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Neue Nationalzeitung · 1909-07-02 · Heft 14 (2.7.1909) · p. Seite 8

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 14 (2.7.1909)
Date
1909-07-02
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 .Neue National-Zeitung" den Mittelschulen, respektive Systemisierung sämtlicher Religionslehrer an denselben und die Beseitigung verschiedener Rechtsbeschränkungen der Juden, das sind wohl Dinge, über die eigentlich der Herr Vertreter des Franz Josefs-Kais und Sulzgries nicht ohneweiters hinweggehen darf. * Ein sozialdemokratische!' Abgeordneter für den Antisemiten lorga. Anfangs Juni wurde, wie bekannt, der aniisemitische Heizprofessor J o r g a aus Jassy an der österreichischen Grenze, als er mit Genossen zum Zwecke einer Antiseniitenpropaganda in die Bukowina eindringen wollte, abgeschafft. Darüber beschwerte sich nun der sozialdemokratische Abgeordnete für Gzernowilz, Herr Grigorovici, in einer am 25. Juni überreichten Interpellation. Für diesen Herrn ist die Ausweisung Jorgas eine Beleidigung der rumänischen Nation. Ein schöner „Genosse"! * Zur Duellforderung Dr. Gabel—Dr. Mahler! Wie seinerzeit von uns berichtet wurde, hat Doktor Mahler an Dr. Gabel wegen einer Zeilungspolemik eine Duellforderung ergehen lassen. Die Austragung dieses Duells wurde jedoch, wie wir mitgeteilt haben, dadurch verhüt:t, daß Dr. Gabel an Dr. Mahler eine Erklärung abgab Wir weiden nun von kompetenter Seite ersucht, rh hligzusb llen, daß Dr. Gabel keine Erklärung abgab, sondern vielmehr Dr. Mahler ohneweiters seine übereilte Forderung zurückzog. :KOK^PCNL>eNZ£N Oesterreich-Ungarn. Zum Tode des Zugsführers Nesch. Lemberg, 28. Juni. ^Orig.-Korr.) Nach allen Interpellationen und Interventionen in Sachen des rätselhaften Todes des Zugsführers Nesch hat dessen unglücklicher Vater dieser Tage folgende Zuschrift erhalten: K. u. k. Garnisonsgericht in Lemberg Nr. 1178. Verständigung des Josef Nesch. An das löbliche Gemeindeamt in Zamarstynow. Lemberg, am 25. Mai 1909. Es wird das Ersuchen gestellt, den in Zamarstynow, Nowagasse Nr. 17 wohnhaften Josef Nesch mit Bezug auf seine am 17. April 1. J. anher gemachte Anzeige zu verständigen, daß die hiergerichts durchgeführten Erhebungen bereits zum Abschlüsse gelangten. Aus denselben geht hervor, daß eine Mißhandlung seines Sohnes, des Reservekorporals Nathan Nesch im hiesigen Garnisonsspital nicht erwiesen ist (!), derselbe laut Gütachten der Zivilärzte als Sachverständige eines natürlichen Todes starb und daß den Regimentsarzt Dr. G h a j e s gar kein Verschulden an der Erkrankung oder dem Tode seines Sohnes trifft. Der Gerichtsleiter : Unterschrift unleserlich. Die Tragödie des Lemberger Militärspitals ist für die Behörden erledigt. Die Familie aber hat ihren Ernährer verloren und damit ihr Brot. Für die jüdische Oeffentlichkeit darf also die Angelegenheit noch nicht erledigt sein. Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um der unglücklichen Familie wenigstens einen materiellen Ersatz zu verschaffen. GEMEINUSunö VSRCiNSNGlfiRiUTCW Wien. Ein jüdischer Sportklub ist in Bildung begriffen, der einen längst fühlbaren Mangel im Sportlehen Wiens abhelfen will. Allgemein bringt man diesen Plane das lebhafteste Interesse entgegen. Es soll insbesondere das Fußballspiel, dann Leichtathletik (wie Laufen, Springen etc.) und auch Schwerathletik gepflegt werden. Erstklass'ge Spieler und begeisterte Fr. unde d-s Sports, zahlreiche unterstützende und ausübende Mitglieder sind bereits gewonnen. Zwei komplette Mannschaften sind bereit, ihre jungen Kräfte im Training zu stählen. Diesem Verein die ersten Schwierigkeiten zu ebnen und sein Bestehen zu sichern, fordern die unterzeichneten Propo tenten alle diejenigen, welche an der vornehmen Arbeit der körperlichen Hebung des j u d i sc Ii e n Volkes teilnehmen wollen, auf, dem jüdischen Sportklub als ausübende oder unterstützende Mifgli-d r beizutreten. Dr. Fritz Löhner, L. Weis z, Joeef Rufeisui, S. Weinb e r g e r. Zuschriften sind zu richten an S. Weinb rger, Beamter, Wien, II. Bez , Hembrandtstrasse 19, Tür 9. Wien. (Jüdisches M u * e u m.) Die Sammlungen werden am 1. Juli für die Dauer der Sommermonate geschlossen und wird deren YViedere; Öffnung gegen Eule September bekanntgegeben werdei. Für Vereine und Körpersch iften kann über Vereinbarung mit dem Bureau der G •sellsclntt, I K> Uferstraße 8, auch während der Ferien eine Besiclriguug de^ Museums erfolgen. VERtCiLM Prof. Dp. Siegmund Frankel. Einen unersetzlichen Verlust hat die Wissenschaft durch das Hinscheiden des ordentlichen Professors für semitische Sprachen an der Breslauer Universität Dr. Siegmund Frankel erlitten. Geboren in Frankfurt a. 0. am 17. April 1855, wo er auch das Gymnasium besuchte, bezog er im Jahre 1873 die Universität Berlin, um dann seine Studien in Leipzig und Leiden zu vollenden. Im Jahre 1877 promovierte er und habilitierte sich 1889 als Privatdozent für semitische Sprachen in Breslau. Im Jahre 1886 zum außerordentlichen Professor, und vor einem Jahrzehnt etwa zum ordentlichen Professor ernannt, gehörte er dem Lehrkörper der Breslauer Universität über ein Vierteljahrhundert an. Frankel war ein gründlicher Kenner des Arabischen und des Syrischen, wie seine in Fachkreisen geschätzten sprachwissenschaftlichen Arbeiten bezeugen, von denen namentlich eine Schrift über „Die aramäischen Fremd wörter im Arabischen" (Leiden 1886) zu erwähnen ist, der eine speziellere Studie „De vocabulis in antiquis arabum carminibus et in Corano peregrinis" (Lei-'en 1880) vorangegangen war. lieber die syrische Ueberselzung zu den Büchern der Chronik handelte er in einem Aufsatz der ,, Jahrbücher für protestantische Theologie" (1879). Das Judentum verliert einen seiner treuesten Söhne. Frankel war der Sohn des seligen Rabbiners Dr. Daniel Frankel in Rybnik und blieb bis zu seinem Ende ein begeisterter, streng religiöser Jude. Dr. Philipp Fmchtmann, Bürgermeister und Landtagsabgeordneier von Stryj, ist hochbetagt gestorben. Es war der letzte Repräsentant der ehrlich gemeinten polnischen Assimilation und hat sich dadurch gründlich unterschieden von seinen jüdischen Abgeordneten-Kollegen im galizischen Landtag, für die das Assimilantentum blos Geschäftspolitik ist. Sein Landtagsmandat soll an den Landsmannminister Dr. von D u 1 e m b a übergehen und bleibt daher für die Juden verloren. Der galizische Landtag wird nunmehr blos fünf „mosaische" Polen zählen. Das Leichenbegängnis Jakob Gordins hat in New-York am 20. Juni unter großer Beteiligung der jüdischen Volksmassen stattgefunden. Der Sarg wurde im Thalia-Theater

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