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Neue Nationalzeitung · 1909-07-30 · Heft 16 (30.7.1909) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 16 (30.7.1909)
Date
1909-07-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 16 „Neue National-Zeitung" Seite 5 über ihre Stellung zu den am ersten Tage der Konferenz aufgeworfenen Fragen. Manche waren der Ansicht, daß, wenn es mit dem jüdischen Volke in der Tat so bestellt sei, wie es Dr. Wunderlich geschildert hat, das heißt, wenn das jüdische Volk wirklich so geschwächt und niedergeschlagen sei, daß es für die wichtigsten Fragen seiner nationalen Existenz gar kein Interesse aufweist, wäre vielleicht doch angeratener, den Antrag des Dr. Wunderlich anzunehmen und bis zum Momente der Realisierung eines bestimmten Territoriums die ganze vorbereitende Arbeit in den Händen der Vertrauensmänner zu konzentrieren. Aber die Mehrheit der Versammelten sprach sich entschieden gegen diese Ansichten aus und es wurde nunmehr beschlossen, an den demokratischen Prinzipien festzuhalten und keineswegs zuzulassen, daß ein Volksideal wenigen Personen überlassen bleibe. Der Vormittag des zweiten Konferenztages verstrich in heißen Debatten über die Organisation sf ra ge. In der Nachmittagssitzung hielt Herr Dr. J o c h e 1mann aus Kiew ein Referat über die Emigration nach Galveston. Während der kurzen Zeit, daß sich die „Ito" mit der Emigration nach Galveston befaßt, sind bereits 1200 Emigranten dorthin befördert worden — wäre nicht inzwischen die Krise in Amerika eingetreten, so hätte man dort bereits viel mehr jüdische Emigranten gehabt — von welchen über 60 Prozent ihre höchste Zufriedenheit und Dankbarkeit in Briefen ausgedrückt haben. Herr M. Schmidt (Wien) vertritt den Standpunkt, daß sich die „Ito" mit der Galveston-Emigration nicht zufrieden geben dürfe, sondern vielmehr die Regulierung der gesamten jüdischen Emigration, speziell aus Galizien, in die Hand nehmen müsse. Nach einem Referat des Ingenieurs L i p e t z über die Kolonisation in Amerika, schloß Mr. Z a n g w i 11 die Konferenz. Samstag, den 17. Juli wurde von Mrs. und Mr. Zangwill zu Ehren der Internationalräte ein Bankett veranstaltet, welches prächtig verlaufen ist. Sonntag abends fand im Pavillon-Theater ein Massenmeeting statt. Ueber 3000 Personen waren dort versammelt. Es sprachen Zangwill, Mrs. Zangwill sowie je ein Delegierter aus jedem Lande. Die Reden sind in den Landessprachen gehalten worden. Professor N. Slousch sprach hebräisch. Es herrscht eine große Begeisterung und eine tiefe nationale und hoffnungsvolle Stimmung. Es wurde allgemein der Wunsch geäußert, an dieses riesige Werk des Mesopotamien-Projektes alle jüdischen Organisationen heranzuziehen. Eine sehr scharfe Kritik wird der Konfexenz im „Frankfurter Israel. Familienblatt" zuiteil. Die.se Kritik hat isich Herr Zangwidl mit seiner Geheimtuerei wohl selbst zuzuschreiben. Ueber die Resultate der Konferenz lesen wir: „Bekanntlich hat Israel Zangwill das Cyreoiaica-Projekt abgelehnt, und zwar berief er sieh bei iseiner Verwerfung dieses territorialistisehen Planes auf die Aussagen, des Leiters der nach Cyrenaica entsandten Expedition. Man glaubte allgemein, daß er diesen a.blehnenden Beschluß in Einverständnis mit der itoitisohen Organisation gefaßt hat. Aus dem Referat über Cyrenaica des HeTirn Prof. Dr. Slousc h-Paris, der an der Expedition teilgenoimmen, gelit hervor, daß Israel Zangwill eigenmächtig und ohne das Einverständnis der „Organisation" den Cyrenaica- Plan verworfen hat. Aus dem genannten Referat ist vielmehr zu entnehmen, daß Cyrenaica sich für eine jüdische Kolonisation — wenn auch nur im kleinen Maßstab — wK>hl eignet. Das Land leide zwar an Wassermangel, jedoch sei seine Bodenbeschaffenheit so, daß man mit Leichtigkeit 250.000 Seelen dort .hätte ansiedeln können. Das gab auch deT christliche Leiter der Expedition] zu. Israel Zangwill hat den Plan nur deswegen abgelehnt, weil seine Finanziers, die er zu haben glaubt, für Cyrenaica kein Geld geben wollten. Die Verhandlungen der Konferenz haben dazu geführt, daß die Itio vom neuen ilon vnii ihrem Leiter bereits verworfenen Cyrenaic a-P lau theoretisch wieder aufnimmt. Die Konferenz hat eine Resolution Slousch angenommen, in der ausgesprochen wird, daß die Ito den Cyrenaica-Plan nicht aufgibt. Als jedoch die Mitglieder der Konferenz Herrn Zangwill die .Resolution unterbreiteten, erklärte er, daß er den Cyrenaica-Plan nicht mehr aufnehmen kann, iselbst wenn die russischen Delegierten, die größte itoistisehe Streitkraft, sich von ihm trennen und aus der Ito austreten. Dadurch ist eine Meinungsverschiedenheit zwischen Chef und Mitgliedern eingetreten, die zu einer politischen Demoralisierung deT Ito geführt hat. Die russischen Delegierten beharren auf ihrem Beschluß und der Chef will von diesem Beschluß nicht« wissen. Ein Wortführer der Ito erklärte mir heute: „Die Ito ist tot und zwar für alle Zeiten." Die General -Versammlung der Jewish Colonizafion Association. Paris, Mitte Juli. Am 11. Juli hat unter dem Vorsitz des Herrn Narcisse Leven, Präsidenten des Verwaltungsrates, die Generalversammlung der Jewish Golonization Association stattgefunden. Zu derselben erschienen die Herren Justizrat Dr. J. B1 a u, Vertreter der Gemeinde Frankfurt a.M.,Prof.P.Er rera-Brüssel, H.G.Lousada- London, Dr. A. Nette r-Paris, Vertreter der Alliance Israelite Universelle, Karl L. Netter, Vertreter der Gemeinde Berlin, Franz P h i 1 i p p s o n, Vertreter der Gemeinde Brüssel, Salomon R e i n a c h, ferner die Herren Direktor Dr. S. Sonnenfeld, Sekretär Doktor E. Schwarzfeld und D. Gazes. Der Vorsitzende stellte fest, daß die Versammlung ordnungsgemäß konstituiert sei und legte nach erfolgter Genehmigung des Protokolls der vorjährigen Versammlung den Bericht über die Tätigkeit der Gesellschaft im Jahre 1908, die Bilanz über das Geschäftsjahr 1908 und den Bericht des vereidigten Sachverständigen, der die Richtigkeit der Bücher festgestellt hat, vor. Diese Schriftstücke fanden die Billigung der Versammlung. Hierauf ergriff Herr Leven das Wort zu nachstehender Ansprache : Ansprache des Präsidenten. „Zu Beginn unserer Generalversammlung habe ich leider auch in diesem Jahre der schmerzlichen Verluste zu gedenken, welche uns im Laufe der letzten Monate betroffen haben: Baron Horace von Günzburg wurde uns nach einer langen Krankheit entrissen, während der er nicht aufgehört hatte, das Zentralkomitee in Petersburg zu leiten. Sein ganzes Leben war der russischen Judenheit gewidmet. Seit dem Tode seines Vaters deren verehrtes Oberhaupt, hat er viel Unheil abgewehrt und eine reiche Fülle des Guten geschaffen, durch eine unermüdliche Wirksamkeit, die sich niemals entmutigen ließ, mochten unsere Glaubensgenossen von noch so schweren Prüfungen heimgesucht werden. Wenn er die Verfolgungen nicht abwehren konnte, so hat er ihnen doch zahlreiche Opfer entrissen und sie gerettet. Sein Hinscheiden war für das Judentum ein tiefer Schmerz, an welchem ganz Rußland Anteil nahm. Einige Tage später haben wir einen Mitarbeiter von Anbeginn an verloren: Herrn Lachniann. Er war ebenfalls ein dem Judentum treu ergebener Diener. Sie wissen, mit welchem Eifer er an unserem Werke

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