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Neue Nationalzeitung · 1909-08-27 · Heft 18 (27.8.1909) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 18 (27.8.1909)
Date
1909-08-27
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18 Seite 7 Entwurf einer Landtagswahlordnung für die Bukowina von dem zu diesem Zwecke eingesetzten Permanenzausschu?se ausgearbeitet werden und die sich sonst befehdenden Nationen haben sich in demselben auf Einführung des nationalen Katasters im Prinzipe geeinigt. Für das Zustandekommen der Einigung im Permanenzausschusse soll das feste Zusammenhalten von Ruthenen und Juden, denen sich die Deutschen in dieser Frage anschlössen, maßgebend gewesen sein. Die Rulhenen scheinen in die ihnen seinerzeit von Aurel Onciul gewährleistete Parität mit den Rumänen nicht viel Vertrauen gesetzt zu haben und die Juden kannten zur Genüge die legislatorische Rache, die ihr ehemaliger Bundesgenosse Onciul an ihnen zu nehmen begonnen, um in eine trügerische territoriale Abgrenzung nationaler Wahlkreise nicht mehr einzuwilligen. Bei den eigenartigen Siedlungsverhältnissen des Kronlandes Bukowina ist es überhaupt ein Ding der Unmöglichkeit, eine alle Nationen gleichmäßig berücksichtigende nationale Wahlkreisabgrenzung herauszutüfleln. Und so einigte man sich auf den nationalen Kataster, wie ihn bereits die mährische Landtagswahlordnung vorgesehen hat. Rumänen, Ruthenen, Deutsche und Polen sollen in selbstständigen Kurien wählen. Als Novum kam hinzu, daß im Prinzipe die Geneigtheit ausgesprochen wurde, auch den Juden den selbständigennationalen Kataster zuzuerkennen. Bei dem Umstände, daß in der Bukowina die nationale Scheidung zwischen Juden und Deutschen, bis auf einige Unverbesserliche, „denen kein Hinauswurf ihr Deutschtum rauben kann," vollständig durchgeführt ist, war es klar, daß bei beiden Nationen der Wunsch nach dem s< lbstständigen Kataster laut werden wird und herrschte diesbezüglich vollste Uebereinstimmung. Bloß über die Zahl der Mandate soll noch gefeilscht werden. Die 60.000 Deutschen beanspruchen mehr Mandate, als sie 100.000 Juden zukommen. Doch dies ist von untergeordneter Bedeutung gegenüber der Hauptsache: dem jüdischen Kataster, der nicht unbestritten ist — bei einigen Juden. Bevor nämlich noch der Entwurf des Referenten des Permanenzausschusses das Licht der Welt erblickt hat, ist die Frage aufgeworfen worden und zwar zumeist von Juden: ob die Juden eine Nation sind. Die alten fadenscheinigen Argumente werden wieder herbeigezogen und mit diesen soll der jüdische Kataster in der Bukowina umgebracht werden. Die Juden sollen in gleicher Weise wie in Mähren, wo sie von den Deutschen unter Androhung von gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Boykott in den deutschen Kataster, von denTschechen in den tschechischen Kataster gelockt werden, dennationalenVerhetzungen in der Bukowina ausgesetzt sein! Eine solche Volkspolitik zu billigen, wird gewiß keinem aufrichtigen, die Interessen seines Volkes wahrnehmenden Juden einfallen. Und die Existenz einer jüdischen Nation im Jahre 1909 noch nachweisen zu müssen, und Juden gegenüber, ist überflüssig. Selbst diejenigen, die noch an der Regierung festhalten, sind nicht in der Lage, ihren Standpunkt hierzulande länger zu vertreten. Und so greift man zu einem Ireffsicheren Mittelchen. Es wird behauptet, die Hausjuden des Polenklubs und ihre jüdisch-deutschen Kollegen samt deren Anhang, die Auchjuden des Wiener Kaiviertels, werden den jüdischen Kataster in der Bukowina, welcher auf die anderen Kronländer in einer für die Assimilationsjuden recht unangenehmen Weise rückwirken könnte, zu Fall bringen, indem sie bei der Zentralregierung die Sanktionierung einer Wahlordnung, die eine jüdische Kurie vorsieht, verhindern. Die Bukowinaer Juden sollen also durch ihre galizischen und niederösterreiebischen Glaubensgenossen politisch umgebracht werden. Dieser teuflische Plan wird wohl schwerlich gelingen, wenn die jüdischen Abgeordneten der Bukowina, von ihren Landtagskollegen nachdrücklichst unterstützt, ihren Standpunkt der Regierung gegenüber energisch vertreten werden. Wie dem auch sei, es scheinen im Geheimen wühlende Kräfte, die sich der jüdischen Mitarbeit hiezu fleißigbedienen, damit ernstlich beschäftigt zu sein, den Juden ihr Rocht auf einen Kataster, das ihnen auch die anderen Nationen zuerkennen, unter dem Vorwande, die Juden seien in Oesterreich als Nation noch nicht anerkannt, zu rauben. Bedauerlich ist dabei nur, daß auch nationale Juden aus übertriebener Aengstlichkeit — durch die jüdische Kurie könnten die alten Ghettomauern wieder aufgerichtet werden — in das Horn der Feinde des eigenen Volkes blasen. Die Juden sollen also gleich den Lippowenern und den Ungarn in der Bukowina unberücksichtigt bleiben, während jede andere Nation des Landes sich ihres Katasters ertreuen wird! Die Folgen einer Agitation, die die Juden der Bukowina in den deutschen Kataster zwängen, die anderen Nationen wieder zu Drohungen und Verlockungen der jüdischen Wähler für den rumänischen oder ruthenischen Kataster veranlassen wird, werden derart sein, daß vor ihnen nicht genug gewarnt werden kann. Es wäre deshalb dringend geboten, wenn alle Juden der Bukowina sich der Wichtigkeit des Augenblickes bewußt werden und die Forderung nach dem nationalen Kataster in gleich energischer Weise wie die anderen Nationen vertreten. Eine Landtagswahlordnung für die Bukowina, welche den nationalen Kataster enthält und den Juden einen solchen nicht gewährt, bedeutet den politischen Tod der Juden im Lande. SPRECHS/IdL. Ritter von 3Ioysa als Abgeordneter. G vehrte Ke da k t i on! Z a 1 e s z c z y k i, Mitte August. Wie wüteten im Jahre 1907 anläßlich der Reichsratswahl im 32. Wahlkreise herum die Moschkojuden mit Hilfe der Behörden! In der gemeinsten Art wurde denunziert, Häuser wurden demoliert. Existenzen ruiniert. Familienleben zerstört, Bürger eingesperrt, Geldstrafen bemessen und die mindeste Kleinigkeit sofort von den Behörden aufgegriffen. Alles nur zu dem Zwecke, damit Herr von Mo y s a kontra Dr. Birnbaum zinn Abgeordneten dieses Kreises gewählt werde. Jetzt endlich nach zwei Jahren erstattet Moysa seinen Rechenschaftsbericht. Was erzählt nun der alte Herr. Er schwätzt über den Krieg mit Serbien, über die Revolution in der Türkei u. dgl. Er erzählt aber nichts von seiner parlamentarischen Tätigkeit. Auf die Anfrage eines Wählers, namens A. G o t t f r i e d. was er als Abgeordneter geleistet hat. erwidert der Herr ..Volksvertreter": ..Ich habe nichts genommen, habe auch nichts zu geben. Meine Gesundheit ist irosehwächt und die kann ich nicht opfern. Hin ich docJi Familienvater und habe auch andere Sorgen am Kopfe." Wert war's, wie Barbaren zu hausen, meine Herren Moschkos. um solche Berichte seitens des ..gemachten" Abgeordneten zu bekommen. Angenagelt muß noch ein Zwischenruf werden. Wählend der Anfrage des Herrn Gottfried über die Resolution Schrnid machte Bürgermeister Blutreich, ein seltenes Exemplar von einem Moschko. die Zwischenbemerkung: „Geherfs nach Palästina" Wie geistreich?! M. S.

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