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Neue Nationalzeitung · 1909-07-02 · Heft 14 (2.7.1909) · p. Seite 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 14 (2.7.1909)
Date
1909-07-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 „Neue National-Zeitunsf" Nr. 14 drückung eine maßlose Verbitterung unter den Feilachen hervorgerufen haben. Die deutschtümelnde Färbung dieser Schrift erreicht ihren Höhepunkt zum Schlüsse, da von den Landesbewohnern gesagt wird, daß sie im Falle einer Wahl die deutsche Verwaltung am liebsten akzeptieren würden, weil die deutsche Nation mehr Vertrauen genieße, als die englische und russische. Eröffnet auch diese Schrift nicht sonderlich neue Horizonte, so konzentriert sie doch das ganze politische Palästinamaferial und es steigen vor unseren Augen auf die schwarzen Wolken, die uns die Verwirklichung der zionistischen Ideale verhüllen. Und wir werden gewahr, daß Palästina nicht eine res nullius oder eine türkische Provinz, sondern wirklich der „Nabel der Weltkugel" ist, mit dem alle Staaten Europas durch politische Aspirationen und religiöse Bande eng verknüpft sind. Diese Schwierigkeiten verschweigen oder verschleiern, heißt noch nicht, sie beseitigen. Die jüdische Oeffentliehkeit hat vielmehr das R.echt zu erfahren, wie sich die zionistische Parteileitung zu diesen Schwierigkeiten stellt und ob sie sich derselben genügend bewußt ist. Die bisherige Vogelstrauß-Politik ist keine Diplomatie, sondern ein Beweis, daß gewisse Männer trotz ihrer besten Absichten doch zur Leitung einer großen Volksbewegung nicht genug befähigt sind. Hier sind blinder Gehorsam und kindische Vertrauensseligkeit nicht am Plalze. Die Situation ist kritisch und es steht Großes auf dem Spiel. Die Verlegenheitspause, die durch die Verlegung des Kongresses bis in den Dezember ges baffen wurde, i-t ein drastisches Zeichen der Hilflosigkeit. Wem es sein Gewissen und -sein Verstand erlauben, der mag auch fernerhin seine Hände in den Schoß legen und seine Bücke zuversichtlich nach — Köln wenden ... L. Dr. Moses Ahronsohn: I^orach und seine 'Rotte. Wohlbekannt ist die Stelle im zweiten Gesänge der rr.ias", in welcher uns T Ii er si t es vorgeführt wird, „der in der Brust Vorrat halte sinnloser Worte, um wid< r die Könige zu hadern''. Als der häßlichste Mann war er gei^vn llion gekommen, schii (sc bauend, an einem Fuß hinkend; ihm zog sich ein Üoppelhöcker von dem Rücken an der Brust zusammen; oben spitz der Kopf und nur Seiten zeigt sich das Haupthaar. Schimpfliche Reden stößt er stotternd gegen den göttlichen Agamemnon aus. Er schreit mächtig und schmäht den König. Schmäher, Spötter, Leute, die das Heiligste in den Kot ziehen, hat es zu allen Zeiten und bei allen Völkern gegeben und ein solcher biblischer Thersites ist der Mann, der es wagte, einem Moses entgegenzutreten: Korach. Freilich mancher Unterschied waltet doch zwischen dem griechischen und jüdischen Schmäher. Wir denken hier allerdings nicht an den Unterschied der Gestalt. Thersites wird in seiner göttlichen Häßlichkeit gar ergötzlich von Homer geschildert; von Korachs Gestalt sagt uns die Bibel nichts. Aber das unterscheidende Merkmal liegt darin, daß sich gegen den schmähenden Thersites der göttliche Odysseus stellt und mit dem Szepter ihm Rücken und Schulter schlägt, so daß der Geschlagene sich krümmt und reichliche Tränen vergießt. Und die Argiver nehmen für Odysseus gegen den Schmäher Partei. Sie sprechen: „Tausendfältiges Gute hat uns Od>sseus erzeugt . . ., aber die größte Wohltat hat er jetzt den Argivern erwiesen, daß er den schinähsüchtigen V e r 1 e u m der in der Versammlung gebändigt. Nicht wird ihn sein trotziges Gemüt wieder antreiben, die Könige mit schmähenden Worten zu beschimpfen." Wie ganz anders Korach, der biblische Thersites! Der Mann weiß sich einen großen Anhang zu gewinnen, nicht nur Dathan und Abinam, Männer, die überall zu linden sind, wo es gilt, Empörungen zu stiften und sie zur Flamme anzufachen, sondern auch 250 angesehene Männer der Gemeinde und endlich — diese selbst. Es kann der Vergleich zwischen den Argivern und der Gemeinde Israel nicht zugunsten der letzteren ausfallen. Dort wenden sich alle von Thersites lachend ab; sie wi-sen, was sie von diesem buckligen Verleumder zu halten haben. Alle preisen Odysseus, der ihnen die größte Wohltat damit erwiesen, daß er dem schmähenden Empörer den Höcker tüchtig durchgewalkt. Hier seh -n wir die Gemeinde sich sofort Korach zuwenden, sie findet es ganL richtig, wenn er Moses und ebenso dessen Bruder Ahrons vorhält : „Warum überhebet Ihr euch über die Gemeinde des Herrn?" Liegt nicht darin ein bezeichnendes Moment für die Beurteilung des Volkscharakters? Das wahre Verdienst wurde in unserer Mitte selten anerkannt, der Krittler, der Nörgler, der Spötter, der Pamphletist dagegen hat stets sein dankbares Publikum gefunden. „Die Kinder Korachs sterben nicht aus," denn nur er fuhr in den sich öffnenden Schlund der Erde hinab, seine Erben aber ließ er uns zurück: sie treiben noch immer ihr trauriges Handwerk, sei es, daß sie in Volksversammlungen auftreten, sei es, daß sie in Zeitungen schreiben. D i e Sippe ist wohlbekannt. Ohne jegliches Verdienst, groß und mächtig im Schreien, ist sie überall zu finden, wo es möglich ist, das aliei werteste eigene Personellen zu inszenieren, das eigene trüb flackernde Licht überall hinzustellen, nur unter den Scheffel nicht. Heutigen Tages fabriziert dieses Korach-Geschlecht sogar Gedichte, sie sind auch darnach. Korach war überzeugt, er sei der Reiter des Judentums. Seine Nachkommen sind von dieser Ueberzeugung nicht abgekommen. Wagt man es, ihnen entgegenzutreten, dann steht, nach ihrer Meinung, des Judentums Ehre auf dem Spiele. Ach, diese Ehre des Judentums! Mit der wird, wie in Korachs Zeiten, so auch heute frevles Spiel getrieben. Was sie die Ehre des Judentums nennen, das ist der von ihnen selbst höchst eigenhändig ausgebildete Ehrbegriff. Was wir uns unter Korach vorzustellen haben, darüber waren sich die allen Verfasser der Midraschim nicht im unklaren. „Warum,'' fragen sie, „zankte Korach gegen Moses?" Die Antwort erfolgt kurz und prompt: „Er neidete dem Eiizaphan, Sohne Uriels, daß ihn Moses zum Obersten gesetzt hatte über die Söhne Kehats." Amrams Söhne, so zeterte er, haben sich die oberste Würde usurpiert. Der Eine ist ein König, damit meinte er Moses, der Andere ist Hohepriester, das ist Aron. So haben sich diese in die höchsten Würden, die ein Volk zu vergeben hat, geteilt. Gebührt nicht, kalkulierte Korach weiter, mir die zweite Würde? Bin ich nicht der Sohn des zweiten Sprößlings Amrams, des Jighar? Da geht nun dieser Moses hin und macht, höchst eigenmächtig, den Sohn des vierten Nachkommen Amrams zum Fürsten. Und nun will er Moses mit seinen eigenen Waffen schlagen. Hat der nicht geboten, himmelblaue Fäden am Talith anzubringen? Wenn aber jemand einen Taiith trägt, der ganz aus himmelblauer Wolle verfertigt ist, bedarf auch der der Fäden vdh gleicher Farbe? Bedarf ein Haus, das ganz mit Büchern angefüllt ist

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