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Neue Nationalzeitung · 1909-06-18 · Heft 13 (18.6.1909) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 13 (18.6.1909)
Date
1909-06-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13 „Neue National-Zeitung-" Passus aufnehmen: Bekämpfung der Taufe. Ein Renegat muß deutlich von den Juden boykottiert werden. Es ist das das einzige Mittel der Selbsterhaltung. Man wird dagegen einwenden, es sei nicht nötig, gegen diese Pest vorzugehen. Im Gegenteil viel zu lange ist gewartet worden. Mnn denke nur, daß heute der Geburtsüberschuß der Juden B erl in s ziemlich gleich der Zahl derer ist, die sich taufen lassen. In Wien war 1908 die Austrittsbewegung noch stärker. Es schieden in diesem Jahre 608 Personen aus, wofür allerdings 151 eintraten. Wir sehen aber, daß w'r in den GroßstädUn Oesterreichs und Deutschlands eine Bewegung finden, welche ungefähr den nntürlichen Zuwachs durch Geburten aufhebt und so die Eigenvermchrung der Juden schwer schädigt. Wir sehen in den Renegaten Persönlichkeiten, die durch ihr Beispiel auf weite jüdische Kreis-i destruktiv wirken; dadurch, daß s-ie vornehmlich den gebildelen Ständen angehören, kompromittieren sie förmlich die im Judentum Zurückbleibenden, wenn diese nicht energisch beginnen, die Fahnenflüchtigen in das rechte Licht zu setzen. Für die Täuflinge, die der Arbeiterklasse angehören, haben wir noch nicht zureichende Erklärung. Vielleicht daß hier soziale Wohlfahrt nottut, um ihnen als Juden auch eine Existenz zu schaffen. Die Frage, welche das Fortbestehen der Judenheit ernstlich tangiert, heischt genaues Studium. Bis jetzt gebricht es aber an der wissenschaftlichen Untersuchung, an der Aufnahme der Frage in die politischen Programme und an einer Berücksichtigung im sozialen L<*ben. Max Schacherl (Berlin): Der jüdische Turnfag. Die Pfingslwoche nit ihrer Anzahl von Kongressen die uns diesmal die Beratungen des Deutsch- Israelit. Gemeindebundes und der Jüdischen Jugend vereine Deutschlands brachte, soll uns den IV. jüdischen Turntag nicht übersehen lassen, dessen Abhaltung nicht nur ein sportliches Ereignis, vielmehr eine würdige Demonstration zu gunsten eines von allen Schichten des Judentumes einträchtig vernachlässigten, wichtigen Erfordernisses ist: die körperliche Stählung, hygienische Ausbildung unserer Jugend. Es ist befremdlich, daß in einer Zeit, wo für jeden Kitsch sich Trommelschläger rühren, so wenig für ein ernstes Beginnen getan wird. Dieses Klagelied wurde am Delegiertentag der Turner angestimmt. Die im „Hotel de Hambourg" abgehaltenen Beratungen waren von einem würdigen Ernst getragen und boten ein schönes Bild jüdischer Kulturbestrebungen. Wie dem Berichte über das abgelaufene Jahr zu entnehmen ist, hat der Verband deutsch-jüdischer Turnvereine einen Aufschwung zu verzeichnen. Als besonders erfreuliches Moment wird hervorgehoben, daß sich jüngeren Datums auch in G a 1 i z i e n die Turnbewegung geltend mache; so haben sich in Krakau, Lemberg und B r o d y Turnvereine gebildet, als deren Delegierter Dr. K a t z (Lemberg) dem Kongresse beiwohnte. Der Wiener Jüdische Turnverein, dessen Arbeit auch diesmal uneingeschränktes Lob gezollt wurde, hatte als Delegierte entsendet die Herren: Dr. Werner, Rud. Pollak, Ingenieur Jacques Ornstein, Arnold Donath; die Damen: Dr. Hedwig Donath, Grote Oppenheim, Felsenburg, Rosa Arnstein. Die Vereinigung Wien-Fünfhaus vertrat Herr Steinherz. Außerdem waren aus Wien noch eine Anzahl Turner und Turnerinnen erschienen. Aus den Beratungen sei als markantestes Moment die bewegliche Klage über das Fehlen der nötigen Gedmittel hervorgehoben. Die finanzielle Lage des Verbandes hat sich, wiewohl er jetzt insgesamt über 15(0 Mitglieder vereinigt, seit dem Vorjahre noch verschlechtert. Ueber die Maßnahmen, zwecks Aufbringung neuer Geldmittel, die zur Fortführung der Vr rbandsgeiehäfte unbedingt notwendig sind, entspann sich eine erregte Debatte, da insbesondere der Delegierte der galizischen Turnvereine gegen jede Erhöhung der Mitgliedsbeiträge protestiere, die, wie er angab, die Existenz der galizischen Vereine gefährde. Nach eingehender Diskussion niui.ite der Antrag auf Erhöhung des Monatsbeitrages aufrechterhalten und angenommen werden. Er beträgt jetzt Mk. 2-70. Interessant ist jedenfalls, was der Referent Herr Dr. Z i r k e r über die Unterstützung seitens des Zionistenkongresses sagte. Wie Redner ausführt hat der Verband an den VIII. Kongress petitioniert, um in seiner unhaltbaren finanziellen Situation Unterstützung zu finden. „Der Zionismus", sagt Dr. Zirker, „ist der Vater der jüdischen Turnvereine. Und man darf von einem Vater mehr Hilfsbereitschaft für seine Kinder verlangen". Was tat nun der Vater für seine Kinder? Er bedauerte, ihnen nicht helfen zu können — so sehr er sich auch freue, sie erzeugt zu haben. Erfreulicher als das Finanzkapitel ist der Bericht über die fortschreitende Entwicklung der Turnvereine in Palästina und der Türkei, die vom Verbände auch materiell gefördert wird. Ein buntes, bewegliches Bild bot das Schauturnen, welches im Feen-Palaste (Palast-Theater) abgehalten wurde. Die Leistungen der Wiener Turner enttäuschten; sie waren wohl noch zu sehr von der Reise ermüdet. Doch spendete ihnen ein zahlreiches Publikum lauten Beifall, wie denn unseren Wiener Turnern überhaupt mit großer Herzlichheit begegnet wurde, worin sich die Anerkennung für die erfolgreiche Arbeit des Wiener Jüdischen Turnvereines ausspricht. Man bot den auswärtigen Gästen noch einen Festkonimor?, einen Ausflug nach Potsdam, nach der In»el Rügen. Es herrschte eine fröhliche, freie Stimmung. Nun hat man die Delegieren mit dem Auftrage nachhause geschickt, den Mitgliedern die Beiträge zu ei höhen, was dem Verbände nur vorübergehend, aber nicht dauernd helfen kann. Vielleicht bleibt der diesmaligen Tagung der Erfolg beschieden, die kompetenten Faktoren und Institutionen für eine tätige Anteilnahme interessiert zu haben. Die Strafverhandlung gegen 3"fillerson. (Von unserem Korrespondenten.) G r o d n o, 8. Juni. Wie Ihnen bereits berichtet wurde, hat die Verhandlung gegen den Rechtsanwalt H i 11 e r s o n wegen seiner im Bialystoker Pogromprozesse gehaltenen Rede am 5. d. M. vor dem hiesigen Gerichtshof begonnen. Zur Verhandlung erschien der Angeklagte in Begleitung seines Vi rteidigers, des berühmten Rechtsanwaltes Grusen-

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