die Kultusgemeinde hochverdienten Mannes im Sitzungssaale der Kultusgemeinde, ein vom Maler David K o h n künstlerisch ausgeführtes Porträt des Verewiglen dem Kultusvorstande zur Verfügung stellen. Die Widmung wird angenommen und hiefür den Geschwistern Baumharten sowie dem Schöpfer des meisterhaft ausgeführten Bildnisses der Dank votiert. Im Präsidial berichte bringt der Präsident den Finnnzrapport für die Zeit vom 1. Jänner bis 15. Oktober 1909 zur Kennlnis, woraus insbesondere hervorgeht daß gegenüber dem Präliminare für das Jahr 1909 die Einnahmen an Kultussteuern und Immatrikulationsgebühren, Taxen für Grabstätten und Trauungstaxen ein erhebliches Minus ausweisen d. h., daß für das ablaufende Juhr ein großes Defizit im Gemeindehaushalte zu erwarten ist. Für das durch Ableben des II. Vizepräsidenten Herrn Theodor Biller von Goldschmidt freigewordene Mandat eines Vorstandsmitgliedes ist die Ersatzwahl erst gelegentlich der nach len Neuwahlen vorzunehmen. Femer werden eine Reihe von Sliftungsangelege:iheiten erledigt.

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