Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 19 (10.9.1909)
- Date
- 1909-09-10
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 dings kann Herr Dr. Stern nichts mehr tun, da drei Mitglieder seines Vorstandes selbst getaufte Kinder haben. Eine Sanierung dieser Verhältnisse kann daher nur die jüdische Gesellschaft selbst besorgen. Schauen wir uns diese getauften jüdischen Advokaten oder die nicht getauften advokatorischen Väter der getauften Kinder genau an und wir werden sehen, daß diese Leute trotz des Taufwassers in der christlichen Gesellschaft durchaus kein erhöhtes Ansehen oder einen leichteren Zutritt finden; ihre gesellschaftliche Position ändert sich keineswegs. Aber sie selbst geben merkwürdigerweise ihren jüdischen Verkehr nicht auf; aus Gewohnheit und auch aus — Geschäft pflegen sie ihn weiter. Sie haben bloß ihr Judentum AveggeAvorfen, den Dienstboten gegenüber sind sie ein „christliches Haus" und die Kinder schicken sie jetzt nur zum Katecheten. Ist nun die jüdische Gesellschaft diesen Renegaten gegenüber so wehrlos, wie der Kultusvorstand? Ich glaube nicht. Wir können einfach diese Individuen, die so leichtfertig das Judentum weggeAvorfen haben, aber sich noch gesellschaftlich an uns klammern, auch aus unserer M i 11 e hinauswerfen. Wer jede Verbindung mit dem Judentum durch die Taufe abgeschnitten hat, der hat mit uns nichts gemein. Kommt ein solcher Mann in unseren Familienkreis, so dürfen wir ihn nicht empfangen, ja selbst die Hand dürfen Avir ihm nicht reichen. Die Renegaten haben in unserer Mitte nichts zu suchen. Sie haben mit uns nicht bloß kein jus connubii, sondern auch kein commereii. Ich kenne Beispiele von charakterfesten Männern, es sind darunter auch jüdische Advokaten, die in dieser Weise ihr Benehmen gegenüber getauften Kollegen eingerichtet haben. Diese individuelle Behandlung müßte zu einer gesellschaftlichen Regel werden, zu einem Boykott. Dann Avird es sich Avohl hoffentlich nicht mehr ereignen, daß der Präsident des zionistischen Aktionskomitees einen Advokaten, der nach Ungarn gereist ist, um dort :-einen unmündigen Sohn taufen zu lassen — in Oesterreich ist dies nicht zulässig — als intimsten juristischen Berater zuzieht, oder daß sich ein zionistischer Führer mit einem getauften Advokaten assoziiert. Wer aus dem Judentum austritt, der hat damit auch alle Bande zAvischen sich und dem Judentum gelöst. Er hat den Ast abgesägt, auf dem er sitzt. Das muß als Grundsatz gelten im Interesse unserer Würde und Selbstachtung. Und nun mögen sie sieh nur taufen, die Advokaten und anderen Streber und Glücksritter, das Judentum verliert dadurch nichts. Es gewinnt vielmehr noch an innerer Festigkeit; es läutert sieh von all den unsicheren, unklaren Elementen, die ihm wie Blei anhaften und es auf Abwege zerren. Man würde zwar glauben, daß Advokaten, die Kämpfer für Recht und Gesetz, in erster Linie berufen Avären, in dem schAveren Kampfe des jüdischen Volkes für seine politische Gleichheit und seine Avirtschaftliche Existenz, an der Spitze zu schreiten Die hervorragendsten Männer der modernen jüdischen Geschichte, deren ganzen Lebensinhalt der Kampf gegen die Unterdrückung der Juden ausgefüllt hat, waren A 11 av ä 1 t e : John S i m o n (England), Adolphe Gremieux (Frankreich), Gabriel R i e s s e r (Deutschland) u. s. av. In Oesterreich Avar es immer anders. Da kämpften die jüdischen Advokaten für den - Liberalismus und verteidigten Avie Don Quixotes die — Verfassung, so lange sie von niemandem bekämpft Avurde. Das jüdische Volk hatte Aveder Organisation noch Führer. Selbst die Advokaten, die an der Spitze der Kultusgemeinden standen, fühlten sich zuerst als Liberale, dann als Verfassungstreue und schließlich als — Israeliten. In diesem Geiste erzogen sie den NachavucIis, der sich jetzt tauft, nachdem der Liberalismus zusammengebi ochen ist. Herr Dr. Stern und Genossen haben am aller- Avenigsten das Recht, die getauften Advokaten an den Pranger zu stellen. Dr. Max Sichel: Die Geistesstörungen bei den juden;::) Angeborener Schwachsinn. Das Kontingent, das die Juden zur Krankheitsgruppe des angeborenen Selnvachsinns steilen, ist ein auffallend ho h e s. In der Frankfurter Irrenanstalt, in Avelcher schwerere Formen von Idiotie und EntAvicklungshemmung nur vorübergehend Aufnahme finden, zählten wir in den Jahren 1906/07 unter 112 hieher gehörigen Kranken allein 15 ( 134 Proz.) Juden. Allgemein wird die zahlenmäßig hohe Beteiligung der Juden an der Idiotie hervorgehoben. Vielleicht erklärt sich diese Erscheinung aus der Tatsache, daß die Geburtenziffer bei den westeuropäischen Juden in den letzten Jahrzehnten außerordentlich abgenommen hat, daß die jüdische Bevölkerung viel weniger Kinder enthält, daß somit die psychischen Erkrankungen im Kindesalter für das Ergebnis der Statistik viel sc-luverer in die Wagschale fallen. Eine seltene Form, die auf einer angeborenen Entartung des Nervensystems beruht, und in der Regel in Avenigen Jahren tödlich verläuft, die .sogenannte familiäre amaurotische Idiotie, scheint fast ausschließlich Kindel' jüdischer Abstammung heimzusuchen. Nach Hoppe sind bisher über 70 Fälle in «55 Familien berichtet Avordeu und alle mit einer einzigen Ausnahme Avaren Juden. Abgesehen von diesen schweren Zuständen kommen alle möglichen Uebeigänge vor, vom assoziativen Schwachsinn bis zur einlachen Beschränktheit. Leichteren Graden von Imbezillität begegnet man in den Hilfsschulen: die jüdischen Zöglinge dieser Institute haben nach unseren Erfahrungen das Gemeinsame, daß sie fast ausnahmslos aus schwer belasteten Familien stammen und großenteils körperliche Degenerationszeichen aufweisen. In Anstalten kommen solche Kranke, soAveit sie intellektuell minderwertig sind, meist erst nach dem schulpflichtigen Alter. Avenn die Versuche, sie einem Berufe oder einer geordneten Lebensweise zuzuführen, fehlgeschlagen sind. Dieser Krankheitsgruppe in erster Linie verdankt die jüdische Kriminalstatistik einen guten Teil ihres Wertes. Wenn Avir den Begnff der Moral insanity durch einen unwiderstehlichen Trieb zu unmoralischen, unsozialen Handlungen, deren Täter sich nicht in die bestehende Ordnung fügen können und fortgesetzt mit ihrer Umgebung und der Rechtspflege in Konflikt geraten, hinreichend charakterisiert halten, so können Avir sagen, daß die jüdischen Kranken *) Unter obgem Titel ist jungst „Eine klinisch-historische Studie* von Dr. Max IS i c Ii e 1 bei M. W. Kaufmann in Leipzig erschienen, welche das höchst aktuelle Thema sehr gründlich und wissenschaftlich behandelt. Der Verfasser knüpft allerdings vielfach an ältere Arbeiten an, darunter an die grundlegende Arbeit des Wiener Privat-Dozenten Dr Alexander Pilcz „Die Geistesstörungen bei Juden14, doch gelangt er auch vielfach zu selbstständigen Resultaten auf Grund eigener Forschungen in der Frankfurter städtischen Irrenanstalt. Wir bringen daher einige wichtige Kapitel zur Veröffentlichung. (Anm. d. Red.)