Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 12 (4.6.1909)
- Date
- 1909-06-04
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10. „Neue National-Zeitung" Nr. 12 nicht genug, dass Eisenbach in der Taborstrasse dem Judentum allabendlich erhalten bleibt; nicht genug an alledem, erobert auch noch Wolf Bär Pfefferkorn das gelobte Land des Jubiläumstheaters! Nächsten Sonntag wird nämlich in einer Nachmittagsvorstellung dieser Bühne die Operette „Der Rastelbinder" gegeben und auf diese Weise der Pfefferkorn in einen Boden verpflanzt, der wahrlich nicht für Pfefferkörner gegründet worden ist. Sogar das Burgtheater hat seinen Originaljüdler, Herrn Römpler, in dem Lustspiele „Die glücklichste Zeit" und aus dem Hofoperntheater will „Die Jüdin" nicht verschwinden. Wer wünscht noch eine Brause?" Zeifsdiriften-Rundschaih Die galizischen Juden in Ungarn. Im Maihelte der Berliner Monatsschrift „Ost und West" widmet Jakob Krausz unter dem Titel „Hungaricae Res" der traurigen Lage der nach Ungarn eingewanderten galizischen Juden seine besondere Aufmerksamkeit. Der Verfasser spricht von einer „ungarischen Oalizianerfrage", deren Entwickelungsprozess und Kernpunkt er folgendermassen schildert: Diese Leute (Luftmenschen) können also nicht weit wandern. Der fallite Kaufmann kommt höchstens bis in den Wiener zweiten und zwanzigsten Bezirk, und die übrigen überschreiten einfach die galizisch-ungarische Grenze und finden in der Marmaros oder in einem Teile des Zipser Komitats das ihnen passende Milieu und die ihnen passende Atmosphäre. Und so entsteht dann die ungarische Galizianerfrage. Verachtet von ihrer christlichen Umgebung, gehasst von ihren ungarischen Glaubensgenossen, werden sie als ein unerwünschtes Element angesehen, als ein lästiger Fremdkörper, der in den Entwicklungsrahmen der ungarischen Kultur nicht eingefügt werden kann, ohne ihm Schaden zuzufügen. In diesem ai'f solche Weise enstandenen galizischen Problem in Ungarn spielen die eingewanderten Galizianer naturgemäss die traurigste Rolle. Sie sind unter allen Beteiligten an dem durch sie hervorgerufenen Widerstreit die Bedauernswertesten. Sie haben das nordöstliche Gebiet Ungarns nicht nur deshalb zum Ziele ihrer kurzen Wanderung erwählt, weil sie dort religiös Gleichgesinnte finden konnten, sondern auch deshalb, weil die nichtjüdische Umgebung zum Teil derjenigen in Oalizien ähnlich ist. Es ist das ein Gebiet, das stark von Ruthenen und anderen slavischen Volksstämmen durchsetzt ist. Der dahin eingewanderte galizische Jude findet daher nicht nur für seinen Jargon, sondern auch für seine Kenntnisse in der ruthenischen Umgangssprache eine Verwendungsmöglichkeit, ohne die Unannehmlichkeit der Unkenntnis der seinem Sprachenkreise vollständig fremden, ungarischen Landessprache im Alltagsleben sonderlich zu spüren. Aber darin liegt eben der eigentliche Kern des ganzen Problems. Gerade der Umstand, dass sie dem in Ungarn allmählich aussterbenden Jargon eine neue Pflanzstätte schaffen, ist die Hauptarsache dafür, dass die einheimischen Juden sie offen verleugnen. Die weitere Tatsache, dass sie den nichtmagyarischen Nationalitäten unbewusst neue Nahrung (?) und daher auch nene Widerstandskraft gegen die offiziellen Magyarisierungsbestrebungen zuführen, bietet der Staatsgewalt die Handhabe zu der immer häufigeren Verschärfung und übermässig strengen Ausübung der ungarischen Fremdengesetze, die sich eingestandenermassen gegen die galizischen Juden richten. Und nun noch etwas: Die genannten ungarischen Gebiete sind in jeder Beziehung kulturarm, die Erträgnisse des Bodens reichen nicht hin, um die eingeborene Bevölkerung zu nähren. Das von den galizischen Juden gewählte ungarische Einwanderungsgebiet zählt zu den notorischen Auswanderungsgebieten. Die Juden füllen dort nicht leergewordene Plätze am „gedeckten Tisch", sondern erhöhen bloss die Zahl der Hungrigen. Es liegt nun in der Gesinnung der Antisemiten und die ungarischen Antisemiten unterscheiden sich hierin nicht im Geringsten von ihren Gesinnungsgenossen anderer Länder —, dass sie in bewusster Verwechslung von Ursache und Wirkung, die Massenauswanderung der autochthonen Bevölkerung aus jener Gegend der Zuwanderung der galizischen Juden zuschreiben und daraus Waffen gegen die gesamte Judenschaft schmieden. Aber jedenfalls haben sie das eine schon erreicht, dass die ungarischen Juden so laut als möglich jede Gemeinschaft mit den unglücklichen Giaubensbrüdern von sich weisen. In diesem dreifachen Feuer nun kommt der eingewanderte Jude moralisch vollständig herunter und ist ausser Stande festen Boden zu gewinnen! flofizen. Herzliche Bitte! Eine arme Frau (Genni K.) aus Purz (Ungarn) möchte mit ihrer im Wiedener Spital schwer krank daniederliegenden Tochter nach Bad Hall fahren. Leider fehlen ihr die Mittel. Sie wendet sich daher an edle jüdische Mütter und Väter mit der Bitte um Unterstützung. Gefällige Spenden werden von der Administration angenommen und ausgewiesen. (XXXIX. k. k. Staatslotterie.) Die k. k. Lottogefällsdirektioü veranstaltet auf Allerhöchsten Befehl die XXXIX Staatslotterie, deren Reinertrag Zivilwohltätigkeitszwecken der diesseitigen Reichshälfte gewidmet ist. Die Ziehung er folgt unwiderruflich am 17. Juni 1909. Wir entnehmen dem Prospect dass auch diese Staatswohltätigkeitslotterie sehr reichlich mit namhaften Treffern ausgestattet ist. Sie enthält 18,399 Gewinste in barem Gelde im Gesamtbetrage von 513,600 K., darunter Haupttief fer zu 200.000 K., -40.000 K., 20.000 K. Die Gewinstchancen sind soweit überaus günstig. Lose ä 4 K. sind zu haben in Lottokollekturen, Tabaktrafiken, Wechselstuben, bei Postämtern, Steuerämtern usw. Briefkasten der Redaktion. Ehrwurden Herr Oberrabbiner in Zaleszczyki. Wir haben Ihr wertes Schreiben erhalten. Bei aller Achtung für Ihr geistliches Amt, können wir Ihre Lobeshymne für den Richter Samuel Melzer nicht abdrucken. Wir müßten Sie schon bitten, die in der Interpella.ion enthaltenen schweren Vorwürfe in detaillierter Form zu widerlegen. Poale-Zionist in Krakau. Die aus Anlaß des 10jährigen Jubiläums des Stanislauer poale-zionistischen Vereines „Achwah" im „Jüd. Arbeiter" aufgestellte Behauptung, daß dies der älteste Verein auf diesem Gebiete sei, ist unrichtig. Den ersten Verein für zionistische Arbeiter und Handlungsgehilfen „Achwah" hat Dr. S. R. Landau im Jahre 1898 gegründet. Dieser Verein wurde jedoch über Betreiben des damaligen zionistischen Actionscomites in hinterlistiger Weise gesprengt, und diente dazu als Werkzeug, ein Individium, das nachträglich im Kölner Bureau eine Sinekure erhalten hat. Diese Dinge werden ja noch bei der Schwurgerichtsverhandlung gegen die „Jüd. Zeitung" zur Sprache kommen. 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