Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 20 (24.9.1909)
- Date
- 1909-09-24
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 ,Neue National-Zeitung" Seite 11 G2MEINU2unö VSReiNSNGWRiCRSW Wien. Der Vorstand der Pr. Religionsschule der „ A d a ß- J i s r o e la, Wien II., Malzgasse 16, zeigt an, daß die Einschreibung an dieser Schule für Knaben und Mädchen, Sonntag den 19. September 1. J. von 9—7,1 vormittags im Schulgebäude (Talmud-Thora Lehranstalt) stattfindet. Weiterhin an jedem Sonntag von 8—12 Uhr Vormittag, Mittwoch 2—6 Uhr Nachmittag. Schulbeginn Mittwoch 22. September. Im Interesse des Unterrichtes wird um rechtzeitige Einschreibung ersucht. Wien. (»Kaiser Franz-Josefs-Ferien hei m.") Knapp vor Schulbeginn sind in der Vorwoche die Schützlinge des „Kaiser Franz-Josefs-Ferknheim* aus den Kolonien Petrau und Tischnowitz am Nordbahnhof eingetroffen. Deren blühendes Aussehen und die ansehnliche Gewichtszunahme gaben Zeugnis von der umfassenden Fürsorge, welche dieser Verein den Kindern angedeihen laßt. Fast 600 Schützlinge waren in diesem Jahre in den Rekonvaleszenten- und Erholungskolonien des Ferienheimes untergebracht. In besonders feierlicher Weise ist das Geburtsfest Seiner Majestät in den Kolonien begangen worden und es wurden Huldigungstelegramme an das Allerhöchste Hoflager abgeschickt, welche huldvollst beantwortet worden sind. Während des nun 17 jährigen Bestandes, hat der Verein ingesamt bei 8000 Kinder mit einem Koslenaufwande von K 600.000 in seine Institutionen entsendet. AUEN WeiÄttilM Der tragische Tod des Barons Oskar Rothschild beschäftigt noch immer die amerikanische Presse, zumal es feststeht, daß sich der junge Rothschild nur deswegen erschossen hat, weil sein Vater, Baron Albert Rothschild, die Heirat mit Frl. Menn aus Chicago nicht zugeben woiife. Der „New York American" bringt nun ein Interview mit Frau Menn in Chicago, der Mutler jenes Mädchens, in das sich Baron Oskar Rothschild verliebt hälfe. Die Nachricht, daß der Baron sein Vermögen der Verlobten testamenfarisch vermacht habe, wird von Frau Menn bestätigt. „Obgleich wir nicht wissen", sagte sie, „welcher Betrag meiner Tochter hinterlassen wurde, sind wir von einem Agenfen der österreichischen Regierung verständigt worden, das ihr ein großer Teil des Vermögens zukommt, das der Baron von seiner Mutter geerbt hat." Frau Menn äußerte sich danach über den Verlauf der Tragödie wie folgt: Es war am 21. Mai als Baron O^kar auf einer Reise um die Wdt Chicago erreichte. Als Leutnant der österreichischen Armee hatte er von dem Generalarzt Dr. Menn gehört, der noch ein österreichischer Offizier ist, obgleich er fast achtzehn Jahre in den Vereinigten Staaten lebt. Der Baron entschloß sich, ihn zu besuchen. Baron Oskar wurde in das Heim der Menns zum Diner geladen und hier traf er Miß Menn. Das war der Anfang des Romans. Der Baron verliebte sich auf den ersten Blick und er war?o fest entschlossen, Olga zu gewinnen, daß er nicht eine Stunde verlor, um seinem Vater zu kabeln. Er telegraphierte, er sei so verliebt, daß er ohne Olga nicht leben könne, und bat den Vater, ihm sofort sein Einverständnis zu senden. Am nächsten Tag traf eine Kabeldepesche ein, in der der Baron Rolhschild verlangte, Näheres über die junge Dame zu erfahren. Er fragte nach ihrem Alter und ihrer Familie. Schließlich kam eine Depesche, in der Baron Rothschild erklärte, seine Zustimmung zu geben, wenn sich alles s>o verhalte, wie Baron Oskar es angebe. Am \. Juni gab Olga ihre Einwilligung dazu, sich mit dem jungen Baron zu verloben. Dann kam die Kabeldepesche, in der Baron Rothschild den Wunsch aussprach, Olga und mich zu sehen. Es wurde vereinbart, daß wir durch den Sekretär der Familie Rolhschild empfangen werden sollten. So fuhren wir nach Hamburg, wo wir am 8. Juni eintrafen. Hier erwartete eine furchtbare Enttäuschung die arme Olga. Oskar erzählte ihr von der Veränderung in der Haltung seines Vaters und geriet in Verzweiflung. Frau Menn erwähnte auch den tiefen Kummer des Vaters nach dem Tode des Barons Oskar. »Der Baron", äußerte sie sich, „empfing Olga und mich warm, als ob wir Familienmitglieder gewesen wären. Er bereitete uns einen Empfang, der, wenn er ein paar Tage früher stattgefunden hätte, die Tragödie verhindert haben würde." Jüdische Helden. Herr Moriz Frühling war so freundlich, uns aus seinem Material über die jüdischen Helden nachstehende statistische Aufstellung der für Tapferkeit dekorierten und belobten jüdischen Offiziere und Soldaten zur Verfügung zu stellen. Für Tapferkeit dekorierte mit der belobte gold. silb. Tapfe rk.-Medaille dekorierte Medaille belobte Offiziere Mannschaft Napoleonische Feldzüge 12 16; 3 24! 56 Revolutionsj 1848/49 6 9 5 92 124 Kriegsjahr 1859 11 31 6 128 : 76 „ 1864 | 2 14 — 17 I 38 1866 | 26 43 6 114 82 1878 15 L6 1 58; 104 1882 > 4 10 — 12 27 Ii 76 149 j 21 445 507 Zusammen............1198 Die Pässe der amerikanischen Juden in Rnssland. Die Frage der Anerkennung von Pässen jüdischer Reisender in Rußland, die zuletzt im Frühjahr d. J. auf dem Kongreß erörtert wurde, scheint neuerdings infolge einer Verordnung des Präsidenten Taft wieder in Fluß kommen zu sollen. Gelegentlich der Abreise des neu ernannten amerikanischen Gesandten W. W. R o c k h i 11 nach St. Petersburg ergriffen einige angesehene Vertreter der amerikanischen Judenheit die Initiative, die Regierung auf den Fortbestand der schon mehrmals auf diplomatischem Wege gerügten Ausnahmebestimmungen gegen amerikanische Staatsbürger jüdischen Glaubens bei ihren Reisen innerhalb Rußlands hinzuweisen. Der Präsident verfügte daraufhin, daß der Gesandte sogleich nach seiner Beglaubigung mit aller Entschiedenheit auf eine gleichmaßige Anerkennung aller Pässe der amerikanischen Regierung hinzuwirken und sich zu diesem Behufe durch die jüdischen Vertreter in die Materie einführen zu lassen habe. Nunmehr ist Mr. Rockhill mit dem einschlägigen Material versehen, an den Ort seiner neuen Tätigkeit abgereist. Die Intransigens, mit der die amerikanische Regierung diese gerechte und für das nationale Ansehen so wichtigen Bemühungen betreibt, im Verein mit dem Anleihebedürfnis des russischen Staatssäckels dürfte den Schritten der Union diesmal einigen Erfolg versprechen. Die Denkmale auf dem alten jüdischen Friedhof in der Rossau. Die israelitische Kultusgemeinde in Wien beabsichtigt, den alten jüdischen Friedhof im IX. Bezirk zu restaurieren, und machte hievon der Zentralkommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst-