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Neue Nationalzeitung · 1909-09-24 · Heft 20 (24.9.1909) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 20 (24.9.1909)
Date
1909-09-24
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 20 Neue National-Zeitung" Seite 5 Bei seiner glänzenden Laufbahn und der hohen Stellung, die er bekleidete, blieb Brociner seinem Volke, dessen Ehrenretter er vor 30 Jahren wurde, treu. Brociner ist kein „Nochjude", sondern ein treuer Sohn seines Volkes, an dem er mit allen Lebensfasern hängt. Allen Versuchungen, die an ihn im Laufe der vielen Jahre herangetreten sind, hat er festen Widerstand entgegengesetzt und sich niemals gescheut, sein Judentum ehrlich zu bekennen, dessen kulturelle und nationale Bestrebungen er fördert und dessen Wohl und Wehe ihm am Herzen liegen. Mauriciu Brociner, der königlich - rumänische Oberstleutnant und einzige jüdische Offizier der iumänischen Armee, gereicht nicht nur seinen engeren Landsleuten zur Ehre; er ist eine Zierde des jüdischen, zerstreut lebenden Volkes. Wir haben bereits im Juni d. J. (Nr. 13) von dem Tode dieses genialen Mannes berichtet, der nach einem abenteuerlichen Vorleben inmitten einer russischen Sekte nach New-York ausgewandert ist, um sich dort ganz seinem Volke zu widmen. Er war durch Jahrzehnte der geistige Führer und Liebling jener jüdischen Volksmasson, die das Hauptkontingent der zwei Millionen Judenia Nordamerika ausmachen. Er schuf selbständig oder durchUebcrselzungjene zahlreichenDramemmd Volksstücke, die in Jakob Gordin. (Geboren 1. Mai 1853, gestorben 11. Juni 1909.) den amerikanischen Ghettos die einzige geistige Nahrung und das hervorragendste Kulturmittel der jüdischen Volksmassen bil. den. Schon sein Aeußeres, seine hohe Denkerstirn, seine ausdrucksvollen Aug.n beweisen einen genialen Zug in seinem ganzen Wesen. Er hat auch lebenslang für hohe Ideale gewirkt und wie es den meisten Kämpf« rn für das jüdische Volk Lealimmt ist, selbst Not gelilten. In der Geschichte der jfuli-chcn Kultur wird sein Name auf einem Ehrenblatte verzeichnet sein. t «x^/f^? V Max Schacherl (Ber in): Unser Freund, der Glaubensgenosse. E'gcntlich ist er nicht mein Freund; aber ich spreche ihn häufig und er ist mir im Laufe der Zeit unentbehrlich geworden. Ich brauche ihn: er ist ein ungemein dankbares Studienobjekt — unser Freund, der Herr Glaubensgenosse. Rassenthcoreliker sollten sich seiner noch rasch versichern; auch Spezialisten der Pathologie. Denn ich stelle mir seine Gehirnfunktion ungemein komisch vor. Sein trauriges Schicksal: er ist erblich belastet. Unverbürgten Gerüchten zufolge ist einer seiner Ahnen an latentem Patriotismus gestorben. Wie, woran? Er hatte sich nämlich bei einer Kaiserfestlichkeit zu weit vorgedrängt, geriet ins Gedränge und wurde erdrückt. Der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" verlor ein hervorragendes Mitglied in ihm. Ebenso die Reformgemeinrte, in deren Kirchenausschuß er saß. Der Geist dieses erlauchten Ahnherrn lebt in der Familie fort. Noch an meinem Freunde sind alle Zeichen des Familiengeistes wahrnehmbar. Indeß: Patriot ist er kaum zu nennen. Der schwarz-rot-goldene Bierzipf beweist gar nichts! Das schreckliche Ende seines Ahnen hat ihm den Patriotismus als eine gefährliche Sache erscheinen lassen. Aber er ist so wenig Jude wie seine Ahnen. Dennoch hat er sich — wenn man will, zu seinem

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