Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 18 (27.8.1909)
- Date
- 1909-08-27
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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,,Neue National-Zeitung" Nr. 18 Seite 8 „Das alte Wiener Ghetto". Geehrte Redaktion! Der Herr Verfasser des in Nr. 17 enthaltenen Aufsatzes „Das alte Wiener Ghetto*, der aut Se.te 3, 14. Zeile von oben, eine Krankheit „Scherbakh* aU unbekannt bezeichnet, wird vielleicht mit Interesse vernehmen, daß dieses Wort „Scharbock", heute gewöhnlich „Scorbuf genannt, zu bedeuten haben wird. Bekanntlich tritt diese Krankheit zur Zeit im hohen Norden auf, auch auf Schiffen langer Fahrt bei teilendem frischen Fleisch. Aussee, 17. August 1909. Mit aller Achtung Theodor Cohn. GgMeiNbg=uN» VSRCiNSNGiRRiUWW Wien (I Wiener isr. humanitärer Heirat s- Ausstattungs-Verein) Anläßlich des Gel urtstages Seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. fand am 22. d. M. im Tempel, II. Tempelgasse, die Trauung eines Waisenmädchens statt, welche der I. Wiener isr. human täre Hdrats-Ausstattungs-Verein veranstaltete. Den Trauungsakt vollzog im Beisein eines zahlreichen Publikums Sr. Ew. Herr Rabbiner Dr. G e 1 h h a u s. Hierauf überreichte der Präsident des Vereines Herr Oskar Rubin dem Brautpaare eine Unterstützung von K 200 — als Hochzeilsgeschenk. >m AUgN wClÄttilM Ein Weltemigrationskongress. in verschiedenen russisch-jüdischen Zeitungen sind in der letzten Zeit Notizen und Artikel über einen behufs Regelung der gesamten jüdischen Emigration abzuhaltenden Weltkongreß erschienen. Wie wir erfahren, wird die Kongreßidee in hiesigen „Ito"-Kreisen seit zirka einem Jahre ventiliert und zwar über Anregung der New-Yorker Emigrationsgesellschaft. Greifbare Form hat diese Idee allerdings noch nicht angenommen. Ein neuer Verdienst für Theodor v. Taussig. Die Berliner „Post" schreibt: „Während der Monarchenbegegnung in C o w e s wurde auch die Judenfrage in Rußland besprochen. In Londoner politischen Kreisen wird versichert, daß die Judenfrage in Rußland demnächst in einem den russischen Juden günstigen Sinne gelöst werden würde. (?) Derartige nicht mehr ganz neue Meldungen pflegen dann aufzutauchen, wenn auf dem ausländischen Markte Stimmung gemacht werden soll. Die Anleihen pflegen zustande zu kommen, aber die Israeliten in Rußland haben das Nachsehen." Ganz richtig. Das wird aber Herrn Theodor v. Taussig nicht genieren, neuerlich dem Protektor der Pogrommörder eine Anleihe zu vermitleln. Wie lautet doch die Devise des ihm verliehenen Stanislaus - Ordens: „Praemiando incitat", d. h.: Der Czar zahlt seine Leute. Der Verband der Deutschen Juden wird seine diesjährige dritte Hauptversammlung in Breslau halten, und zwar am 17. Okiober. Am 16. Oktober soll ein Empfang und eine Vorbesprechung stattßnden. Auf der Hauptversammlung, die öffentlich im großen (für zirka 1800 Personen eingerichteten) Saal des Konzerthauses tagen wird, werden folgende Vorträge gehalten werden: Von Herrn Rabbiner Dr. G u t tm a n n, Breslau: „Die Idee der Versöhnung im Judentum". Von Herrn Justizrat B r e s 1 a u e r, Berlin: „Die Abwanderung der Juden aus der Provinz Posen". Von Herrn Abg. Justizrat Wolff, Lissa: „Die Juden der Ostmarken; was haben sie dem preußischen Staate und was hat er ihnen geleistet?" Seminar-Direktor Moses Bloch — gestorben. Hochbetagt ist der königliche Rat und langjährige Direktor des Budapescer Rabbiner-Seminars, Moses Bloch, gestorben. Er war im Jahre 1805 in Reesperg als Sproß einer Rabbiner-Familie geboren. Sein Großvater mütterlicherseits war kein Geringerer, als R. E I e a s a r T r i e s c h. Sein Lehrer war der fromme R. Falk S c h w i n a, sein berühmter Onkel R. Binjamin Wolf. Nachdem er als achtzehnjähriger Jüngling vom Schaare Tauro seine Hattara erhalten, begab er sich nach Prag, wo ihn Salomon Jehuda Löh Rapaport aus eigenem Antrieb eine Hallara gab, was bei den strengen Prinzipien Rapaporl's viel btdeudete. In Png betrieb er auch fleißig philosophische und mathematische Studien, welche er als Lehrer dann später oft verwertete. Als Vierundzwanzigjähriger wurde er Nachfolger des berühmten R. Daniel Frank im Rabbinate zu W o 11 i t z, wo er zwölf Jahre hindurch amtierte. Sein nächstes Rabbinat war die Gemeinde Herman-Mestec, wo er Nachfolger des R. Samuel Brod wurde. Im Jahre 1855 berief ihn die altehrwürdig'} Gemeinde Leipnik als Nachfolger des R. Schelomoh Quetsch. Einundzwanzig Arbeitsjahre verbrachte Bloch hier, unermüdlich lehrend und lernend. Im Jahre 1877 übernahm Bloch die Stelle eines Talmud-Professors in der neuerrichteten Landes-Rabbinerschule zu Budapest. Neben einer umfangreichen Lehrtätigkeit fand er stets Muße, sich auch literarisch zu betätigen. Sein Hauptwerk (Wien 1879, Brünn 1884. Krakau 1894, Budapest 1900, 1902 und 1906) behandelt die Institutionen des Judentums nach der in den talmudischen Quellen angegebenen geschichtlichen Reihenfolge. Bahnbrechend war seine wissenschaftliche Tätigkeit auf dem Gebiete der jüdischen Rechtswissenschaft. Von seinen Arbeiten erwähnen wir: „Das mosaisch-talmudische Polizeirecht" (Budapest 1879, englisch erschienen in Cincinatti 1880), „Die Civilprozeß-Ordnung nach mosaisch - rabbinischem Rechte" (Bp. 1882). „Das mosaisch-talmudische Erbrecht" (1890), „Der Vertrag nach mosaisch-talmudischem Recht" (1893), „Das talmudischmosaische Strafgerichtsverfahren" (1901), „Die Vormundschaft nach mosaisch-talmudischem Rechte" (1904). Das Grab Sabbatais Zewis. Wie die neuesten historischen Forschungen ergeben, ist der Pseudo-Messias Sabbatai Zewi am 17. September 1676 in Delcigno (einem montenegrischen Küstenorte) gestorben. Es werden nun seit einem Jahre von Sarajewo aus sehr eifrige Forschungen nach dem Grabe des Pseudo¬ Messias gepflogen. Dieselben wurden zwar durch die jüngsten Wirren am Balkan gestört, doch dürften sie, wie das „Sarajewoer Tagblatt" berichtet, nunmehr wieder aufgenommen worden. Die Schriftsteller Ch. Weizner und H. Wagner lassen die Angelegenheit jedenfalls nicht aus den Augen. Grundsteinlegung des Hebräischen Gymnasiums in Jaffa. Am 28. Juli faid in Jaffa die Feier der Grundsteinlegung des neuen hebräischen Gymnasiums statt. Das vom Nationalfonds für das neue Gebäude erworbene Grundstück bildet einen der schönsten, höchslgelegenen Plätze des neuen jüdischen Stadtviertels und gewährt einen wunderschönen Ausblick auf das weite blaue Meer, die Berge Judas, den malerischen alten Jaffaer Stadthügel und die immer-