Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 13 (18.6.1909)
- Date
- 1909-06-18
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 „Neue National-Zeitung" Nr. 13 ist 27 Jahre alt, lebt seit fünfeinhalb Jahren in Mitkeu bei Okna in der Bukowina, ist seit beiläufig fünf Jahren mit einer Oesterreicherin verheiratet und betreibt im Orte eine Greislerei; die Ortsgemeinde selbst wünscht seinen Aufenthalt. Ebenso sind von der k. k. Bezirkshauptmannsehaft Zastawna erst in der letzten Zeit folgende Insassen (e 1 f) aus den weiter unten angegebenen Ortschaften grundlos ausgewiesen worden, über deren persönliche, Familien-, und Vermögensverhältnisse mir von angesehenen, verläßlichen und in öffentlicher Stellung befindlichen Personen Auskünfte erteilt wurden, so daß ich vollen Grund habe, diese Angaben für richtig zu halten. (Folgt die genaue Darstellung der Verhältnisse dieser elf Familien). Mit vorstehender Eingabe beabsichtige ich keineswegs Beschuldigungen zu erheben. Meine Absicht ist, lediglich unsäglich unglücklichen Menschen zu helfen und einer nach meiner Auffassung ungesetzlichen Praxis entgegenzutreten, durch welche so vielen Menschen schweres Unrecht geschieht und selbe in Jammer gestürzt werden. Ich erhoffe auch die erbetene Abhilfe. gORRSSPONbeNZCN Oesterreich-Ungarn. Geheime Plenarsitzung des Kultusvorstandes. Wien, 3. Juni. Im Präsidial berichte teilt der Präsident mit, daß das Mitglied der Vertreterkollegiums, Herr Salo Cohn, zum Zwecke des Ankaufes eines Teiles der Bibliothek des verstorbenen Sadagoraer Rabbiners N. B. Friedmann einen Betrag von K 6000.— zur Verfügung gestellt und in neuerlicher Betätigung seiner Munifizenz die angekauften auch in wissenschaftlicher Beziehung sehr wertvollen Bücher zum Andenken an seine verewigte Mutter, Frau Charlotte Cohn, der Bibliothek der isr. Kultusgemeinde Wien zum Geschenk gemacht habe. Der Präsident bemerkt hiezu, daß Herr Salo Cohn bereits vor einigen Jahren zum Andenken an seinen verewigten Vater die sehr wertvolle Halberstamm'sche Bibliothek der Kultusgemeinde gewidmet habe und spricht unter lebhafter Zustimmung der Versammlung Herrn Vertreter Salo Cohn für seine Opferwilligkeit, durch welche die Biliothek der Kultusgemeinde eine wesentliche wissenschaftliche Bereicherung erfahren hat, den wärmsten Dank des Vorstandes aus. Der von der Statthalterei ausgearbeitele Entwurf eines das Rechtsverhältnis der türkischen (sephardischen) Israeliten zur Kultusgemeinde Wien betreffenden Regulativs wird mit einigen Abänderungen bezvv. Zusätzen genehmigt. Auf Grund eines Berichtes der Schulinspeklion wird beschlossen, die vor einigen Jahren eingeführte, nicht obligatorische zweite Religionsstunde an der zweiten Volksschulklasse an weiteren zehn Religionsschulstationen einzuführen, so daß nunmehr dieser erweiterte Religionsunterricht in 28 Religionsschulstationen erteilt wird. Der Inspektionsbericht hebt hervor, daß sowol der Erfolg als auch die Frequenz der falkultativen Unterrichtsstunden befriedigend seien und namentlich eine wesentliche Förderung des Leseunterrichtes herbeigeführt wurde. Subventionen werden nachstehenden Vereinen bewilligt : Den Bethausvereinen Thorath Emeth, Emunas Awes, Machsike Thora, Gemilas Chcsed, Oseh Tow, Schomer Israel, Chassidim und dem Tempelbauvereine des VIII. Bezirkes. * Die Berek-Josclowicz-Feier. Lemberg, 14. Juni. (Orig.-Korr.) Zur Erinnerung an den 100. Todestag des in den polnischen Freiheitskämpfen gefallenen jüdischen Obersten B e r e k Jo s e 1 o w i c z, wurde gestern seitens der kommunalen Behörden eine imposante Feier vermstaltet. Sie begann mit einem Gottesdienste in der Synagoge, an dem Repräsentanten des Landesausschusses, des Gejneinderates und des Kultusvorstandes teilnahmen, worauf sich der Zug, darunter die Schuljugend und zahlreiche jüdische Vereine zuerst zur Berek-Joselowicz- Gdsse und dann zum Mickii wicz-Monument begab. Von impioviserten Tribünen wurden Ansprachen gehalten. Es sprachen u. a. der Vice-Bürgermeister Dr. Rutowski, Abgeordneter Dr. L ö w e n s t e i n, Kultusvorsteher Dr. H o r o w i t z und Gemeinderat Dr. Aschkenase. Sie alle verherrlichten die Assimilation, von der heute in Galizien das Gros der Judenschaft nichts mehr wissen will. Und den großen Helden Brrek-Joselowicz, der ein Freiheitskämpfer war, der nur bewiesen hnt, daß der Jude auch für allgemein menschliche Ideale zu kämpfen und zu sterben weiß, haben diese Krämerseelen in den Staub ihres eigenen Strebertums herabgezerrt und haben seinen Namen entweiht, indem sie ihn zum Bannerträger ihrer assimilatorischen Geschäftspolitik machten. Mit demselben Rechte könnte man ja auch Kosciuszko oder Lafayette, weil sie für die amerikanische Freiheit kämpften, zu Wortführern der französisch-amerikanischen oder polnischamerikanischen — „Assimilation" machen. Nein, meine Herren Hausjuden! Denßerek-Joselowicz, den unerschrockenen Helden, nimmt das ganze jüdische Volk für sich in Anspruch, ebenso wie David P r i - 1 u s z k y, der sich in den Kämpfen Oesterreichs gegen Napoleon das M aria-Th er esien -Kreuz, den höchsten militärischen Orden, erworben hat. Sie kämpften für die Völker fr ei heit und Völkerverbrüderung und es heißt ihre Namen entweihen, wollte man sie als Deckmantel für nationale Entwürdigung und Selbstverleugnung mißbrauchen. Die Juden Polens ehren Berek - Joselowicz viel zu hoch, um erst hiezu durch schöngeistige Phrasen angeeifert zu werden. * Zur Reichsratswahl in Bobrka-Rohatyn. Lemberg, 13. Juni. (Orig.-Korr.) Die „Jüdische Zeitung" hat s'ch in ihrer letzten Nummer beeilt, ihren Förderer, Herrn Lucian Brunner, gegen die in meiner Korrespondenz enthaltene Behauptung in Schutz zu nehmen, als ob er die Absicht gehabt hätte, in Bobrka- Rohatyn für i'.en Reichsrat zu kandidieren und nur dank der Besonnenheit der jüdischnationalen Parteileitung sowie der Zurückhaltung der Ruthenen diesen Plan aufgegeben hätte. Hierüber veröffentlicht die „J. Z." eine sehr langatmige Erklärung des Dr. Ringel, des Vizepräsidenten des hiesigen zionistischen Komitees. Diese Erklärung beweist gar nichts. Wenn es notwendig ist, kann ich mit Namen dienen, mit Namen von polnischen Politikern, die Herr ßrunner hier besucht hat, um sie für seine Kandidatur zu gewinnen, und die voll Entsetzen erklärten, daß sie unmöglich eine derartige Kandidatur unterstützen können.