Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 12 (4.6.1909)
- Date
- 1909-06-04
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „Neire National-Zeitung" Nr. 12 Wien. Der „Verein für unentgeltliche Arbeitsvermitlung an jüdische Hochschüler" veröffentlicht seinen II f. fahresbericht. Es ist bedauerlich, daß dieser so wichtige Verein bisher so wenig Gönner gefunden hat. Alle seine Einnahmen betrugen im letzten Jahre K 993 07. Und mit dieser Bilanz hat der Verein sehr viel geleistet. Er hat von 345 angemeldeten Studenten 126 versorgt, davon 90 als Hauslehrer, 30 als Hofmeister und 6 als Prafekten. Bei dem „stillen Antisemitismus", der in vielen „israelitischen" Familien Wiens bei der Wahl der Hauslehrer entscheidet, kann die Bedeutung dieses Vereines für den schwer ringenden jüdischen Studenten nicht hoch genug geschätzt werden. Brünn. Die ordentliche Generalversammlung des „Verbandes der Rabbiner Mährens und Schlesiens" findet am 10. Juni in Prerau, Hotel Haas, statt. Beginn 10 Uhr Vormittag. Tagesordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit des Vereines (Dr. F r e i m a n n). 2. Kassabericht (Dr. Tauber). 3. Stellungnahme zu dem von Vorstehern isr. Kultusgemeinden im Sitzungssaale der isr. Kultusgemeinde Wien am 4. und 5. Mai 1909 beschlossenen, der h. Regierung zu unterbreitenden Gesetzentwürfe bezüglich den Ausbau der Organisation der isr. Religionsgenossenschaft in Oesterreich (Dr. R e a c h). 4. Mitteilung der Pensionsversicherung. 5. Wahl des Ausschusses und 2 Revisoren. 6. Freie Anträge. Bei Beschlußunfähigkeit der 1. Generalversammlung findet eine halbe Stunde später eine 2. statt, die unter allen Umständen beschlussfähig ist. Die ehrw. Herren Kollegen werden hiermit herzlichst eingeladen und dringendst ersucht, zahlreich zu erscheinen. Dr. Freimann, m. p. Präsident. Dr. Oppenheim m. p. Vizepräsident. $0 alles weiraieN Nur für „katholische" Historiker! Die Akademie der Wissenschaften in Krakau hatte diesesjahr einen Barczewski-Preis von 3100 K für das beste Werk zu vergeben, welches auf dem Gebiete der polnischen Geschichte im Jahre 1908 verfasst wurde. Als die beste Arbeit musste die Jury das zweibändige Werk des Professors Simon Aszkenasy „Lukasinski* ansehen, welches die Geschichte des polnischen Freimaurertums zu Beginn des vorigen Jahrhunderts behandelt. Trotzdem erhielt Professor Aszkenasy den Preis nicht. Der katholische Stifter hatte nämlich bestimmt, das der preisgekrönte Historiker nur ein Katholik sein dürfe. . . . Eine sehr interessante Gegenüberstellung dazu ist die in der vorigen Nummer besprochene Stiftung c*es Budapester Juden Brody, dessen Preis der — Antisemit Baron Kaas erhalten hat. Eine jüdische Landwirtschafts-Ausstellung. Der Ausschuß des „Verbandes jüdischer Farmer Amerikas" hat beschlossen, während der ersten Oktoberwoebe dieses Jahres in New-Jork eine Austeilung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen seiner Mitglieder zu veranstalten. Die Bedeutung einer solchen Ausstellung in dem jüdischen Zentrum New-York für das äußerst wichtige Problem der Verteilung der einwandernden Massen auf das flache Land liegt auf der Hand, und es ist zu hoffen, daß die landwirtschaftlichen Erfolge ihrer Glaubensgenossen auch unter den Ghettobewohnera eine gesunde Strömung zu Gunsten agrikul- HireMer Betätigung hervorrufen werden. Utktrtritt zum Judentum. In Budapest sind in einer Woche des vorigen Monates drei Christen der Circumctsion unterzogen worden: das 5 jährige Söhnchen eines Arztes aus Hosszumezö (dessen Gattin mit 2 Mädchen ebenfalls zum Judentum übertrat), fetner ein 6 jähriger Knabe und der 25 Jahre alte Schuhmacher Alexander S z e c s i. Der Ito-Plan in Mesopotamien. In seiner letzten Rede erklärte Israel Z a n g w i 11, dass nach dem Misslingen des Cyrenaika-Projektes er und seine Freunde für Zwecke einer jüdischen Massenansiedlung Mesopotamien ins Auge gefasst haben. Bei dieser Gelegenheit erzählte Zangwill sogar, dass Sultan Abdul Hamid selbst unmittelbar vor Erteilung der Konstitution die Urbarmachung des Landes in Angriff genommen hat. Gegenüber den wie gewöhnlich sehr optimitisch klingenden Darstellungen des Herrn Zangwill möge auf die Mitteilung eines so hervorragenden Orientalisten wie Professor Vambery hingewiesen werden, der sich bereits im Jahre 1907 (Vergl. „Neue National-Zeitung" vom 26. Juli 1907) dem Herausgeber unseres Blattes gegenüberüber Mesopotamien folgendermassen geäussert hat: Frage: Würden Herr Professor diese Ansiedlungsprojekte befürworten? Prof. Vambery: Ich würde dieselben jedenfalls für sehr bedenklich halten. Mesopotamien ist zwar herrlich, es ist ungemein fruchtbar und gibt im Jahre zwei Ernten. Allein hier wäre die Sicherheit der Kolonisten sehr gefährdet. Ich erlaubte mir selbst an den Grossherrn die Frage zu richten, ob er die Kolonisten auch genügend gegen die benachbarten Beduinen und andere Nomadenstämme schützen könne? Leider erhielt ich darauf keine bejahende Antwort. Die gleichen Verhältnisse herschen in Kleinasien. Hier befinden sich die verschiedensten aus Russland hinausgeworfenen türkischen Elemente. Und die Nachbarschaft dieser noch wenig civilisierten Volksschichten auf der einen, die der Armenier auf der anderen Seite könnten die Sicherheit der jüdischen Elemente keineswegs garantieren." „Es wäre," betonte Professor Vambery mit Nachdruck, „ein Verbrechen, die armen verfolgten Juden nach Mesopotamien oder Kleinasien zu führen." Die Jugendschriften-Kommission der Grossloge für Deutschland. Infolge des zweiten Preisausschreibens vom März 1908 sind zwölf Arbeiten eingegangen. Das Preisrichterkollegium bildeten drei Mitglieder der Jugendschriften-Kommission: die Herren Richard Kaufmann-Stuttgart, Lr. Moses-Mannheim und Dr. Spanier-Magdebnrg, sowie die Herren Lehrer Bachrach- Altona und Meyer-Lünen, die der „Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich" ernannt hat. Auf Grund der abgegebenen Urteile hat die Jugendschriften-Kommission in ihrer Sitzung vom 19. Mai d. J. beschlossen: l. den II. Preis dem Verfasser des Kulturbildes „Die schwarze Chaje" mit dem Motto: „Fürs Judentum" zu gewähren; 2. den HI. Preis dem Lebensbilde „Ludwig August Frank 1" mit mit dem Motto: „Durch Wort und Tat" zuzuerkennen. Verfasser war Herr Oberlehrer Dr. Eugen Wölb e-B e r 1 i n. Der I. Preis konnte keiner der Arbeiten zugesprochen werden. Die Autoren der nicht preisgekrönten Arbeiten werden ersucht, ihre Adresse dem Bureau der ürossloge, Wilhelmstrasse 118 III anzugeben, damit ihnen die Arbeiten zurückgesandt werden können. Der Grabstein des Dr. Eduard Glaser. Der kürzlich auf dem alten israe 1 it. Friedhofe in München aufgestellte Grabstein des vor einem Jahre verstorbenen Arabienreisenden Dr. Eduard Glaser trägt. Eine eigenartige Inschrift. Dieselbe ist nämlich — nach Professor F. Hommels Entwurf — in der Sprache und in den Schriftzeichen der alten Sabäer (des Volkes des berühmten arabischen Landes S a b a) nach dem Muster altsabäischer, grösstenteils von Glaser selbst kopierter Grabdenkmäler abgefasst und lautet in wörtlicher Uebersetzung: „Seele und Grab des Hussein ben Abdallah, des Forschungsreisenden aus Prag. Es möge ihm schenken der Herr des Himmels Wohlgefallen seines Herzens und Glück seiner Rechten." (Zum Verständnis sei bemerkt, dass Hussein ben Abdallah der Name war, unter dem Glaser, als mohammedanischer Priester verkleidet, seine gefährlichsten arabischen Expeditionen unternahm.)