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Neue Nationalzeitung · 1909-09-10 · Heft 19 (10.9.1909) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 19 (10.9.1909)
Date
1909-09-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 „Neue Nationäl-Zeitung" Nr. 10 Reihe von Krankheiten sowie ihre geringere Kriminalität führt Hoppe auf ihre allseitig anerkannte Mäßigkeit in alkoholicis zurück; dieselbe stelle sieh dar „als eine durch unendlich zahlreiche Generationen hindurch geübte Gewohnheit wahrscheinlich religiösen Ursprungs, die schließlich zu einer Art inhärenter Eigenschaft, zu einem angeborenen Widerwillen gegen Unmäßigkeit geworden ist." Diese Rasseneigenschaft sei aber nicht untilgbar: ebenso wie sie durch Gewohnheit entstanden sei, könne sie durch allmähliche Gewöhnung an das Trinken wieder verloren gehen. In der wachsenden Assimilation, in der zunehmenden Anpassung an die allgemeinen Trinksitten fürchtet Hoppe die Gefahr, daß die Juden ihre biologischen und soziologischen Vorteile verlieren. Während in früheren Zeiten (noch vor wenigen Jahrzehnten) der Alkoholismus bei den Juden so gut wie gar nicht in Betracht kam (Pilcz), mehren sich die Anzeichen dafür, daß das verheerende Gift des Alkohols auch in die Kreise der jüdischen Familien sich Eingang verschafft hat. „Sind doch auch die Juden in den Trinkheilstätten," sagt Hoppe; »wenigstens in den vornehmeren durchaus keine Seltenheit mehr.' Von einer Immunität der Juden gegen den Alkohol kann heutzutage keine Rede mehr sein. Es muß zugegeben werden, daß die alkoholkranken Juden an Zahl weit hinter der nichtjüdischen Bevölkerung zurückstehen, immerhin ist es nicht unbedenklich, daß für die Genese psychischer Erkrankung bei den Juden ein Faktor hinzugekommen ist, den man bei ihnen früher nicht kannte, Während Engländer2) bei den erbärmlichen Lebensverhältnissen, in denen die Juden der östlichen Länder sich zur Zeit noch befinden, ihre Nüchernheit und Sittenreinheit als ein hohes Glück betrachtet, konnte Hoppe konstatieren, daß Syphilis und Alkoholismus bei den jüdischen Familien, welche längere Zeit in Amerika leben, entschieden in Zunahme begriffen sind. Es ist bezeichnend, daß von den jüdischen Kranken dieser Gruppe, die wir in der Frankfurter Anstalt zu beobachten Gelegenheit hatten, ein gut Teil aus den östlichen Ländern stammt. Wir ersehen aus den angeführten Tatsachen, daß mit dem Heraustreten aus den Mauern ghettoartiger Abgeschlossenheit, mit dem Aufgeben alter Gewohnheiten und Gebräuche und der Anteilnahme an den allgemeinen kulturellen Errungenschaften auch Gefahren für die Angehörigen jüdischer Rasse entstanden sind, die, obgleich bis jetzt gering, im Hinblick auf die schweren Schädigungen, die der Alkoholismus zeitigt, keineswegs unterschätzt werden sollten. Gerade bei der Neigung der Juden zu psychisch-nervösen Störungen muß man befürchten, daß der Alkoholmißbrauch für sie von folgenschwerer Bedeutung ist. Ganz abgesehen von dem schon erwähnten Verlust der biologischen und soziologischen Vorteile, von den Gefahren für den einzelnen, würde die vielgerühmte Innigkeit des Familienlebens, eine der hervorstechendsten Eigenschaften der jüdischen Rasse, sich mehr und mehr lockern. Glücklicherweise ist in den Abstinenzbestrebungen der Gegenwart und in der rührigen Teilnahme der Juden an denselben eine Bewegung im Gange, die die genannte Gefahr, vorerst wenigstens, in die Ferne rückt. Während wir in Frankfurt eine nennenswerte Zunahme des Alkoholismus bei den Juden nicht beobachten konnten, betrug der Prozentsatz der im Jahre 1905 in Dalldorf aufgenommenen jüdischen Alkoholisten 8-3. Bei den jüdischen Frauen kommt der Alkoholismus bis jetzt nur ganz vereinzelt vor. Hinsichtlich der klinischen Symptomatologie sahen wir keine Abweichung von der *) Engländer. Die auffallend häufigen Krankheitserscheinungen der jüdischen Rasse. Wien 1902. Umgebung. — Der Vollständigkeit halber verdient hier die Angabe von Pilcz Erwähnung, nach der Trenga bei den algerischen Juden in 17 6 Prozent seines Krankenmaterials schweren Alkoholismus feststellen konnte. Juden in den galizischen Gemeinde- Verwaltungen. (Von unserem Korrespondenten.) Lemberg, im September. Während von jüdischer Seite die statistischen Arbeiten vollkommen vernachlässigt werden, so daß wir bezüglich der Berufsverteilung und der sozialen Gruppierung der jüdischen Bevölkerung bloß auf die Arbeiten der statistischen Aemter angewiesen sind, schenkt das Statistische Landesamt gerade den Juden seine besondere Aufmerksamkeit. Es geschieht dies hauptsächlich zu dem Zwecke, damit sich die den Landesausschuß beherrschenden polnischen Parteien jeweilig über die eventuellen Fortschritte der Juden und Ruthenen auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete orientieren. Diesem Zwecke dient auch die im letzten Hefte der „Statistischen Nachrichten" erschienene Aufsatz „Die konfessionelle und berufliche Zusammensetzung der Gemeinderät efc von Dr. K a s z n i c. Der Umstand, daß in mehreren Gemeinderäten Galiziens Juden bald über eine Majorität, bald über eine namhafte Minorität verfügen, sowie daß es in einzelnen Städten sogar jüdische Bürgermeister gibt, scheint der herrschenden Klasse recht unbehaglich zu sein, und sie beeilt sich, die so errungene politische Macht der Juden vor das Licht der Oeffentlichkeit zu rücken. Die Resultate, zu denen Dr. Kasznic gelangt, sind wahrlich für die Polen nicht gefährlich und wenn diese Ziffern eine beredte Sprache führen, so ist es nur an die Adresse der Juden. Sie beweisen nämlich, daß die Juden in Galizien eine im Verhältnisse zu ihrer Zahl, ihrem Besitze und ihrer Intelligenz sehr geringe politische Macht besitzen und die Schuld daran trifft nur die Juden allein. In vielen Städten Galiziens hat die jüdische Majorität nicht den Mut, einen jüdischen Bürgermeister zu wählen und geschieht es auch hie und da, so fällt die Wahl leider zumeist auf den Führer einer korrupten, im Dienste des Bezirkshauptmannes stehenden, die Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung mißachtenden Clique. Dr. Kasznic gelangt zu folgenden Schlüssen: In vier galizischen Städten (Brody, Buczacz, Sambor und Stanislau), sowie in zwanzig Städtchen gibt es jüdische Bürgermeister. In folgenden Städten haben die Juden die Majorität, aber keinen jüdischen Bürgermeister: Rawa, Kalusz, Sanok, Gorlice und K o 1 o m e a. Die Juden besitzen in den Gemeinde-Repräsentationen weit weniger Mandate, als ihnen nach der Einwohnerzahl in den betreffenden Gemeinden zukommen; bei den Polen ist es umgekehrt. Dagegen ist im Laufe der letzten 35 Jahre die Zahl der polnischen Gemeinderäte zurückgegangen, die der jüdischen aber gewachsen. In den Stadträten (Magistraten) sind die Juden zum Vorteile der Polen in Westgalizien und der Ruthenen in Ostgalizien ebenfalls schwächer vertreten, als nach der Anzahl ihrer Gemeinderäte anzunehmen wäre. In zahlreichen Städten haben die Juden im Laufe der letzten 35 Jahre, seit dem Beginne der Gemeinde- Autonomie, die Majorität verloren: in Rzeszöw, Droho-

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