Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 16 (30.7.1909)
- Date
- 1909-07-30
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 16 außerdem iim Vergraben der Leichen der TieTe, die dem Sultan gehört haben oder von ihm bestiegen worden sind. Die israelitischen Arbeiter müssen den mühseligen Dienst tun, ohne daß sie dafür auch nur ein Stück Brot für sich und die Ihrigen erhallten, so daß sie auf Unterstützungen angewiesen «ind. Einig« versteckten sich, um der Fronde zu entgehen, aber die auf ihre Snuren ausgesandten Soldaten fanden sie bald und trieben sie mit Stockschlägen zut Arbeit zurück. Andere verlangten Lohn, wurden aber durch Drohung mit der Basitonnade zum Schweigen gebracht. Sofort nachdem ich von diesen Ungerechtigkeiten gehört hatte, begab ich mich zum Großwesir Si Madani el Glaui. Er empfing mich auf das Liebenswürdigste, ließ mich vor allen marokkanischen Vornehmen, Paschas und Caids eintreten, die nun auf mich warten mußten. Ich legte ihm dar, wie ungerecht es sei, die Israeliten so zu behandeln. Ich erinnerte ihn an den durch Sir Moses Momtefiore erlangten Firman, der ausdrücklich Frondienst und Bastonnade abgeschafft: ich setzte ihm auseinander, daß man von seiten der europäischen Juden nicht dulden werde, daß die marokkanischen Glaubensgenossen den alten Bedrückungen unterworfen würden, daß übrigens die Haltung der gegenwärtigen Regierung den Israeliten gegenüber in Europa den schlimmsten Eindlruck mache upd daß es in seinem Interesse sei. jenen Arbeitern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Da seine wohlwollende Gesinnung für die^ Israeliten, vom der er oft Beweise gegeben, mir bekannt sei, hielt ich mich überzeugt, daß mein Verlangen sofort von Wirkung sein werde. Da es Abend war und im Augenblicke nichts gescliehen konnte, ersuchte mich der Großwesir, ihm andern Tags die Arbeiter zu schicken, die Ansprüche an Dar el Maghsen hatten. . Das tat ich und erfuhr, daß er nicht bloß die nötigen Befehle gegeben hat, daß den Arbeitern voll bezahlt werde, was ihnen zukommt, sondern überdies an den Pascha von Fez, El D s c Ii e d i d, den Urheber der Missetaten, entschiedene Vorstellungen gerichtet und ihn mit Ungnade bedroht hat, wenn er die Israeliten übel behandle. Si Madani eü Glaui hat mich ans eigenem Antrieb eingeladen, mich immer an ihn zu wenden, wenn die Israeliten über Versagung ihres Rechtes oder über Ungerechtigkeiten von. seiten ihres Paschas sich zu beklagen hätten. Er gab mir die Versicherung, daß er für uns die freundlichste Gesinnung hege, daß er die Dienste anerkenne, die die Israeliten dem Lande leisten und daß, wenn er erst an der Gewalt sein werde, wir uns niemals über Bedrückung seitens des Maghsen6 zu beklagen haben würden. Nachdem wir einige Minuten über die Alliance und ihre. Schulen gesprochen, verabschiedete ich mich von ihm, nicht ohne daß er mich zu häufiger Wiederholung meines Besuches eingeladen häite. Den französischen Konsul, Herrn Gaillard, habe ich von den Vorkommnissen in Kenntnis gesetzt. Herr Gaillard hat mit dem Großweisir gesprochen, um meine Vorstellung zu unterstützen und hat mir versprochen, meine Klage vor den Sultan zu bringen. Frankreich. Eine türkische Deputation bei der Alliance Israelite Universelle. Paris. Wir erhalten nachstehendes Kommunique: Eine Delegation von gegenwärtig in Paris weilenden ottomanischen Parlamentsmitgliedern hat sich am Donnerstag, den 15. Juli, nach den Bureaus der Alliance Israelite Universelle begeben, wo sie von dem Präsidenten Herrn Leven und Mitgliedern des Zentral-Komitees empfangen wurde. Die Delegation bestand aus den Herren Dr. Riza T e f v i k B e y, Deputierter von Adrianopel, Midhat Bey, Deputierter von Serres, Sasson Effendi, Deputierter von Bagdad, Bustani Effendi, Deputierter von Beyrut. M a z 1 i a h, Deputierter von Smyrna. Die Herren waren begleitet von dem Kapitän Ismail Djanbulet Bey und von Herrn Assec, Mitglied der nach Frankreich entsandten ottomanischen Finanz-Studien-Kommission. Herr Leven drückte den Delegierten, auch in Namen seiner Kollegen vom Zentral-Komilee, seine Freude über diesen spontanen Besuch au s. Er begrüßte die otlotnanischen Deputierten als Vertreter eines Landes, das den verfolgten und bedrückten Juden jederzeit in weitestem Maße Gastfreundschaft gewährt habe. Wenn diese Auffassung brüderlicher Duldsamkeit unter den verschiedensten Regierungen der Vergangenheit geherrscht habe, wieviel mehr werde sie jetzt in Ehren gehalten werden, da die Türkei nach dem großartigen Aufschwung zur Freiheit, der in aller We't Bewunderung gefunden, die Bürgerrechte proklamiert und sich ihre Stellung als konstitutioneller Staat erworben haben. Die Alliance habe seit fast 50 Jahren an diesem Werk des Fortschrittes mitgearbeitet. In zahlreichen Schulen, die nacheinander während dieses Zeitraums im Lande gegründet wurden, hat sie die intellektuelle und moralische Emanzipation der Juden angestrebt und nichts kann die Resultate der Alliance besser vor Augen führen, als die Zugehörigkeit der Deputierten zum ottomanischen Parlament, die ihren ersten Unterricht in den Instituten der Alliance genossen haben. Herr Dr. Riza TefvikBey, Deputierter von Adrianopel, dankte dem Präsidenten der Alliance für seine sympathischen Worte. Er erklärte, daß er das Erziehungswerk der Alliance Israelite Universelle in der Türkei sehr zu schätzen wisse, weil er, ein Muselmane, seine erste Erziehung diesem Werk verdanke; auch habe er nicht aufgehört, ihm seine große Sympathie öffentlich zu bezeigen. Das Wohlwollen, das die Türkei den Juden entgegenbringe, ist nur gerechtfertigt. Ihre intellektuelle Tätigkeit, ihre reinen und friedlichen Sitten werden viel dazu beitragen, um den Fortschritt des Landes zu entfalten. Wie bisher, so könnten sie auch in Zukunft auf den Geist menschlicher Brüderlichkeit aller Mitbürger zählen, welcher konfessionellen oder Volksgruppe diese auch angehören. Eine Andeutung auf die zionistische Bewegung beantwortete der Redner dahin, daß es geraten sei, diese Bewegung nicht zu unterstützen. Die Türkei habe im Sinne, ihre Türen allen Verfolgten offen zu halten, die zu ihr kommen, um ihre Kräfte zu brauchen oder ihre Kapitalien nutzbar zu machen. Sie würde eine Bewegung nicht dulden, die das Aufrollen einer in Wirklichkeit nicht existierenden jüdischen Frage bezwecke, einer Frage, die hervorzurufen nicht im Interesse der Israeliten liege. Herr Leven erklärte, daß diese Auffassung den Ansichten der Alliance voll entspräche. Die Alliance habe es bisher verstanden, dem Zionismus fernzubleiben und habe vermieden, ihn in irgend einer Art zu ermutigen. Die Unterhaltung, die sich beinahe zwei Stunden hinzog, trug den Stempel großer Herzlichkeit. GEMG1N0Sunö « VSR5iNSNWftRilBSW Wien. Der jüdische Verein „E i n h e i t" übersiedelte mit seiner unter Aufsicht das ehrwürdigen Herrn Ra.bbine.re S. Fürs t, „Adaß Jisroel" (Seliiffscliul), .»tollenden, streng ritueJlen Küche, die seit fast drei Jahren eine Wohltat für Hunderte und Hunderte armer Glaubensgenossen ist, Sonnta-g den 25. Juli d. J. in das provisorische Lokal, IL, Große S c h i f f g a s s e 21, um im November d. J. ein neues, für seine Zwecke gebautes, aus großen Sälen bestehendes und mit allen hygienischen und komfortablen Erfordernissen ausgestattetes Lokal, II., Malzgasse 12, zu beziehen. Die ganze Organisation und Administration wird geändert und unter Beibehaltung des streng Rituellen und Billigen eine moderne, «ehr reine und kultivierte Volksrestauraitioii nach besten ausländischen Mustern geischiaffen.