Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 13 (18.6.1909)
- Date
- 1909-06-18
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „Neue National-Zeitung" Nr. 13 Das Rezepisse des k. k. österreichischen Postamtes in Rischon l'Zion. Reb Schmelke von Hohenzins, auch Samuel Edler von Horowitz genannt, hat jüngst ein Beispiel seines großen polnischen Patriotismus gegeben. Er hat für die von der allpolnischen Presse angeregte Sehulgründung an der deutsch-polnischen Grenze 2000 K geschenkt. Gleichzeitig hat er aus einem seiner Häuser eine arme jüdische Witwe, die den Zins nicht aufbringen konnte, delogiert. Das Sprichwort „Wohltun trägt Zinsen", gilt für diesen „edlen" Mann nicht. Von solchen Zinsen schafft man sich keine Millionen. Die Juden in Jaffa. Ueber die Juden Jaffas äußert sich der soeben erschienene Bericht des britischen Vizekonsuls in Jaffa für das Jahr 1908: „Die Bevölkerung umfaßt ungefähr 15 000 Juden, die als die fleißigste und arbeitsamste Klasse in bezug auf den Handel und die Landwirtschaft des Landes gilt, wie auch in der noch geringen Industrie. Während der letzten zwei Jahre haben die Juden zwei neue Handwerkerschulen in Jaffa errichtet. In der einen werden die eingeborenen jungen Leute zu Schmieden, Drechslern und Werkmeistern ausgebildet, die andere enthält eine Zimmermannsschule. Nach genügender Lehrzeit verdienen die jungen Burschen ihren Lebensunterhalt in der Stadt selbst oder in den Kolonien. Die lüden in Indien. In den letzten 20 Jahren ist die Zahl der Juden in Indien von 12 000 auf 18.000 gewachsen. Dieser Zuwachs kann nicht auf Einwanderung zurückgeführt werden, da Indien für fremde Juden nur wenig Anziehungskraft besitzt. In Aden wohnen 3059 Juden, in Bombay 5357 bei einer Gesamtbevölkerung von 750.000. In Kalkutta sind 1889 Juden ansässig, in ganz Zentralindien nur insgesamt 24. Die Zahl der Juden in G o c h i n beträgt 1137. In Ernakulam wohnen 412, in Mettancheri 474 weiße und „schwarze" Juden. Im Staate Mysor wohnen 34 Juden, im Bezirk Bombay 609, im Staate Sind 428. Ein jüdisches Gymnasium in Budapest. Die Vorstehung der Pester israelitischen Kultusgemeinde ist bereits an die Realisierung des mit Reskript des Unterrichtsministers Grafen Apponyi konzessionierten jüdischen Gymnas iums geschritten. Zur Vorbereitung der Errichtung eines Gymnasiums wurden seitens der Vollstrecker der Freystädtler-Stiftung Oberrabbiner Dr. Samuel Kohn, der Präsident der Kultusgemeinde Hofrat Dr. Philipp W e i n m a n n, Präsident-Direktor Dr. Joseph Bänöczi, die Universitätsprofessoren Dr. Moriz Kärmän und Dr. Ignaz Goldziher und der Großindustrielle Joseph v. Hat vany-Deutsch entsendet. Die Kultusgemeinde entsandte ihrerseits ins Vorlereitungskomitee die Vorstandsmitglieder Ludwig Adler, Dr. Moriz Stiller, Sigmund L. Breitner, Adolf Kohner und Julius Wittenberg. Die Eröffnung des Gymnasiums findet wahrscheinlich im Herbst des Jahres 1910 statt. Jüdische Einwanderung in New-York. Im Monat Mai sind in New-York 2239 jüdische Einwanderer gelandet. Von ihnen stammten aus Russland 1738 Oesterreich 305 Ungarn 90 Rumänien 50 England 26 Deutschland 6 der Türkei 23. 1601 verblieben in New-York selbst, während 638 sich nach anderen Orten der Vereinigten Staaten begaben. Ein jüdisches Gemeindeblatt in Berlin. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Berlin hat den Beschluß gefaßt, ein Gemeindeblatt herauszugeben und wird eine diesbezügliche Verlage demnächst der Repräsentanten - Versammlung unterbreitet werden. In der letzten Sitzung derselben r Par Poste I. R. Autrichienne jv-iBDutn nüDis *a *o T rbso tö T T | " Objet iyjO mng t^^/jfc/f-yy ß,J. f//> Destinatare Sggjn : £ # qz/^&? Liem de Destination Tg/13? Olpi? : ^^pj^f Vateur (montant) Tgfr r&P *^5jjj§Sgg *r nnn otpo Poid* hpVD Taxe Per(w* awjsn rrw? 79 »n^ y Dieses französisch-hebräische Rezepisse wurde in der jüdischen Kolonie Rischon l'Zion über ein nach Lemberg abgegangenes Paket vom k. k. österreichischen Postamt ausgegeben. GSMClNUS-UNd VSReiNSNGUiRiCIWW Wien. Die erste ordentliche Generalversammlung des Verbandes jüdisch-nationaler Finken an den Wiener Hochschulen fand Montag den 14. d. M. unter lebhafter Beteiligung der interessierten Studentengruppen statt. Die Wahlen in das Exekutivkomitee ergaben folgendes Resultat: cand. phil. Georg Steiner, Präses; cand. jur. David Weinberger, Vizepräses; jur. Siegfried Eichberg, erster, camd. jur. Leo" Keller, zweiter Schriftführer; med. Oskar Hoffmann, Kassier. _ , mr . , . Berlin. Ende v. M. hat sich hier der Verband der jüdischen Jugend-Vereine Deutschlands konstituiert. Die Initiative zur Konferenz, welche von 50 Jugend-Vereinen beschickt und bei welcher diese Organisation beschlossen wurde, ging von der „Großloge" aus. In der Konferenz hielten Ansprachen u. A. Geheimer Sanitätsrat Dr. Maretzki namens der Großloge, Professor P h i 1 i p p s 0 n namens des ..Deutsch-Israel. Gemeindebunde s", Professor Dr. B 1 u m e n t h a 1 namens des „Zentral Vereines deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens', Albert K a t z namens des „Verbandes der Vereine für jüd. Geschichte und Literatu r", und Dr. S. Moses namens des „Bundes jüdischer K 0 rporationen (jüdischer Studenten-Vereine). Der Vorsitzende Dr. Apfel bezeichnete als die Hauptzwecke des Verbandes: Gegenseitige Hilfe, Austausch von Erfahrungen, Ausgleich der Meinungen über Erziehungsfragen. Ferner sollen, insbesondere den kleinen Vereinen Redner gestellt werden: auch die Forderung eines Vereinsorgans sei der Erfüllung nahe geführt, da die Großloge sich bereit erklärt habe, den Betrag der Kosten für em zehnmal erscheinendes neues Blatt herzugeben. Als ideale Momente seien hervorzuheben, es müsse gesorgt werden, daß die jüdische Jugend trotz aller Meinungsverschiedenheiten, einig werde. Es dürften ferner die Jugendvereine nicht das Hauptgewicht auf gesellschaftliche Veranstaltungen legen, diese dürften immer nur Mittel zum Zweck sein. Es müsse vor allem das Selbstbewußtsein gehoben werden, auch nach außen. IgU* AUEN WeitCCilgN Leutnant Ignatz Goldstein, von dessen Heldentat bei Königgrätz wir bereits berichtet haben, ist am' 22. Mai in Budapest als Militär-Invalide gestorben.