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Neue Nationalzeitung · 1909-10-08 · Heft 21 (8.10.1909) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 21 (8.10.1909)
Date
1909-10-08
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 21 Beschnei düng eine — Selbstverstünimlung! Ein interessanter Rechtsfall wird jetzt in ungarischen Jurislenkreisen vielfach erörtert. Der Direktion der Budapester Arbeiterkrankenkasse lag dieser Tage das Ansuchen eines jungen Arbeiters um das für zwei Wochen fällige Krankengeld vor, welche Zeit er in einem Spitale verbrachte. Er legte ein äizlliches Zeugnis über eine an ihm vollzogene Operation vor. Die Beamten der Krankenkasse fragten staunend: „Warum mussten Sie operiert werden?" „Meine Braut wollte es unbedingt haben", sagte der Arbeiter, „sie meinte, unser Herzensbündnis müsse auch in der Synagoge gesegnet werden. Damals war ich nämlich noch — Katholik und heute bin ich Jude". Hierauf erließ die Direktion die folgende merkwürdige Entscheidung: „Nachdem es sich erwiesenermaßen um einen Selbstverstümmlungsfall (!) handelt, mußte der Arbeiter laut Statuten mit seiner Forderung abgewiesen werden". Der Arbeiter beabsichtigt den Instanzenweg zu betreten. Jüdische Soldaten in Holland und der Neujahrstag. Es hat nicht viel gefehlt, daß es im Lager von Harscamp (Gelderland) aus religiösen Gründen zu einer Meuterei gekommen wäre. Unter den daselbst zu militärischen Uebungen eingezogenen Truppen befanden sich etwa 350 Juden, fast durchweg aus Amsterdam. Gewöhnlich wird den israelitischen Soldaten für Neujahr und Versöhnungstag e i n Urlaub gewährt, nach dessen Ablauf sie wieder in das Lager zurückzukehren haben. Diese Erlaubnis wurde aber diesmal verweigert, weil einige Tage vorher in Amsterdam ein Fall asiatischer Cholera mit tödlichem Ausgang festgestellt worden war, und die Stadt offiziell als verseucht erklärt wurde. Darob herrschte unter den jüdischen Soldaten große Unzufriedenheit, sie verlangten vom Regimentskommandeur „großen Urlaub", d. h. sie sollten nach Amsterdam gehen können, ohne wieder in das Lager zurückkehren zu müssen. Dies wurde abgeschlagen, und auf ein an den Kriegsminister gerichtetes Telegramm folgte derselbe Bescheid. Da es bedenklich gärte, wandte sich der Regimentskommandeur an einen jüdischen, im Lager anwesenden Militärarzt, der dann auch an die Unzufriedenen eine Ansprache hielt, worin er seinen Glaubensgenossen die Notwendigkeit der Urlaubsverweigerung darzulegen suchte. Dies half, und die Gemüter beruhigten sich, als bekannt geworden war, daß der Oberrabbiner von Gelderland, an den sich der Oberst gewendet hatte, bereits die nötigen rituellen Gegenstände aus Arnhem abgeschickt hätte. So konnten denn die jüdischen Soldaten in der während der Uebungen im Lager errichteten jüdischen Kantine in der vorgeschriebenen Weise das Neujahr feiern. bisfe der Ausgetretenen. Vom 23. September bis 5. Oktober 1909. (Nr. 411 — 444.) Frank Otto, Dr., Hofu n d (i e r i c h t s a <1 v o k a t, geh. 28. Dezember 1862, Beneschau (Böhmen), VI. Ch\valla«;asse 2. Birnbaum Heinrich, Buchhalter, geh. 20. Oktober 187H, Wien, II. Kaiser Josefstraße 3. Bondi Franziska, Private, ^el». 10. August 188«;, Wien, IX. Universitätsstraße 10. Brettauer Leopold, absolvierter Gymnasiast, geh. 28. Jänner 1890, Zürich, I. Johannes^asse 16. Edelsperger Rosalie, geh. Bass, geh. 2. September 188o, Wien, XV. Thalgasse 4. Elias Josef, geh. 18. April 1882, Wien, derzeit Jägerndorf. Fischl Friederike, Private, geh. ltf. Dezember 1884, Wien- Rudolfsheim, V. Jahngasse 5. Fleischmann Irma, Private, geh. 20. September 1888, Wien- Floridsdorf, derzeit Brünn. Geiger Julie, Büglerin, geb. 12. Februar 1880, Lakompak (Ungarn), XX. Waldmüllergasse 14. Goldfinger Simon, Bäekergehilfe, gel». «. Juni 1883, Tabor (Böhmen), V. Diehlgasse 7. Kohn Alfred, Schauspieler, geb. 18. Jänner 188K, Wien, XVII. Thelemunngasse 4. Krönberger Adelheid, geh. .">. Dezember 188:5, Wien, XVI. Herbststralle 42. Lackenbacher Roberf. Ilandelsangcsfollter, gelt. 8. Dezember 188Ü, Virovitica iSlavonioni. IX. (iriino Torgasse 21. Laufer Fritz. Dr., I'rivatbeaniter. gel». 1!>. September 1881. Brünn. III. Strohgasse 7. Metall Laura, geb. Herl, Arztensgaitin. geb. 22. .luli 1877. Wischau, XX. Dresilnerstialle. Morgenstern Lisa, Private, geb. Ii. April 18!)4, Wien, V. Wienstraße K!. Politzer Emilie, geb. Fink. Beamtensgattin. geb. 7. Mai 18«;:?. Prag, IX. Borsrhkegasse (i. Radvanyi Klara, geb. U». .Juli 1*78, l'.mlapesl, VI. Marialiiü'eistraße 21. Reinisch Otto, Beamter, geb. 17. April 18!»0. Wien, II. Croße Pfarrgasse 11. Skutezky Hugo, Uaii<lelsaii»-esrellter. geb. 'AI. Juli 1881. l.eoben (Steiermark), IX. Badgasse 24. Springer Dora, Advokatursbeaintiii, geb. 10. Oktokir 187!). Wien. II. Tloßgasse 4. Steiner Albert, Dr. Arzt. geb. 17. April 1878. Dru/.ec. Matrik Hostoun iBöhmen i, III. Kmlolfsgasse 2">. Weinberg Marie Rosalia, geb. Rosenthal, Kuiifinumisgattin. geb. 27. Februar 1882, Brünn, IX. Gri'me Torgasse IO. Weissenstein Emanuel. geb. 10. Dezember 18(!|, Vägiiyhely, X. Favoritenstraße .">1. Zuckermann Rosa, Private, gel». 2. November 1884, Kimpolung (Bukowina.', IX. Porzellangas.se ."»8. Edelstein Fritz, Techniker, geb. Iii. .Jänner 1S1M. Wien. 1. Nibelungengasse 11. Lichtblau Ernst, Architekt, geb. 24. Juni 188.5, Wien, XIII. Auhofstraße 22.'5. Herlinger Otto. Gehilfe, gel». 21. Dezember 188."». Wien. XIV. Benedikt Schellinggasse lo. Schulz Adolf, geb. b\ Oktober 1882, Datschitz. VI. Sperliugg. 7. Goldstern Salomon. geb. 12. September 188.*l, Lemberg, VI. Webgasse :»8. Dr. Metall Hermann. Arzt, geb. 18«»."», Tarnopol, XX. Dresdenerstraße 12«;. Neumann Hedwig, Schauspielerin, geb. 27. Dezember 1884, Wien, 1. Spiegelgasse \'A. Kohl Samuel, Gehilfe, geb. 22. Mai 1891. Wien. IX. Bergg. :S7. Rosenberger Ernestine, geb. K>. November 1882. Wien, Volosca. Nachtrag:. Die Regierung ..schützt" die Staatsgrandgesetze! Wien, 6. Oktober. Gestern wurde vom Minister des Innern, Baron H a e r d 11, eine Deputation des Jüdischen National-Vereines in Oesterreich, empfangen, die ein Memorandum für die jüdische Wahlkurie in der Bukowina vorlegte. Der Minister begründet die gegnerische Stellung der Regierung damit, daß die Schaffnng einer jüdischen Wahlkurie „als ein Akt der Feindseligkeit gegen die Juden angesehen und so aufgefaßt werden könnte, als ob die Regierung die politischen Rechte der Juden von ihrer konfessionellen Zugehörigkeit abhängig machen wollte, was dem Staatsgrundgesetze widersprechen würde." Diese Antwort ist nichs anderes ats eine leere Ausflucht. Eine Regierung, welche grundsätzlich Juden vom Amte eines Staatsanwalts, (lymnasialdirektors, Militär-Auditors, Militär-Intendanten, Richter am Obersten Gerichtshof u. s. w., u. s. w. ausschließt und sich gerade dort, wo es gilt, e'ne politische Forderung der jüdischen Volksmassen zu erfüllen, hinter die Staatsgrundgesetze verschanzt, beweist damit nur, daß ihr die deutschen und polnischen Moschkos näherstehen, als das jüdische Volk. Es wird dem Herrn Minister bewiesen weiden, daß wir auf einen solchen „Schutz* der Staatsgrundgesetze — verzichten. L. Der von uns angekündigte Artikel „Die Lilien- Ausstellung" von R. v. Lewandowsky kann mit Rücksicht auf die vorzeitige Herstellung dieser Feiertags-Xummc, ans technischen Gründen — wir werden gleichzeitig mehrere Cliches reproduzieren — erst in der nSehsten Nummer erscheinen.

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