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Neue Nationalzeitung · 1909-07-16 · Heft 15 (16.7.1909) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 15 (16.7.1909)
Date
1909-07-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Kr. 15 „Neue National-Zeltung" DT. fgnaz Schwarz: Das Wiener 6heffo.*) Der Grundbesitz, d. h. das Häuserkontingent der Judenstadt teilte sich in Gemeinde- und Privateigentum. Die der Gemeinde gehörigen Häuser dienten rituellkulturellen Zwecken und wurden zu verschiedenen Zeiten aus Gemeindemitteln erworben oder neu aufgebaut. Der Gemeindebesitz bestand zur Zeit der Aufhebung der Judenstadt aus drei Häusern, nämlich derSynagoge (Judenschule), dem Spital und d e in Fle ischhof (Schlachthaus). Einige andere Kultuszwecken dienende Häuser, wie die Badstubo, wurden zum Teil aus Gemeindemitteln erhalten oder von den Besitzern in Bestand genommen. Zu dem Gemeindebesitz gehörte noch innerhalb der Judenstadt der sogenannte „Judengarten" und außerhalb des Judenviertels der vordem Kärntnertor gelegene Friedhof. Die Synagoge. Der erste Schritt der organisierten Judengemeinde war naturgemäß auf die Schaffung eines gemeinsamen Bet- und Lehrlokals gerichtet. Wir haben schon oben bemerkt, daß eine scola Judeorum bereits 1204 den Mittelpunkt der Judenstadt bildet. Ueber den genauen Zeitpunkt d^r Entstehung der Synagoge fehlen verl äß liehe Daten; sicher ist, daß sie — offenbar in Verbindung mit einem Lehrhaus (Beth hamidrosch) — schon am Anfang des 13. Jahrhunderts an jenem Platze stand, der von ihr seinen Namen führte: am Schulhof, Heiligenkreuzer Urkunde aus dem Jahre 1294 ausdrücklich Hofansicht des (Erbaut vor dem der in der oben zitier! en *) Unter dem Titel „DasWienerGhetto. Seine Häuser und seine Bewohner" ist soeben bei Wilhelm Braumüller in Wien ein wissenschaftliches Werk voi l'r. Ignaz Schwarz erschienen, welches das Interesse der weitesten jüdischen Kreise verdient Indem wir uns die eingehende Besprechung dieses Werkes für eine der nächsten Nummern vorbehalten, reproduzieren wir mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers einige KapiM, die uns einen Einblick in das Leben and Treiben der Wiener Juden vor dem Jahre 1421 gewähren. Anm. d. Red. als »schulhof der iuden" bezeichnet wird. Die Synagoge befand sich in dem von den Häusern 342 und 843 (jetzt Judenplatz 7 und 8) gebildeten Winkel und erstreckte sich mit ihrem Hofraum bis an das Judenspital (Haus Nr. 344, jetzt Judenplatz 9, Wipplingerstraße 13), mit dem sie mittels eines — 1433 urkundlich belegten — Durchgangs verbunden war. Der große Brand, der am 5. November 1406 einen Teil des Judenvierlels zerstörte, äscherte auch die Synagoge ein. Sie dürfte wohl dann kurze Zeit darauf wieder an derselben Stelle autgebaut worden sein, hatte jedoch nur einen ganz kurzen Bestand. Der schöne Steinbau war sicher schon lange ein Stein des Anstoßes und war das erste Objekt, an dns kurz nach der Vertreibung der Juden die zerstörende Hand gelegt wurde. Ende 14^1 wurde mit der Demolierung begonnen und schon in der Universitätssitzung vom 22. Dezember berichtet der Superintendent Magister Johannes A) gl, der Leibarzt des Herzogs, daß der Hubmeisler das Steinmaterial der Synagoge?um Neubau eines Teiles der Universität bestimmt habe, falls die Universität geneigt sei, es auf eigene Kisten hinwegmfchaffVn. Der Antrag des Hubmeisters wurde mit Dank angenommen. „Et ecce mirum, Synagoga vetcris legis in scholam virtutum novae legis mirabiliter transmu'atur", fügen die Artistenakten befriedigt hinzu. Das Spital. Die Entstehungszeit des Judenspitals läßt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Sicher ist nur, daß es schon im Jahre 1379 in dem Wipplingerstraße 13) in dem es sich be- und zwar vor Einfudenspitals. Jahre 1379.) Hause 344 (jetzt Judenplatz 9, bestanden hat und daß das Haus, funden hat, schon vor dieser Zeit, führung des städtischen Grundbuches in den Besitz der Judengemeinde gelangt ist. Als eine der wichtigsten Anstalten des Gemeindewesens, der Pflege von Kranken und der Versorgung arbeitsunfähiger Alten gewidmet, wird seine Einrichtung im großen und ganzen der des sogenannten „Hekdesch", dieses kombinierten Kranken- und Versorgungsheims, entsprochen haben. Das Haus, in

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