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Neue Nationalzeitung · 1909-07-16 · Heft 15 (16.7.1909) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 15 (16.7.1909)
Date
1909-07-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 „Neue National-Zeitung" Nr. 15 Mantel aus kostbarem Zobelfell, und zur Rechten saß Niemcewicz . . . Neben Potocki hatte Stern aus Hrubieszow, im Gewand eines polnischen Juden mit schwarzbraunem Bart, seinen Platz, neben diesem Oberst Chodkiewicz in der Uniform des Gardestabes . . . Die vornehmsten Damen der Residenz saßen in den vordersten Reihen des Sitzungssaales, hinter ihnen hohe Würdenträger, Offiziere, Gelehrte u. a. In einer solchen Umgebung bewegte sich jetzt Stern als Mitglied der „Gesellschaft". Er blieb Gegenstand der öffentlichen Aufmerksamkeit. Wie hoch seine Erfindung geschätzt wurde, davon zeugt die Tatsache, daß, als Kaiser Alexander I. während seines Aufenthalts in Warschau eine Deputation der „Gesellschaft" empfing, diese ihn um die Erlaubnis bat, ihm Stern und seine Rechenmaschine, vorstellen zu dürfen. Der Kaiser erlaubte dies und die Maschine löste alle von ihm gestellten Aufgaben mit Leichtigkeit. Die „Gesellschaft" richtete sofort an das Ministerium für äußere Angelegenheiten folgendes Gesuch: „Towarzystwo przyjaciol nauk". An das Ministerium für äußere Angelegenheiten. Ein Bewohner der Stadt Hrubieszow, namens Stern, ist d>er Erfinder einer Maschine, mittels der die vier arithmetischen Operationen bis zur Zahl 13 ausgeführt werden. Die gefertigte Gesellschaft hat die Konstruktion dieser Maschine geprüft, die Neuheit der Erfindung anerkannt und des Erfinders außerordentlichen Scharfsinn in mechanischen Dingen anerkannt. In der Ueberzeugung, daß solche Talente die besondere Fürsorge der Regierung verdienen, nehmen wir uns die Ehre, dem Ministerium für äußere Angelegenheiten den genannten Stern zu empfehlen, der in sehr ärmlichen Verhältnissen lebend, ohne staatliche Unterstützung nicht die Möglichkeit hat, sich länger zu erhallen und seine Tage der Vervollkommnung einer so wichtigen Entdeckung zu widmen. Daher erachtet es die Gesellschaft als ihre Pflicht, das Ministerium für auswärtige Angelegenheiten zu bitten, daß es seinerseits sich in Angelegenheit des erwähnten Stern an die Regierung wenden möge, behufs Empfehlung an den gerade in unserer Hauptstadt weilenden, der Welt als Protektor der Wissenschaften und der Gelehrten bekannten Monarchen. Er möge mit Rücksicht auf Sterns Fähigkeiten und dessen Bestreben sich nützlich zu machen, diesem eine jährliche Pension zu verleihen geruhen. Warschau am . . November 1815. Staszic mp., Vorsitzender etc. Das Ergebnis der persönlichen Vorstellung Sterns und Slaszics Verwendung im Interesse der überreichten Eingabe bildete folgende Antwort : Alexander I. Kaiser aller Reussen, König von Polen. Da uns der in der Mechanik außergewöhnlich talentierte Einwohner der Stadt Hrubieszow namens Stern, der Erfinder einer neuen Rechenmaschine, empfohlen wurde, und Wir ihm, einen Beweis Unserer Zufriedenheit geben und zu weiteren Arbeiten im Erfinden aneifern wollen, haben wir für eben denselben Stern aus den Finanzen Unseres Königreiches Polen eine jährliche Pension von 1200 polnischen Gulden bestimmt. (Wir bestimmen außerdem für ihn die einmalige Auszahlung von 1800 polnischen Gulden zur Vollendung und Vervollkommnung cter genannten Maschine.)*) Gegeben in Unserem Palaste in Warschau den . . November 1815. Sterns .Existenz war nun gesichert und er konnte sorgenlos arbeiten. In der Geschichte der „Gesellschaft" ist dies eines der vielen lichten und sympathischen Blätter, das vor allem der Tätigkeit Staszics als Präsident zur Ehre gereicht. fKORRESPONDCNZCN Oesterreich-Ungarn. Für die Hinterbliebenen nach Nathan Nesch. Wien, Mitte Juni. (Orig.-Korr.) Unser Herausgeber, Dr. S. R. L a n d a u, hat im Interesse der notleidenden. Familie des verstorbenen Nesch eine Aktion eingeleitet, um für die Familie beim Kriegsministerium eine entsprechende Aushilfe zu erlangen. Zu diesem Zwecke wurde der Vater des Verstorbenen, Herr Josef Nesch, veranlaßt, hieher zu reisen, es wurde für denselben ein Memorandum ausgearbeitet und Abgeordneter Doktor M a h 1 e r hat es übernommen, in Vertretung des Jüdischen Klubs dem Reichskriegsminister dieses Memorandum zu überreichen. Da der Minister verreist war, wurden Herr Dr. M a h l e r und Herr Nesch von dessen Vertreter empfangen, der eine Berücksichtigung der Eingabe in Aussicht stellte. * Die Ersatzwahlen für den Reichsrat. Lemberg, 10. Juli. (Orig.-Korr.) Die beiden Ersatzwahlen haben, wiewohl es sich um städtische Bezirke gehandelt hat, mit der Niederlage aller fortschrittlichen Elemente geendet. So wurde in Bobrka - Rohatyn der konservative, öffentlich ganz unbekannte Kandidat B i es i a d e c k i gewählt, während der Zionist Dr. Z i p p e r nur 1418 Stimmen erhielt. Diese Stimmenanzahl ist allerdings hinter den Erwartungen zurückgeblieben; sie bedeutet aber dennoch einen Fortschritt gegenüber den Hauptwahlen, bei denen der zionistische Kandidat lediglich 1200 Stimmen erhielt. Jedenfalls ist die Zunahme der Stimmen ein Beweis für die politische Rührigkeit der galizischen Juden und für ihren zunehmenden politischen Mut. Geradezu sensationell hat sich die Wahl Sambor- Grodek abgespielt. Bei der Wahl vom 30. Juni erhielt der demokratische Krakauer Advokat Dr. Doboszynski zirka 2400 Stimmen und damit ungefähr um 1000 Stimmen mehr als der allpolnische (verschämt antisemitische) Kandidat Graf Skarbek. Da jedoch der bäuerliche Kandidat (von der polnischen Volkspartei Stapinskis) über 1000 Stimmen erhielt, so mußte es zwischen den zwei ersteren Kandidaten zu einer Stichwahl kommen Bei dieser galt die Wahl des Dr. Doboszynski als gesichert, da Stapinski seine Anhänger aufgefordert hat, gegen den Allpolen und für den Demokraten zu stimmen, zumal ja auch im Parlament zwischen den Allpolen und der polnischen Volkspartei ein heftiger Antagonismus besteht. Nun stimmten aber die Bauern alle für den — *) Die eingeklammerten Worte stammen von der Hand Staszics. Der zweite Brief ist in einer Kopie erhalten; beide befinden sich unter den Papieren des Museums der Fürsten Czartoryski in Krakau. Die fehlenden Daten fallen wohl nach dem 23. November. Die anderen Details stammen aus dem Werk von Kraushaar: „Towarz. k-öl. P. N."

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