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Neue Nationalzeitung · 1909-08-13 · Heft 17 (13.8.1909) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 17 (13.8.1909)
Date
1909-08-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 17 „Neue National-Zeitung" Seite 5 sind 24 jetzt Handwerksmeister, 49 arbeilen als Gesellen. Unter den 24 Meistern sind: 1 Juwelier, 3 Kunsttischler, 1 Elek nker, 2 Schmiede, 1 Uhrmacher, 1 Marmorschneider, 1 Tischler, 2 Wagenlackierer, 4 Bleiarbeiter, 1 Holzbildhauer, 1 Sattler, 1 Tapezierer, 1 Böttcher, 1 Drechsler. Sie verdienen täglich zwischen 8 und 12 Francs. Die 40 Gesellen verteilen sich wie folgt: 2 Juweliere, 6 Kummetmacher, 1 Stellmacher, 3 Kunsttischler, 9 Maler, 4 Bleiarbeiter, 1 Buchbinder, 1 Holzbildhauer, 2 Sattler, 6 Tapezierer, 1 Böttcher, 1 Drechsler, deren Tagelohn sich zwischen 2.50 bis (>.50 (im Durchschnitt 3.70) Francs bewegt. Mit einem Aufwand von G13 Francs ist also je ein Mann dem Elend entrissen, ihm ein ehrenwerter Erwerb und die Möglichkeit gegeben, mit Einsicht und Fleiß zum Wohlstand zu gelangen. Mit dem Anwachsen des Lehrlingswerks wird übrigens die Ausgabe dafür geringer. Denn wir können jetzt sorgsamere Auswahl treffen, so daß die Zahl der Abfälligen kleiner wird. Außerdem sind wir jetzt in der Lage, unsere Schützlinge bei den früheren Lehrlingen unterzubringen, die mittlerweile Meister geworden sind, so daß wir den Eltern nichts mehr zu zahlen brauchen. Alljährlich verlassen 250—300 Kinder unsere Knabenschule. Die Banken, die kaufmännischen Geschäfte, die Bureaus aller Art sind bereits mit schlecht bezahlten Angestellten überfüllt. Der tunesische Handel kann unseren zumeist aus armen Familien und demgemäß nicht mit Kapital versehenen jungen Leuten keine Zuflucht bieten. Dagegen entstehen immer neue Industrien. Die Ausbeutung des Bodens und der unterirdischen Bodenschätze, die Ausdehnung des Eisenbahnnetzes verlangt täglich mehr geschickte und intelligente Arbeiter. Wollen unsere jungen Leute sich aus dem Elende befreien, in dem sie geboren sind, so brauchen sie nur Arbeiter zu werden. Das sehen die Knaben auch ein und die Leichtigkeit, mit der wir unter unseren Zöglingen, die die Volksschule durchgemacht haben, Lehrlinge finden, ist der beste Beweis dafür . . . Wir sollten also unserem Lehrlingswerk weitere Ausdehnung geben. Einstweilen brauchen wir nicht zu fürchten, daß es einen Ueberfluß an ordentlichen und fähigen Arbeitern geben könnte, besonders in den Handwerken, in denen wir unterrichten. Ist doch unser Land den ausländischen Handwerkern noch immer tributpflichtig. Wir könnten recht gut 30—40 Lehrlinge alljährlich ausbilden, nicht bloß lü, und die jährlichen Ausgaben dafür brauchten nur von 8600 auf 16.000 bis 17.000 Francs zu steigen. Eine Verdoppelung der Aufwendungen würde das Ergebnis verdreifachen. Dem Lehrlingswerk für Mädchen standen mancherlei Hindernisse im Wege. Man mußte Vorurteile und überlieferte Anschauungen überwinden, den Gefahren vorbeugen, denen ein junges Mädchen in den Werkstätten ausgesetzt sein kann und Berufe ausfindig maehen, für die sich Frauenarbeit eignet, ohne daß ein Lohndruck stattfindet. Wir richteten in der Mädchenschule eine Schneiderwerkstatt ein und brachten gleichzeitig Mädchen als Lehrlinge unter bei Stickerinnen, Korsettmacherinnen, Spilzenklöppleiinnen, Spitzenhändlerinnen, Modistinnen. Eine erste Meisterin in mechanischer Weberei, die wir in der Schule anstellten, führte zur Schaffung einer ganzen Strumpfwaren-Industrie, die auf dem Wege zu vollem Gedeihen ist. Bei der Auswahl der Mädchen für die Lehrlingschaft verfuhren wir mit äußerster Vorsicht. Die Zulassung zur Schul Werkstatt wurde den Mädchen als höchste Belohnung hingestellt. Mit einem Aufwand von jährlich 960 Francs kamen wir zu den erfreulichsten Ergebnissen. In sieben Jahren (1902 bis 1907) haben wir 436 Mädchen als Lehrlinge aufg tommen. Von diesen sind 47 noch in der Lehre. Von den übrigen 89 haben im Laufe der Jahre 21 das Handwerk verlassen, sind 68 oder 'im Jahresdurchschnitt 10 als fertige Arbeiterinnen ausgebildet. Unter den 68 ausgebildeten Arbeiterinnen sind 23, die zu Haus für sich und ihre Familien arbeiten, da sie nieht unbedingt darauf angewiesen sind, ihren Lebensunterhalt selbst zu gewinnen. Von den 45 Arbeiterinnen, denen das Handwerk Brot gewährt, sind 6 Stickerinnen, 25 Schneiderinnen, 1 Korsettnäherin, 1 Modistin, 9 Handwerkslehrerinnen, 1 Orthopädistin, 2 Weberinnen. Ihr Tagesverdienst ist zwischen 1.50 und 5 Franken, durchschnittlich 3 40 Francs. Da die Zahl der Schneiderinnen und Stickerinnen erheblich zunimmt, mußte man darauf bedacht sein, ihnen dauernde und angemessen bezahlte Arbeit zu sichern. Der Absatz nach Frankreich war durch Prohibitivzölle gesperrt, anderwärts fehlte es an selbstloser und wirksamer Unterstützung. Ein glücklicher Zufall fügte es, daß ich zu Beginn des letzten Winters Fräulein de Monmort kennen lernte, die durch die Berichte über das Werk der Alliance lebhaft angeregt, unsere hiesige Mädchenschule besuchte, an dem Schicksal unserer Zöglinge Anteil nahm und uns Hilfe versprach. Ihr haben wir es zu danken, daß die Mädchenschulleitung ein Atelier einrichtete, in dem unsere früheren weiblichen Lehrlinge arbeiten, und das sich von Tag zu Tag mehr entfaltete. Schon im ersten Monat ist es möglich gewesen, an 10 Arbeiterinnen 500 Francs Lohn auszuzahlen, jetzt sind bereits 27 Arbeiterinnen beschäftigt, und täglich kommen Bestellungen aus Paris und London, wo unsere Artikel wegen ihrer Originalität und ihres arabischen Charakters sehr geschätzt sind. In kurzer Zeit werden wir in der Lage sein, 40 Arbeiterinnen und Lehrlinge zu beschäftigen. In der Stadt haben wir eine ausgezeichnete Kundschaft für unsere Blusenwerkstatt. Unsere Schneider- und Weberwerkstatt hat davon gleichmäßig Nutzen. Den Erfolg unserer konfektionierten Artikel haben wir in der Hauptsache den wertvollen Anleitungen des Fräulein de Montmort zu danken. Es würde sich empfehlen, die jährliche Subvention für das Mädchen-Lehrlingswerk von 960 Francs auf 2000 Francs zu steigern. Damit würde es möglich sein, nicht bloß die bestehende Werkstatt auszudehnen, sondern auch neue Handwerke einzuführen, einige Schülerinnen zu Zeichnerinnen auszubilden. Um die Zukunft unserer ausgebildeten Arbeiterinnen braucht man keine Sorge haben. Sie sind unter den günstigsten Bedingungen beschäftigt. Die Generalunkosten und Vermittlergebühren, die in der Regel den größten Teil des Nutzens in Anspruch nehmen, sind ausgeschlossen, und unsere Arbeiterinnen können billig verkaufen und doch einen angemessenen Lohn erzielen. Gerade weil das Lehrlingswerk für beide Geschlechter sich gedeihlich entwickelt, sind weitere Zuschüsse dafür erforderlich. Wir erwarten davon die glücklichsten Ergebnisse. Die Alliance wird die Grundlage schaffen für eine kräftige, fleißige, gewissenhafte Arbeiterbevölkerung, die ein Element wirklichen Fortschritts darstellt und sicheres Gedeihen für die jüdische Bevölkerung von Tunis in Aussicht stellt. L. Gueron. Brief aus Salizien. (Von unserem Korrespondenten.) Lember g, 5. August. Im Mittelpunkte der öffentlichen Aufmerksamkeit steht nunmehr die für die zweite Hälfte September vom galizischen Landesausschusse einberufene Enquete über das jüdische Massenelend. Es ist gewiß ein seltener Fall, daß eine Landesbehörde daran geht, die wirtschaftliche Lage der jüdischen Bevölkerung zu untersuchen. Bekanntlich sind ja die Juden in Oesterreich nur dazu da, um Steuern zu zahlen und Rekruten zu liefern. Darin äußert sich ja ihre Gleichberechtigung. Wenn nun trotzdem der Landesausschuß im Auftrage des galizischen Landtages daran geht, eine Judennot in Galizien zuzugestehen und die

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