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Neue Nationalzeitung · 1909-09-24 · Heft 20 (24.9.1909) · p. Seite 10

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 20 (24.9.1909)
Date
1909-09-24
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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„Neue National-Zeitung" Nr. 20 über die Forderungen gesagt, welche die Immigranten, die sich in den Vereinigten Staaten niederlassen wollen, aufstellen können. Gar zu oft kommt es vor, das habe ich ja auch in meinem Zirkular gesagt, daß Leute den amerikanischen Boden betreten, die über gar keine Mittel verfügen. Das kann doch nicht so weiter gehen. Ein Mensch, der in ein fremdes Land kommt, ohne einen Cent in der Tasche zu haben, ohne das Land und seine Sprache zu kennen, muß doch unbedingt dem Lande, der Gemeinde, kurz der Gesellschaft zur Last fallen. Die Lage der Immigranten in New York, hauptsächlich in dem armen Viertel der Stadt, zwingt uns dazu, unser ganzes Augenmerk auf die Einwanderung zu richten. Wir müssen, meines Erachten?, fünfundzwanzig Dollars fordern. Daraus haben die Zeilungen Kapital geschlagen und machen einen Lärm, der wirklich unangebracht ist. Zwar steht ja nichts im Gesetz davon, daß man 25 Dollars haben muß, aber ich nage ja auch nicht, daß sie unbedingt 25 Dollars haben müssen. Ich: Warum haben Sie aber dann nicht bei Zeiten Ihre Forderungen den Interessenten bekanntgegeben? Viele Emigranten hätten gar nicht die Reise angetreten, wenn sie Ihre Immigrationsbedingungen bei Zeiten gekannt hätten, andere hätten sich wieder mit dem notwendigen Gelde versehen. Williams: Ja, ja! Ich weiß, was die Immigranten auszustehen hatten. Zu meinem größten Bedauern muß ich mich aber streng an mein Programm halten und kann keine näheren Auskünfte geben. Man sieht hauptsächlich auf den äußeren Eindruck, den die Persönlichkeit des Emigranten macht. Und ich sehe mir jeden Emigranten daraufhin an, ob wir ihn ins Land hineinlassen können oder zurückschicken müssen. Dieses Letztere geschieht aber nur in dem Falle, wenn sich die einwandernden Leute meiner Meinung nach nicht allein ernähren können und daher ihre amerikanischen Freunde in Anspruch nehmen wollen. Hingegen werde ich jungen, arbeifsfähigen Menschen keine Hindernisse in den Weg legen und sie auch bei Vorzeigung von wenigstens 25 Dollars ins Land lassen. Ich wiederhole ihnen allerdings nochmals, daß die 25 Dollars nicht vom Gesetze gefordert werden. Andererseits will ich Ihnen doch bemerken, daß ich auch Emigranten eventuell zurückschicke, die 25, 30, ja 50 und mehr Dollars besitzen, falls sie, nach dem Eindrucke, den sie auf mich machen, nicht ohne fremde Hilfe durchkommen können. Wir haben in Amerika schon genug beschäftigungslose Arbeiter. Und die Masse neuer Immigranten verschlimmert ihre Lage noch mehr. Diese „Grünen" arbeiten ja fast umsonst und schaden damit dem inländischen Arbeiter. Noch dazu geht das Gros der Emigranten in solche große Städte wie New-York, Chicago, Boston u. s. w., wo gerade die Arbeitsverhältnisse schon unerträglich genug liegen. Von jenen Ankömmlingen, die in kleinere Städte gehen, fordere ich ja nicht die festgesetzte Summe. Etwas Geld müssen sie ja natürlich auch haben. Aber wie gesagt: Es kommt alles auf den einzelnen Fall an. Eingesendet. 7. September 1909. Ein Dankschreiben jüdischer Auswanderer! Von den, mit dem Dampfer „Friedrich der Große44 des „Norddeutschen Lloyd" auf seiner letzten Heise nach New-York gereisten jüdischen Zwischendeck-Passagieren, ging dem Norddeutschen Lloyd nachstehendes Anerkennungsschreiben zu: ■ Z. Z. auf der See, Dampfer „Friedrich der Große", 3. Sept. 1909. P. P. Mit besonderer Genugtuung bringen wir unterzeichnete Zwischendecks-Passagiere jüdischer Konfession aus eigenem Anrieb3 unsore Zufriedenheit über die uns widerfahrene Behandlung im Aus lruck. Es hat uns während der ganzen Reise angenehm berührt, daß wir ein anstandiges Entgegenkommen erfahren haben und von allen mißliebigen Belästigungen verschont waren, was leider in früheren Jahren nicht immer der Fall war. Insbesondere erwähnen wir, daß wir mit der rituellen Beköstigung in jeder Hinsicht, was Schmackhaftigkeit und Reichhaltigkeit anbelangt, durchaus befriedigt wurden, und bitten, dem jüdischen Koch, Herrn Steinberg, der sich in jeder Beziehung durch sein anständiges, bescheidenes Wesen ausgezeichnet und sich für unsere Sache interessiert hat, wie auch dem Herrn Zahlmeister unseren Dank zu übermitteln. —- Wir werden nicht verfehlen, in unserem Bekanntenkreise wie auch in geeigneten Zeitungen einen bezüglichen empfehlenden Bericht zu erstatten. — Wie wir erfahren, hat auf den letzten Reisen auf dem Dampfer „Friedrich der Große" dieselbe Taktik durchgegriffen. Ergebonst (N. T. ('. B.) .....folgen Unterschriften. 5PRECH5/1/1L. „Das alte Wiener Ghetto." Sehr geehrter Herr Redakteur! Von einer Reise zurückgekehrt, lese ich in Nr. 17 Ihres weiten Blattes die wohhvo'lende Besprechung meines Buches „Das Wiener Ghetto" durch Herrn Dr. Ahronsohn. Seine auf den „S c h e r b a c k h" bezüglich»' Berne kung zu dem von mir mitgeteilten Totenprotokol, hat, wie ich sehe, inzwischen in Nr. 18 Herr Theodor Cohn beantwortet Der ökorbut — er figuriert in dem Wiener Toten Protokoll unter den Bezeichnungen ,scliarpockh", „Scherbakh" und ,M u n tl 11 a i l 1 (Mundläule) — war übrigens in der langen Reihe der die Ghettobevölkerung dezimierenden, zumeist epidemischen Krankheitt n nur eine seltene Erscheinung, da wir in dem Zeitraum 1648—1669 nur drei letal endigende Fälle verzeichnet finden. Die Vei wertung der Beschaudatfn für eine Mortalitätsstatistik der Wiener Gheltobewohner wäre eine sehr dankbare Autgabe. Wenn sie auch mit Rücksicht auf mancherlei Lücken im Totenprotokoll, Fehlen von Daten über die Gesamtanzaid der jüdischen Bevölkerung kein absolutes Resultat liefVm würde, dürfte sich immeihin aus den uns e halten gebliebenen Daten manch lehrreiches Bild über das Vorherrschen der einen oder anderen Krankheit, das Sterblichkeitsverhäitniß der jüdischen zur ehr stlichen Bevölkerung, Säuglings- und Kindermortalität etc. e. twerfen lassen. Dadurch gewinnt das Totenprotokoll mit seinen auf den ersten Bück trockenen Eint-agungen neben seiner Wichtigkeit als familiengeschichtliche Quelle auch an Bedeutung für die Untersuchungen der historischeu Statistik. Hochachtungsvoll Dr. Igu. Schwarz fCORRSSPONDSNZCN Oesterreich-Ungarn. Jüdische Oberlandesgerichtsräte. Wien, 10. September. Der heute erfolgte große Richterschub in den höheren Rangsklassen hat auch mehreren jüdischen Landesgerichtsräten eine angenehme Ueberraschung gebracht. Es wurde eine Anzahl jüdischer Oberlandesgerichtsräte bei verschiedenen Landes- und Kreisgerichten ernannt und damit seitens des Justizministeriums der Anspruch altverdienter jüdischer Landesgerichtsräte auf Beförderung anerkannt. Es wurden nachstehende jüdische Landesgerichtsräte befördert: Dr. Julius Gerstmann (Handelsgericht Wien), David H ö f n e r (Kreisgericht Korneuburg), Bernhard Günzburg (Kreisgericht Olmütz), David Kornitzer (Kreisgericht Ung.-Hradisch), Dr. Salomon Merz (Kreisgericht Tarnow), Dr. Severin Bers o n (Landesgericht Lemberg). Unter den ernannten Hofräten befindet sich kein einziger Jude. Der zum Hofrat ernannte Oberlandesgerichtsrat Julius Turtel taub ist — Christ . . .

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