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Neue Nationalzeitung · 1909-07-16 · Heft 15 (16.7.1909) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 15 (16.7.1909)
Date
1909-07-16
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 15 bis 25 Rubel. Die Dauer des Besuches erstreckt sich auf fünf Jahre. Die versammelten hiesigen Vorsteher hörten dem Baron mit großem Interesse zu und nach lebhafter Debatte wurde die Gründung des Komitees zur Unterstützung der jüdischen Akademie für Wilna beschlossen. Mit Baron Ginzburg war auch das Mitglied des Hauptkomilees der „Ica" in Petersburg, Herr D. Feinberg, hier anwesend. Von hier begaben sie sich nach Minsk und anderen jüdischen Zentren, um auch dort solche Komitees zu gründen. Der Plan zur Gründung der jüdischen Akademie gewinnt überall die wärmsten Sympathien der jüdischen Gesellschaft und man ist auch berechtigt zu hoffen, daß die Sache ihrer Realisierung zugeführt werden wird. GEMEiNU5=uNö VBRSkNSNÄlfiRiCBSW Prag. Die 36. Haupt- und ordentliche Generalversammlung des Isral. Lande«lehrervereines in Böhmen tindet am Montag den 23. August um 8 Uhr fr.ih im Hotel .Bristol" statt. Tagesordnung: 1. Begrüßung der Versammlung und Genehmigung des Prolokolles der vorjährigen Generalversammlung. 2. Geschäftsbericht über das 35. Vereinsjahr. (Rabbiner Freund, Bodenbach.) 3. Kassabericht und Feststellung des Jahresbeitrages pro 1910 (Religionslehrer D Löwy in Prag.) 4. Revisionsberichl. 5. Wahl des Ausschusses und iler Revisoren. 6. Stellungnahme zu dem vom Gemeindetage in Wi n angenommenen Gesetzentwurf betreffend den Aushau der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religions-Gesellschaft. (Rabbiner Freund.) 7. Die i:eue Schul- und Unterrichtsordnung. (Rabbiner Freund.) 8. Anträge des Vorstandes. 9. Anträge der Mitglieder. (Diese müssen 8 Tage vor d°r Generalversammlung beim Obmanne angemeldet werden.) Berlin.* Am 27. v. M. fand im Sitzungssaal der jüdischen Gemeinde unter zahlreicher Beteiligung hiesiger und auswärtiger Delegierten die 25. Jahresversammlung des ,.E s r a, Verein zur U n t e r s t ü t z u n g a c k e r b a utreibender Juden in Palästina, und Syrien" statt. Dem vom Vorsitzenden, Herrn Moritz Dorn, erstatteten Berichte uro 1908 entnehmen wir, daß die Einnahmen im Berichtsjahre im ganzen die Summe von 17-177 Mark erreicht haben, während der zur Sanierung der Colonie B"neh- Jeliuda bestimmte Kolonisationsfond 52-000 Mark erreicht hat. Der Kasseiihestiand hier und bei der Bank in Palästina belauft sich auf 15.000 Mark. Unter den Einnahmen figurieren 981 Mark, welche dem Verein „Esra" von der jüdischen Gemeinde in Posen zum Bau eines Hauses für einen j ü d i s c hon L a n d a r b e i t e r überwiesen wurden. Der Vorsitzende erwähnte ferner, daß auch Rückzahlungen der Kolonisten einzulaufen beginnen und bezeichnete diese Erscheinung als erfreulichen Beweis der ökonomischen Er Stärkung (b'r palästinischen Kolonien, sowfie des wachsenden Verantwortlichkeitsgefühls der Kolonisten gegenüber^ der jüdischen Gesamtheit. Die Tätigkeit des Vereines „Esra" erstreckte sich im Berichtsjahre über folgende drei Gebiete: 1. Schulwesen. Die Belkindsche Ackerbauschule Kirjath- Sefer bei Lydda hat vom .,Esra" eine Subvention von 2-4-00 Franken erhalten. Die Schule bezweckt, jüdische Waisenkinder zu schlichten, anspruchslosen und geeigneten Landniheitern in Palästina zu erziehen. 2. Häuserbau für jüdische Landarbeiter. Um die bereits bestellenden jüdischen Kolonien miit etinem geeigneten jüdischen A r b e i t e r e 1 eni e n t zu versehen, ist der Bau von jüdischen Arbeiterwohnungen erforderlich. Zu diesem Behufe ist der Verein ..Esra" durch Vermittlung der jüdischen Bank in Jaffa mit den in Pethach-Tikwah wohnenden Besitzern des Bodens von Kafar-Saba in Verhandlung getreten, um auf letztgenanntem Platze jüdische Besitzung in eine jüdische Kolonie zu verwandeln. 3. B'neh-Jehuda. Das Schmerzenskind des Vereines „Esra" bleibt nach wie vor die transjordanische Kolonie B'neh-Jehuda, deren Sanierung infolge der isolierten Lage der Kolonie sowie durch die in der Türkei gegenwärtig herrschenden inneren Wärren auch im Berichtsjahre nicht gelungen ist. Glücklicherweise bedürfen die auf der Kolonie noch verbliebenen sechs F a- * Wegen Raummangels leider verspätet Anm. d. Red. milien keinerlei maltemieller Unterstützung und die im Berichtsjahre für sie verausgabten 1600 Franken sind zur Erlangung der gesetzlichen Besitztitel (Eushans) auf einen Teil des Bodens der Kolonie verwendet worden. ftllEN WCLCCCiLCN Ein neuer Hilferuf der Falaschas. Der den jüdischen Glauben bekennende Negerstamm der Falaschas in Abessinien — so kann man wohl die Falaschas, die den unverfälschten Negerlypus aufweisen, nennen — hat nun infolge der ihm durch Dr. Faitlowitsch zugekommenen Nachrichten einen neuerlichen „Brief" an „die Brüder" erlassen. Derselbe wurde vom Oberrabbiner Dr. M a r g u 1 i e s in Florenz aus dem Ambarischen übersetzt und in der „J. P." veröffentlicht. Er hat folgenden Wortlaut: „Gepriesen sei Gott, der Herr Israel's, der Herr allen Geistes und allen Fleisches! Schreiben, gesandt aus Abessinien von den israelitischen Gemeinden, gerichtet an unsere Brüder, an die israelitischen Gemeinden der ganzen Welt. Heil, Heil Euch, Brüder in Israel! Wie geht es Euch? Der Brief, den Ihr uns durch Vermiltelung des Dr. Jaekob Noah, Sohnes des Moses Faitlowitch, gesandt naht, ist uns zugegangen; wir sind darüber befriedigt. Die Nachrichten von Eurer Existenz waren bisher für uns nur Fabeln; jetzt haben wir darüber Gewißheit und Sicherheit erhalten. Eben deshalb sind wir darüber befriedigt. Dadurch, daß wir Nachrichten von Euch erhalten haben, sind unsere Herzen gekräftigt und sind wir getröstet. Wir sind in tiefer Trauer; habet Mitleid mit uns und betet für uns! Bis jetzt harren wir in unserem Glauben, bei dem einzigen Gott, bei dem Gesetze Moses' aus; wir sind dafür Gott, dem Herrn Israel's, dankbar. Bis zur Gegenwart hat Gott den Samen Jakob's in Abessinien nicht zu Grunde gehen lassen. Früher haben wir unendlich viel Unheil und Mißgeschick erlitten, und eine große Anzahl hat zwangsweise das Christentum angenommen. Jetzt haben wir, Dank sei dem Herrn Israel's, einen gütigen König; Menelik will, daß Jeder bei der Religion seiner Väter verbleibe. Möge Gott ihm ein langes Leben gewähren! Aber dadurch, daß wir keine Schulen haben, unsere Bücher vernichtet sind und die christlichen Missionäre die Bücher ihrer Religion an unsere Brüder verteilen, haben sie dieselben zum Abtall verleitet. Jetzt, wo wir Gott sei Dank, Nachrichten von Euch erhalten haben, empfinden wir große Freude; die Israeliten in Abessinien hoffen. Seitdem Prof. Jaekob gekommen ist, sind die Augen aller Israeliten auf Euch gerichtet. Wenn wir Bücher, Schalen und Leurer erhalten, damit unsere Kinder unterrichtet werden, dann werden wir sehr zufrieden sein. Wir selbst sind allein außer Stande, alles di. s zu leisten. Wir bitten Gott, daß er den Kindern I-rael's und Prot. Jaekob langes Leben gewähre. Wir bitten auch, daß Gott uns mit dem Eii.en und dem Andern zusammenführen mö^e. Der Herr, der Gott Abraham's, Isaak's, Jakob's und Moses', schirme und schütze den Prof. Jaekob Noah, den Sohn des Moses. Dieser Brief ist geschrieben von den Gro'Jen und Notablen d-r israelitischen Gemeinden d-;r Provinzen Belessa, öemie i, Armatscheho, Taqussa, Dembeya, die am Sukkoth sich vereinigten, um den Prot. Jaekob zu gehen." Es folgen nun die Unterschiiften wie : Abba A 1 a z a r, Oberpriester von Belessa, Abba Y a e k o b, Oberpriester von Dero-Wuha, Woghera, Abba M e h e r e t, Oberpriester von Dengor-Dibba, Woghera usw. Der Todesfall im Wiener Hause Rothschild. Von ärztlicher Seite wird uns geschrieben: Der Tod des jüngsten Sohnes von Albert Rothschild, Baron Oskar, der von der Fama auf Selbstmord zurückgeführt wird, erscheint mir für die ganze Familie Rothschild als ein warnendes Beispiel, endlich die Ehen innerhalb der Familie aufzugeben. Von den vier Söhnen des Baron Albert Rothschild aus der Ehe mit seiner Kousine ist einer schwachsinnig, der soeben Verstorbene war bereits in jungen Jahren sehr nervös und soll an den Folgen dieser Nervosität in wenigen Minuten gestorben sein. Nach den Erfahrungen der medizinischen Wissenschaft kommen Erkrankungen des Nervensystems sehr häufig bei Nachkommen aus Verwandten-Ehen vor und es ist sehr wahrscheinlich, daß auch bei den Söhnen des Baron Rothschild diese schädlichen Folgen der Verwandten-Ehen sich eingestellt haben.

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