Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 17 (13.8.1909)
- Date
- 1909-08-13
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 ,Neue National-Zeitung" Nr. 17 „Bewahre, Hebräer, wie ein Kleinod der Väter Sprache, An deinen Kindern zeige sich ihr Prachtgewand! Nicht wirst du sterben, wenn sie dich bewahrt, Nicht verarmst du, wenn in deiner Hand bleibt ihr Schatz. Ihre heiligen Bücher, dir waren sie Mauern, Duich Jahrtausende dein Ergötzen; In deinen Träumen erschien dir ihre Herrlichkeit — Du bist erwacht, sie sei nun und bleibe deine Freude! Möchte doch unsere bescheidene Besprechung bewirken, daß diese Sammlung neuhebräischer Dichtungen weiteste, allerweiteste Verbreitung fände! Dr. M. Grünfeld. Zeitschriften-Rundschau. Die jüdischen Arbeiter in London. Vor zehn Jahren hat es in der englischen Publizistik eine sehr heftige Debatte gegeben, ob die jüdische Einwanderung nach England wünschenswert sei. Die Gewerkschaftskongresse haben in den Streit der Meinungen eingegriffen und haben sich gegen die Einwanderung ausgesprochen, weil die Juden angeblich die Löhne unterbieten und die englische Industrie schädigen. Da hat nun ein jüdischer Schneidergehilfe, John D y c h e, in einer großen .Revue das Gegenteil bewiesen. Seine Ausführungen bezogen sich hauptsächlich auf die Kleiderkonfektion, und Dyclie wies nach, daß England seinen großen Kleiderexport und die englischen Arbeiter ihre billigen Kleider nur den jüdischen Einwanderern zu verdanken haben. Seitdem ist es in den englischen Blättern ruhiger geworden; allerdings hat aber auch die Regierung strenge Vorschriften wider die Einwanderung erlassen. Ist auch das Thema nicht mehr so aktuell, so verdienen dennoch die Daten, welche N. W. G o 1 d s t e i n im Augusthefte der „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden" über „Die Bedeutung des jüdischen Proletariats für die englische Industrie" veröffentlicht, unsere Aufmerksamkeit. Besonders sind es die Daten über die jüdischen Schuhmacher und Zigarette n-A rbeiter; diese Daten sind zwar nicht ganz neu, aber sie wurden hier zum erstenmal übersichtlich behandelt. Goldstein schildert den Stand dieser Berufe folgendermaßen: „Eine weitere Industrie, in welcher das jüdische Proletariat sich besonders betätigt, ist die Schuhmacherei. Im Gegensatz zu der Schneiderei, wo der Einfluß der jüdischen Arbeiter ganz entschieden progressiv war, wo sie die Arbeitsmittel und Arbeitsmethoden von niederen Formen in höhere umwandelten, ist die Polle desselben in der Schuhmacherei in gewissem Sinne regressiv gewesen — indem sie von höheren Formen zu niederen übergingen. Während nämlich durch das Eindringen der Juden in die Schneiderindustrie das Handwerk sich in Manufaktur umwandelte, wandelte sich umgekehrt in der Schuhmacherei infolge Eindringens jüdischer Arbeiter die Fabriksarbeit in die handwerksmäßig e. Die Schuhmacherei in England hatte lange vor der jüdischen Einwanderung den Charakter der mechanischen Produktion angenommen und die großen Schuhfabriken in Leicester, Northampton, Chesham und auch London waren es, die den Scln-hbedarf zum größten Teile deckten. Die neueingewanderten jüdischen Arbeiter haben nur kleine Werkstätten errichtet, in denen die Handarbeit die Hauptrolle im Arbeitsprozesse spielt. Nur die billigsten Arten von Schuhen werden in diesen Werkstätten hergestellt. Eine ganz andere Rolle als in den beiden eben genannten Industrien spielt die jüdische Arbeitskraft in einer dritten Industrie, nämlich in der Z i g a r c t t e n - P r o d u kt i o n. Hier gelangte das jüdische Proletariat z u r f ü h r e nd e n Rolle nicht infolge neuer Tendenzen und neuer Formen, die os mitbrachte, sondern weil es den Grund für dies»? Industrie legte, weil es bahnbrechend wirkte. Noch im Jahre 1882 war die Konsumtion und noch mehr die Produktion von Zigaretten in Großbritannien verschwindend gering. Außerdem waren die Eingewanderten die Hauptabnehmer vom Zigaretten, und das große englische Publikum trat als Konsument gar nicht hervor. Die Nachfrage wurde zumeist durch Import aus Mexiko, Belgien und Deutschland befriedigt. Zum Teil sind auch einige ga/nz unbedeutende Fabriken in Schottland minder Herstellung von Zigaretten beschäftigt gewesen. Mit der Zunahme aber der jüdischen Einwanderung sind zwei elementare Faktoren der Produktion, nämlich Konsumtion und Arbeitskraft, wirksam geworden. Da die Juden in ganz hervorragendem Maße als Konsumenten von Zigaretten'auftraten und zum Teil schon in ihrer alten Heimat Zigaretten produzierten, so bildeten sie d-ie Grundlagen -dieser Industrie für England. Sie waren es, die die Zigarette in England gewissermaßen einführten und ihr dort das Bürgerrecht vorschafften: sie waren es aber auch, die den so neuentstandenen Bedürfnissen durch ihre Produktionskraft nachgekommen sind. Die Juden haben sieh hiedun-h alter nicht nur ein großes Verdienst um die englische Volkswirtschaft erworben, sondern auch u in d a s britische P r o 1 e t a r i a t. Tausende von englischen Arbeitern sind später in diese Industrie eingezogen und haben sich dadurch eine Lebensexistenz errungen: vor all'Mii eine große Zahl von schottischen Fra,u<en. die direkt von Juden an die Arbeit herangezogen wurden. So ist die Zigarettenindiistrie durch die jüdische Einwanderung zu einem wichtigen Faktor in der englischen Wirtschaft, zu einer bedeutenden Quelle von Arbeit, Gewinn. Profit und Steuern geworden." Das Ifldlsdie Massenelend in Golizien bildet den Gegenstand der Mitte September in Lemberg stattfindenden Enquete des galiz. Londesoussehusses. Auf dieses Thema wurde zuerst die öffentliche Aufmerksamkeit im Jahre 1898 durch die Broschüre Unter judischen Proletariern von S. R. Landau gelenkt. Diese Broschüre ist um den Betrag von 1 K 20, resp. für unsere Abonnenlen um 70 h (inklusive Porto) von der Administration der „Neue National-Zeitung44 Wien, I. Bezirk, Zelinkagasse Nr. 11 zu beziehen. werden. Der Betrag kann auch in Postmarken eingesendet Hochfeines natürliches Tafelwasser Klösterle _ Natürlicher Sauerbrunn Lirhion-Quelle. von Klösterle bei Karlsbad. — Ueberall zu haben. Niederlage: Wien, I., Sonnenfelsgasse 4.