Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 19 (10.9.1909)
- Date
- 1909-09-10
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 19 Seite 5 b ycz, Tarnopol und Zo 1 kievv. Dem steht gegenüber die Zunahme der jüdischen Bevölkerung in den größeren Städten Westgalicns. Es beweist dies, daß die jüdische Emigration in den letzten Jahrzehnten in Ostgalizien stärker war. Die Arbeit des Dr. Kasznic wird hoffentlich auch in jüdischen Kreisen eine entsprechende Beachtung und Würdigung finden. fCORRgSPCNDCNZCN Oesterreich-Ungarn. Der Jahresbericht der israelitisch-theologischen Lehranstalt. Wien, im September. Dem 16. Jahresberichte der israelitisch-theologischen Lehranstalt entnehmen wir vorerst, weil an erster Stelle mitgeteilt, daß die Lemberger Kultusgemeinde im vergangenen Jahre dieser Anstalt „von neuem" 1000 K zugewendet und einen Delegierten, nämlich den Edlen Samuel von Horowitz, ins Kuratorium entsendet hat. Damit erscheint das Projekt eines Rabbiner-Seminars resp. eines theologischen Instituts in Lemberg endgültig begraben. Von der gesamten, polnisch-mosaischen" Intelligenz angestrebt, durch das Protektorat de sLandes-Ausschusses gefördert, konnte das Institut nicht zustande kommen, weil der Beizer Rabbi dagegen war. Statthalter Potocki stellte sich auf seine Seite, um den Preis des Mandates von Z ö l k i e w, und die „patriotische" Rabbiner-Fabrik wurde zu Wasser. Ob nicht auch die 50 000 K so zu Wasser wurden, die als Fonds für das Institut gesammelt waren. Man hört von diesem Gelde gar nichts. Die 50.000 K sind doch nicht am Ende in den Taschen eines patriotischen Moschko stecken geblieben! Das beharrliche Schweigen des Sammler- Konsortiunis ist hier wirklich auffällig. Wie aus dem Berichte ersichtlich wurde, an Stelle des Lektors Fried mann ein ehemaliger Hörer der Anstalt, Dr. Vigdor Aptowitzer, engagiert. Im letzten Jahre war die Anstalt von 28 Hörern besucht. Davon stammte aus dem Osten llJ : aus Galizien 12, aus der Bukowina 2, aus Rußland 3 und aus Rumänien 2. An der Spitze der Anstalt steht nach wie vor als Präsident Moriz von K u f f n e r und als Vize-Präsident Theodor von T a u s s i g. . . . * Der jüdische Wahlkataster. Czernowitz, 5. September (Orig.-Korr.). Mit dem jüdischen Wahlkataster wird es also Ernst. Der Referent des Permanenz-Ausschusses, Baron Hormuzaki, hat bereits im Sinne der gefaßten Beschlüsse den Entwurf einer neuen Landtags-Wahlordnung vorgelegt und darin eine Anzahl von Mandaten den Juden als einer Nationalität reserviert. So erhalten im Großgrundbesitze die Juden zwei Mandate von zehn; sonst aber erhalten die Juden zusammen mit den Deutschen fünfzehn Mandate und müssen sich untereinander über die Verteilung einigen. Im § 12 des Entwurfes erhalten die jüdischen Abgeordneten das Recht, einen jüdischen Landesausschuß-Beisitzer zu wählen. Die Frage des jüdischen Wahlkatasters hat in unserer Presse einen heftigen Kampf heraufbeschworen; speziell ein hiesiges Blatt, dessen Leiter noch Zionist sein soll, hat mit den altbackenen Phrasen des Assimilantentums dagegen angekämpft. Freilich ohne Erfolg. Der größte Teil der Juden in der Bukowina bekennt sich zur jüdischen Nationalität und verlangt den Kataster, der von hier über ganz Oesterreich seinen Weg machen wird. Der nationale Kataster in der Bukowina bedeutet allein schon für die österreichischen Juden ein Stück Lösung der Judenfrage. Deutsches Reich. Der nächste Zionisten-Kongress. Berlin. Der IX. Zionistenkongress wird in der Zeit vom 26. bis 31. Dezember in Hamburg abgebalten werden. Die hiesige „N. J. K.M veröffentlicht hiezu nachstehenden offiziösen Kommentar: „Dem IX. Zionistenkongress, der, wie bereits kurz gemeldet, für die letzte Dezemberwoche d. J. nach Hamburg einberufen wurde, scheint es bestimmt zu sein, eine neue Epoche der jüdischen Palästinabestrebungen einzuleiten. Bekanntlich bildete die administrative Miss wirtschaft der hamidischen Aera einen recht merklichen Hemmschuh aller kolonisatorischen Bestrebungen im heiligen Lande. Da nunmehr die Jungtürken mit seltener Tatkraft bemüht sind, mit den Rückständen des Absolutismus aufzuiäumen, kann sich einerseits das Kolonisationswerk selbst weit freier denn bisher entwickeln, andererseits wird die politische Seite der Frage in Hinblick auf die veränderte Situation einer Revision unterzogen werden müssen. Während man früher, da Sein oder Nichtsein Tausender vom launischen Willen eines Despoten abhing, auf eine völkerrechtliche Sicherung des Kolonisationswerkes bedacht sein mußte, braucht heute, wo eine freiheitliche Verfassung alle Gewähr für Leben und Sicherheit der ottomanischen Bürger gibt, naturgemäß von einer Garantie fremder Mächte nicht mehr die Rede zu sein. Der Kongreß wird dieser veränderten Lage voraussichtlich durch eindeutige Erklärungen Rechnung tragen. Daß die türkische Verwaltung weit davon entfernt ist, der jüdischen Einwanderung in Palästina Schwierigkeiten in den Weg zu legen, bewies erst jüngst ein Erlaß, der alle Formalitäten bei der Naturalisierung einwandernder Juden aufhob. Der Kongreß wird sich ferner mit der Frage zu befassen haben, wie die neuen Möglichkeiten rein kolonisatorischer Art aufs intensivste den Zwecken der Bewegung dienstbar gemacht werden können. Es kommt hier vor allem die Schaffung einer Agrarbank für die jüdischen Kleinbauern Palästinas in Frage, die in Anlehnung an die bereits recht segensreich wirkende Anglo-Palästina-Bank gedacht ist, ferner der weitere Ausbau der jüdischen Landgesellschaft, die vor kurzem ihre Tätigkeit eröffnet bat. Hier will man vielfach nach den bewährten Methoden der preußischen Ansiedelungskommission vorgehen. So werden die Verhandlungen, die vorraussichtlich eine große Anzahl jüdischer Kapazitäten aus allen Teilen der Welt zusammenführen werden, dem deutschen und vor allem weiten Kreisen des deutsch-jüdischen Publikums, die der Bewegung noch fernstehen, zum ersten Male Gelegenheit geben, diese eigenartigen und von durchaus modernem Geiste getragenen Bestrebungen durch Fühlungnahme mit ihrem offiziellen Vertretertag kennen zu lernen.' Unsere P. T. Abonnenten werden um die Begleichung der rückständigen Abonnements-Gebühr höflicht ersucht. Die Administration.