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Neue Nationalzeitung · 1909-09-10 · Heft 19 (10.9.1909) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 19 (10.9.1909)
Date
1909-09-10
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 19 „Neue Natioiial-Zeitung" Es ist ganz richtig. „daß alle Deutschen ohne l'ntersehied der Partoiungen einträchtig zusammenwirken sollen", ebenso richtig, daß ich mich voll und ganz als Deutscher fühle und zu fühlen berechtigt bin. lTm „Parteiungen" handelt es sich hier keineswegs, vielmehr um die Tatsache, dal.) mit Wissen der Leitung des Deutschen Schulveroins ein Teil seiner Mitglieder den jüdischen Mitgliedern nicht mir die prinzipielle Zugehörigkeit zum deutschen Volke, sondern sogar die Menschenwürde — die Satisfaktionsfahigkoit — bestreitet, während mehrere Korporationen, welche den Aufruf fertigten, jene Oesinnung statutarisch bekunden. Mit diesen Kiementen an einem Kulturwerke mitzuarbeiten, lehne ich als Jude aus Selbstachtung ab. unter selbstverständlichem Verzichte darauf, daß mir „die Schulbauten an der Sprachgrenze zugute kommen". Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung ergebenst P a u 1 - S c h i f f. Nach diesem Verhalten, welches unseren vollsten Beifall findet, bleibt uns eines jedenfalls noch rätselhaft : Wieso kann sich Herr Paul-Schiff „voll und ganz als Deutscher fühlen"? . . . Antisemitische Roheit in Salzburg. In der Landeshauptstadt Salzburg, deren Abgeordneter Doktor Sylvester als ernster Kandidat für die Stelle eines Justizministers in Betracht gezogen wird, ereignete sich jüngst folgender Roheitsakt eines städtischen Wachmannes, somit eines „öffentlichen Organes": In der Bahnhofrestauration dritter Klasse unterhielt sieh ein Mann in Tounsteiikleidiing, anscheinend ein Jude, mit vier Arbeitern. Ein anwesender Feldwebel sowie ein Zivilist begannen den Juden zu hänseln und ,.S a u j u d" zu schimpfen. Der Jude verbat sich energisch die Beschimpfung, was zur .Folge hafte, daß ein ernster Wortwechsel entstand. Der Kellner, der ebenfalls den Juden beschimpfte, holte die Polizei. Es erschien der Wachmann Peitniayer. der d e n J u »1 e n a r r e t i e r t e und auf die Wachstube führte. Dm't sollte der Verhaftete sein Nationale abgeben, was er jedoch verweigerte. Die Folge der Weigerung war. daß die Wachmänner den Verhafteten i n K e t t e u legt e n und gefesselt wie einen Raubmörder von der Wachstube in da> Rathaus transportierten. Während des Transportes bat und flehte der (iefesseltc, man möge ihm doch die Fesseln abnehmen. Aber alles ha.lf nichts, der Wachmann fuhr in seiner Barbarenart weiter. Ein Arbeiter kam dem Wachmann nachgelaufen und übergab ihm den zurückgebliebenen Stock des Touristen. Infolge der Schmerzen, die der (iefesselte ausstehen mußte, riß er hin und her. Dies veranlaßt»» den Wachmann, den Häftling mit dem Stock über den Kopf zu schlagen, so daß der Stock zerbrach. Ein Teil d»»s zorhro» henen Stock»>s befindet sieh in der Redaktion und wird als Trophäe dem Museum zur Hebung des Fremdenverkehrs angeboten werden . . . Da vorläufig Herr Dr. Sylvester noch nicht Justizministeist, so wird es vielleicht doch noch möglich sein, im Parlar menle vom Justizminisler über diesen Vorfall Aufklärung zu erhalten. Jedenfalls müssen solche Zustände als recht „gemütlich" bezeichnet werden und sie rechtfertigen vollkommen die Scheu der ausländischen Juden, welche lieber über Berlin als Uber Wien reisen. „Haut die Juden!" — ein Spass? Im Oktober v. J. hielt der tschechische Landlagsabgeordnete Dr. S o b o t k a (Staalsrechller) in Beraun eine Rede, in der er die christliche Bevölkerung aufforderte, sich von denJuden zu separieren. Nach der Versammlung sagte der Landwirt Vinzenz Horak zu mehreren Burschen : „Haut die Juden!Wir müssen sie massakrieren." Beim Rückweg rief er in den Straßen laut: »Wir werden jetzt gegen die Juden losgehen!" Diese Aufforderung wiederholte er mehrmals. Er wurde daher wegen Aufreizung vor das Prager Landesgericht gestellt, jedoch dort freigesprochen, weil man annahm, daß er seine Aeußerung im Scherze nur vor sich hingesprochen habe und es im übrigen auch nicht zu Ausschreitungen gegen die Juden gekommen war. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen den Freispruch Beschwerde, über welche der Oberste Gerichtshof als Kassationshof kürzlich vorhandelte. Der Generaladvokat bezeichnete die Nichtigkeitsbeschwerde als berechtigt, umsomehr als zwei Tage nach der Versammlung in Beraun Gewalttalon gegen die Juden vorkamen. Der Kassalionshof pflichtete der Anschauung dos Generaladvokalen bei und hob den Freispruch des Prager Landesgerichtes auf. Die Strafsache wurde an die erste Instanz zur neuerlichen Verhandlung zurückgewiesen. (hiicluilll Baschi Nasnill ist energisch daran gegangen, das Rabbinat in der Türkei zu reformieren. Zu diesem Zwecke wurden sämtliche Gemeinden aufgefordert, ihre „zeitweiligen" Chachams abzusetzen und statt deren definitive Rabbiner zu wählen, die durch ihre Vorbildung hiezu geeignet wären. Ein Mittel gegen die Kindertaufen in Galizien hat der Krakauer „Tygodnik" erfunden. Er schlägt vor, daß es nicht mehr den Kindern freistehen soll, mit dem zurückgelegten 14. Lebensjahre ihren Glauben zu wechseln, vielmehr soll hiezu ein Alter von mindestens 20 Jahren nötig sein. Konfiskation eines jüdischen Kalenders. Der Kalender, den die tschechischen Juden für das Jahr 1909 bis 1910 herausgegeben haben, wurde konfisziert. Anstößig befunden wurde der Artikel „Einige Bemerkungen zu den tschechischen volkswirtschaftlichen Bestrebungen in der Theorie und Praxis" und ein Absatz des Artikels „Ueber die Gormanisation". Dr. Faitlowitsch mit 2 jungen Falaschas.

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