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Neue Nationalzeitung · 1909-09-10 · Heft 19 (10.9.1909) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 19 (10.9.1909)
Date
1909-09-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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NSUS WCiONftL-ZBCUNG XI. JAHRGANG. WIEN, 10. SEPTEMBER 1909. Nr. 19. An unsere P. T. Abonnenten! Die nächste Nummer unseres Blattes wird am 24. d. M. (Freitag) zur Ausgabe gelangen und wegen der hohen Feiertage als FESTNUMMER mit reicherem Inhalte und in grösserem Umfange erscheinen. Diese nächste Nummer wird auch zum ersten Male die von uns neu eröffnete Rubrik „Die jüdische Emigration" enthalten. Unter der redaktionellen Leitung des bekannten Schriftstellers und langjährigen Chefredakteurs des „Jüdischen Volksblattes", Dr. Leo Sofer, werden hier einmal monatlich sämtliche Erscheinungen des jüdischen Emigrationswesens, dieser gegenwärtig für das gesamte Judentum vitalsten Frage, eingehend gewürdigt und übersichtlich dargestellt werden. Wir bitten sowohl unsere Abonnenten als auch die gesamte jüdische Oeffentlichkeit, dieser Rubrik die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Die Redaktion. Die Taufen dei* Wiener fldtfokaten. Gesellschaftlicher Boykott! Wer die Liste der Ausgetretenen fleißig liest, dem wird es besonders aufgefallen sein, daß Wiener Advokaten in unverhältnismäßig großer Zahl aus dem Jude nt u m austreten, um entweder sich selbst und ihre Familie oder bloß ihre Kinder taufen zu lassen. Wir finden allmonatlich in der Austrittsliste einige Exemplare, bei denen man sich eigentlich verwundert fragen muß: Wozu haben es diese Leute nötig? Es handelt sich eben in den meisten Fällen um nichts anderes, als um die letzte Etappe des Assimilantentums. um die vollständige Anpassung an die Umgebung. Es bindet diese Herren gar nichts an das Judentum: konfessionell ist der Mann ungläubig, national ist er ein „Deutscher" oder tut wenigstens so. Innerlich ist er hohl; es fehlt ihm trotz der absolvierten Jura die Charakterbildung. Er hat also an sich selbst keinen Halt, er will etwas mehr sein, als ein jüdischer Advokat — so tauft er sich. Die köstlichsten Exemplare sind wohl diejenigen, die selbst Juden bleiben und sogar ihren Ehrgeiz daran setzen, im Judentum noch eine Rolle zu spielen, daher bloß — ihre Söhne taufen lassen. Hieher gehört Dr. V. R., der mit Vorliebe die Versammlungen der „Union" besucht und dort „Sch'maIsrael" schreit; oder ein jüngst verstorbener sehr bekannter Verteidiger, der als Wortführer einer speziell jüdischen Aktion auftrat. Sehr auffallend ist auch dio in der letzten Zeit erfolgte Taufe eines jungen, sehr reichen Advokaten samt Gattin, deren Bruder durch mehrere Jahre in der zionistischen Partei das große Wort führte. Unsere offiziellen Kreise und ihre Organe sehen diesen Massentaufen, die sich zu einer speziellen Wiener Judenkrankheit herausbilden, passiv zu; Herr Präsident Dr. Stern glaubt schon alles getan zu haben, indem er jüngst seinen beiden Organen den Auftrag erteilte, ähnlich wie es dieses Blatt seit zehn Jahren bereits tut, die Liste der Ausgetretenen zu veröffentlichen. Aller-

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