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Neue Nationalzeitung · 1909-09-24 · Heft 20 (24.9.1909) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 20 (24.9.1909)
Date
1909-09-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 „fceue National-Zeitung" Nr. 20 man nicht denken und die verbündete rumänische Truppe wurde nun, da zur Eroberung der zweiten Redoute eine weit stärkere Truppenmasse herangezogen werden mußte, vom verheerenden feindlichen Feuer buchstäblich dezimiert. Ueber Leichenhaufen ging es gegen die Festung weiter, in deren Laufgräben der Gegner sich deckte und die Heranstürmenden mit einem Hagel von Geschossen überschüttete. Brociner, der, seine Wunde nieht beachtend, tapfer vordrang, sammelt eine Anzahl seiner Soldaten, flößt ihnen fortwährend Mut und Hoffnung ein, bis es ihm gelingt, das Zugangshindernis zu überwinden und — als Erster — die Redoute jenseits des Grabens zu erreichen. Da verspürt er einen neuerlichen, heftigen Schmerz, diesmal im Oberschenkel; er sieht seinem Körper nur noch einen Blutstrom entfließen — und bricht bewußtlos susammen. Als er erwachte, war bereits der Rückzug angetreten und das Feuer eingestellt. Er selbst lag in einem trostlosen Zustande, von toten und sterbenden Menschen umgeben. Die Furcht in Feindeshand zu geraten und von den Türken, wie es früher oft schon vorkam, ver stümmelt zu werden, gab ihm die Kraft, unter unsäg liehen Schmerzen et wa; 150 Meter weit, zum Teile hinkend, sich hinzuschieben, bis er zum Glück auf eine rumänische Sanitätspatrouille stieß und gerettet war. Brociner ist „für die gute Aufführung und den Mut, welchen er in der Schlacht bekundete" zur Auszeichnung mit dem Orden „Stern von Rumänien" empfohlen worden. Diese Auszeichnung blieb nicht vereinzelt, denn er erhielt kurz darauf den russischen Stanislausorden dritter Klasse mit Schwertern und später noch das goldene Tapferkeitskreuz (Virtutea Militarä cl. I), eine Auszeichnung, welche heute nur noch eine geringe Anzahl von Offizieren besitzt. Interessant ist folgendes, Jassy, den 20. September 1877, datiertes Schreibon Alexander B e 1 d i m a n s (Vater des gegenwärtigen rumänischen Gesandten in Berlin) an den Vater Brociners. Mein Herr! Ich beeile mich, Sie anläßlich der schönen Aufführung Ihres Böhnes auf dem Schlachtfelde zu beglückwünschen. Das Schreiben, welches Mauriciu an Euch gerichtet hat und das in der Zeitung abgedruckt war, hat mich mit Befriedigung erfüllt. Ich finde in diesem Briefe das Herz eines guten Sohnes und eines guten Soldaten; er darf auf die Epauletten, die er durch die Verteidigung der Fahne des Vaterlandes erworben hat, stolz sein. Ich bitte Sie, sobald Sie an Mauriciu schreiben, ihm meine Glückwünsche zu übermitteln; Ihrer Frau Gemahlin bitte zu sagen, daß sie auf ihren Sohn stolz sein darf. Das dem Leutnant B r o c i ne r vom Regiments- Kommando ausgestellte amtliche Zeugnis hat in deutscher Uebersetzung folgenden Wortlaut: „Tm Sinne der ministeriellen Entscheidung Nr. 17 vom 17. März (1. J. bostätigt der unterzeichnete Konimandant des 8. Infanterie-Regiments, daß Mauriciu Brociner am JT>. November 1874 bei diesem Regimente als Einjährig-Freiwilliger einrückte und bis zum 30. August 1877 (12. IX.) gedient hat, an welchem Tage er beim Angriffe auf Grivita und bei der Erstürmung der Redoute verwundet wurde, wie dies aus seinem Matrikenbogen hervorgeht. Während seiner Dienstzeit als Freiwilliger und als Reservist hat er gut gedient, sich musterhaft aufgeführt und stets Eifer für den Dienst, und Sehnsucht nach der militärischen Laufbahn an den Tag gelogt. Der 28. August ist für diesen Offizier aus folgenden Gründen ein Tag des Ruhmes: Am 28. August (10. IX.) wurde Brocin er auf d(m Schlachtfelde verkündet, daß er laut Decret vom 15. Juli zum Leutnant befördert und zum vierten Bataillon nach Bucarest versetzt worden sei, mit der Ordre, dorthin einzurücken. Anstatt nun zu seinem Bataillon ins Land zurückzukehren, zog er es vor, beim Regimente zu bleiben, welches Vorkehrungen für die bevorstehende Schlacht machte. So hat er freiwillig und ohne durch Befehl verpflichtet gewesen zu sein, an der Schlacht vom 30. August teilgenommen, unter Hauptmann Walter Maracineanu gedient und ist von feindlichen Kugeln zweimal verwundet worden. Seine Aufführung im Zivil, wie auch während seiner Militärdienstzeit, ferner sein Wissen berechtigen zur Hoffnung, daß dieser Offizier für die Armee von wirklichem Nutzen sein wird." Brociners Wunden machten seine Absicht, ins aktive Heer einzutreten, unerfüllbar. Er akzeptierte die ihm von der Regierung angebotene Stelle als Beamter erster Klasse beim Hauptzollamte in Galatz, wo er bis 1880 verblieb. Im selben Jahre wurde er ins Kriegsministerium versetzt und 1882 in das königliche Privat-Sekretariat berufen. Nach kurzer Zeit wurde er mit dem Offizierskreuz des Ordens „Krone von Rumänien" ausgezeichnet, ebenso sind ihm das „Donau- Uebergangs-Erinnerungskrcuz" sowie alle anderen, auf den Krieg Bezug habenden Medaillen verliehen woiden. In der Hofkanzlei wußte Brociner durch Bescheidenheit, Pflichteifer und taktvolles Auftreten sich das Vertrauen seiner Vorgesetzten zu erwerben. Er wurde bald zum Hofkassier ernannt, in welcher verantwortungsvollen Stellung er fast 20 Jahre blieb; das während dieser langen Zeit in ihn gesetzte Vertrauen wußte er glänzend zu rechtfertigen. Kein Wunder, daß es ihm gelang, die Aufmerksamkeit der Königin Elisabeth, der Dichterfürstin Carmen Sylva, auf sich zu lenken. Sie erkannte in ihm den biederen Charakter, den diskreten, bescheidenen Menschen und wählte ihn zu ihrem Privatkassier. Diese Stellung bekleidet er noch heute, obschon er seit einigen Jahren mit der Direktion des königlichen Marschallamtes betraut ist und nach bestandener Stabsoffiziersprüfung zum Major und Oberstleutnant befördert wurde. Die Königin hat in Brociner den redlichsten und unermüdlichsten Mitarbeiter gefunden. In ihrem „Penatenwinke!" schreibt Carmen Sylva über Brociner folgendes: „In unserem Hause ist Nathan der Weise ein täglicher Gast, da wir alle Konfessionen in der eigenen Familie vertreten haben: Katholisch, protestantisch und orthodox. Ebenso haben wir im Hause einen Juden als Sekretär! Und gerade ein Israelit ist es, der meine Hauptstütze in allen Wohltätigkeitssachen ist. Oberstleutnant Brociner trug im Kriege von 1877 zwei schwere Wunden davon, wurde dann Sekretär bei uns und opfert sich mit Begeisterung auf für alle Armen und Leidenden, die von uns Hilfe erwarten". Im Laufe der langen Dienstzeit am königlichen Hofe wurde Brociner durch hohe Orden ausgezeichnet. So besitzt er das Ritterkreuz des österreichischen Franz Joiofs^Ordens, den österreichischen Eisernen Kronen- Orden III. Klasse, ist Kommandeur des russischen St. Annen-Ordens, des türkischen Medjidie-Ordens, des bulgarischen Alexander-Ordens, des serbischen Takowa- Ordens und erhielt kürzlich den preußischen Kronen- Orden II. Klasse. In Anerkennung seiner Verdienste um die unter dem Schutze der Königin stehenden Wohltätigkeitsanstalten wurde ihm die goldene Medaille „Resplata Müncei" verliehen.

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