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Neue Nationalzeitung · 1909-09-10 · Heft 19 (10.9.1909) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 19 (10.9.1909)
Date
1909-09-10
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 GSMSiNUe-UN» VSRCiNSNÄlftRilrfcW Ein jüdisches Rekonvaleszentenheiro. Wien. Wir erhalten unter obiger Aufschrift einen Aufsatz, dem wir nachstellendes entnehmen: Aus allen (.legenden strömen die armen Patienten den Kliniken zu, in welchen aber stets ein solch außerordentlicher Andrang herrscht, daß die nach Operationen oder schweren Krankheiten kaum hergestellten Personen schon nach dem ersten Stadium der Besserung die Spitäler verlassen müssen, um den neu angekommenen Patienten Platz zu machon. Solche arme Rekonvaleszenten nun sind im höchsten Grade bedauerlich, da ihnen weder Mittel, noch Gelegenheiten geboten sind, sich die nach der Spitalsbohnndlung so dringend nötige Erholung zu verschaffen und sich für den weiteren Kampf ums Dasein zu kraftigen. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, ist aus dem Israelitischen Frauenverein im VIII. Bezirke in WTien ein Zweigverein hervorgegangen, welcher unter dem Präsidium der Frau Amalie Beck die Elite der jüdischen Kreise Wiens vereint und es sich zur Aufgabe gemacht hat, hier ein R e k o n v a 1 e s z e n t e n h e i m f ü rar m e jüdische Frauen und Kinder zu errichten und somit solch armen Kranken die Gelegenheit zur vollkommenen Wiederherstellung ihrer Gesundheit zu bieten. Nach jahrelanger, hingebungsvollster Tätigkeit des Vorstandes dieses, unter dem Titel „R ekonvaleszent e n h e i m P h i 1 a n t r o p i a" so hervorragend menschenfreundlich wirkenden Vereines ist es auch gelungen, in Wien, XIII.; Lainzerstraße 172. ein für diese Zwecke vorzüglich geeignetes Haus samt herrlichem, alten Garten zu erwerben, welches auch mit allen hygienischen Einrichtungen versehen wurde. Im Jahre 1908. anläßlich des glorreichen Regierungsjubiläums unseres erhabenen Kaisers, wurde dieses Heim eröffnet und seiner Bestimmung übergeben. Seither finden arme jüdische, aus den Spitälern entlassene rekonyaleszente . Frauen und Kinder bis zur völligen Herstellung ihrer Gesundheit in diesem Hause ein Heim, entsprechende ärztliche Behandlung, liebevolle Pflege und eine rituell zubereitete gute, nahrhafte und ausgiebige Verköstigung. Allein durch den Ankauf des Hauses und Errichtung dieses Heims, sowie duijeh die kostspieligen Innen- und hygienischen Einrichtungen ist der größte Teil des Vereinsvermögens aufgebraucht worden und die Erhaltung eines solchen Heims, mit einer stets namhaften Anzahl Patienten, erfordert laufend einen größeren Geldaufwand, welchen der Verein unmöglich. aus eigenen Mitteln bestreiten kann. Es ist daher ein Gebot dringendster X o t w e n d i g k e i t. daß diesem so eminent wohltätigen, in seiner Art einzigen Vereine, welcher speziell Patienten jüdischen Glaubens, ohne Rücksicht auf deren L a n d e s z u g e h ö r i g k e i t, aufnimmt und gesunden macht, auch aus weiteren Kreisen unserer edelmütigen Glaubensgenossen Unterstützungen zugewendet werden, u.m ihm dadurch die Erfüllung seines humanen Zweckes zu ermöglichen. Es kann jedermann diesem hervorragend wohltätigen Vereine gegen einen Jahresbeitrag von K 6.— als Mitglied, mit einem einmaligen Beitrage von K 200.— als Gründer und mit einem Beitrage von K 5000.— als Stifter beitreten. Wir appellieren an die Hochherzigkeit, an das Mitgefühl unserer Glaubensgenossen, diesen so eminent menschenfreundlich wirkenden Verein durch zahlreichen Beitritt als Mitglied. Gründer oder Stifter, durch Spenden und Legate zu unterstützen und so dessen edles Ziel zu fördern. Beitrittsanmeldungen, Spenden aller Art, sowohl an Bargeld wie auch an Xaturalien, werden in der Kanzlei des Vereines „Rekonvaleszentenheim Philantropia" in Wien, VJ1I/1. Langegasse 1, und im Heim, Wien, XIII. Lainzerstraße 172. dankbarst angenommen und im Rechenschaftsberichte ausgewiesen. Auch unsere Administration ist gerne bereit, Spenden für diesen Verein zu übernehmen und im Blatte zu veröffentlichen. Wien. (Fünfklassige Knaben-Volksschule mit OeffentlichkeitSTecht des Schulvereines „Talmud-Thora", Wien. II., Malzgasse 16.) Die Schüler-Einschreibungen für das Schuljahr 1909/10 finden am 12., 13. und 14. September von 8—12 Uhr vormittags im ersten Stocke des Schulhauses statt. Schüler der 1. Klasse brauchen: Geburts- und Impfschein; bisherige Schüler der Anstalt: die Schulnachriclit; solche aus anderen Schulen: die Schulnachriclit mit der Uebersiedlungsklausel. Für Kinder, die noch nicht volle sechs Jahre alt sind, ist die Altersdispens bei dem k. k. Bezirksschulrat, Sektion II, Karmelitergasse 9, einzuholen. * Wien. Im Vereine „B e t h Israel" (Polnische Schur) hat der Obmann Max K ose ufold seine Stelle niedergelegt. Herr Rosenfeld hat bereits im \ oijalue nach unseren Enthüllungen über seine Geld-Transaktionen mit klerikalen Organisationen resigniert, wurde jedoch zur Rücknahme der Resignation veranlaßt. * Wien. (»Sportklub Hakoah'). DieStatuten des jungen Vereines, der Mitte September seine konstituierende Versammlung abhält, sind bereits von der n -ö Statthalterei genehmigt. Die Mitglieder, meist junge, begeisterte Sportfreunde, erhoffen für den Saisonbeginn einen starken Zuwachs für ihren Klub und werden nach der Generalversammlung sich mit ihrem schönen Programm jüdischer Körperrenaissance an die OefFentlichkeit wenden. Eventuelle Anmeldungen, Anfragen, Zuschriften und Subventionen sind zu richten an Herrn S. Weinberger, Beamter, Wien, II. Rembrandtstraße 19. m> ftlLEN WEIXCCiLeN Ein interessanter Briefwechsel. Der „Deutsche Schulverein", in dessen Leitung neben einigen „Liberalen" — mit Respekt zu melden — zum größten Teil Antisemiten sitzen, ist seit jeher so nobel, die Gleichberechtigung des jüdischen Geldes mit dem nichljüdischen anzuerkennen. Mögen auch seine Leiter im Parlamente für die „lex Schmid" stimmen, für die „nationale Sache" pflegen sie doch gerne bei Juden zu „pumpen". Aber es scheint, daß die jüdischen „Würzen* doch rarer werden. Das beweist nachstehende Korrespondenz: Anläßlich der Sammlung für den „Rosegger-Wehrschatz" (zur Erhallung deutscher Schulen in den Grenzorten) wurde auch Herr Maximilian Paul-Schiff, der bekannte Schwiegersohn des verstorbenen Barons Königs warter, seitens des Deutschen Schul Vereines mit einem Schnorrbrief beehrt, der von mehreren antisemitischen Vereinen mitgefertigt war. Herr Paul-Schiff hat hierauf geantwortet, daß die Aufforderung an ihn irrtümlich ergangen sein dürfte, da er „ein Stammesgenosse Heinrich Heines" sei. DieLeitung des Deutschen Schulvereines richtete nun an Herrn Paul-Schiff das folgende charakteristische Schreiben: Deutscher Schul verein, I., Bräunerstraße 9, Tel.-Nr. 1919. ZI. K. 20709. Wien, 25. Juni 1909. Herrn Maximilian Paul-Schif f, Baden bei Wien. Mit einigem Befreimlen erhielten wir Ihr geschätztes Schreiben und glauben, daß Sie bei Abfassung Ihres Absage- Mhrciuens irrig berichtet waren. Daß alle Schiitzvereine unseren Roseggeraufruf unterfertigt haben, ist nur ein Beweis, daß zum Gelingen der Rosegger-Stiftung alle Deutsche ohne Unterschied der Parteiungen einträchtig zusammenwirken sollen. Kommen doch die Schulbauten an der Sprachgrenze allen Aelteren zugute, auch wenn sie, um mit Ihren Worten zu sagen, Stanunesgenossen Heinrich Heines sind. In der Hoffnung, daß Sie sich dieser Ansicht nicht verschließen werden, zeichnet Mit Gruß und Handschlag für den Deutschen Schulverein: Groß. Herr Paul-Schiff schloß den Briefwechsel mit folgender Entgegnung ab: Wien, am 29. Juni 1909. An das geehrte Präsidium des Deutschen Schulvereins! Wien, I., Bräunerstraße 9. Ich bestätige mit verbindlichem Danke den Empfang der ffeschätzten Zuschrift, ZI. K. 20709, ddo. 25. Juni d. J.

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