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Neue Nationalzeitung · 1909-05-21 · Heft 11 (21.5.1909) · p. Seite 9

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 11 (21.5.1909)
Date
1909-05-21
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 11 „Neue National-Zeitung" Seite 9 Jüdischen Klub gemacht haben, keineswegs so bündnisfreundlich zu sein. Nach einer Richtung wird jedenfalls der Wahlkampf in beiden Städten von grosser Bedeutung sein und zwar, ob es der allpolnischen, chauvinistisch-nationalen Partei, die sich jetzt sogar anschickt, mit der christlichsozialen Stojalowskigruppe in Verbindung zu treten, gelingen wird, ihre Kandidaten gegen alle anderen polnischen Parteien durchzubringen. Der Statthalter hat übrigens erklärt, die Bezirkshauptleute würden sich diesmal anständig, d. h. passiv verhalten. Wir werden ja sehen..... GEMEiNUS=üNö VBREkNSNÄlftRitfitW Wien. Der Verein „Einheit" veröffentlicht seinen dritten Jahrescericht. Es ist erfreulich zu lesen, dass sich dieser sehr nützliche Verein gut entwickelt. Wir lesen daiüber: „Wir geben durchschnittlich 130 Personen täglich Fleisihsuppe, 10 dkg. Fleisch mit Garnierung und Gemüse und Brot um 40 Heller und abends 80 Personen falsche Suppe, Fleisch mit Beilage und Brot um 30 Heller in guter Qualität. Es werden also bei uns im Jahre rund 77.000 Personen gespeist und die Einnahmen durch sie betragen im Jahre 30.00U Kronen. Unsere Spesen aber für Lokale, Beamte,Diener, Beheizung, Beleuchtung. Verwaltung und Führung sind auch rund 40.000 Kronen. Vur haben also jährlich 10.000 Kronen aufzubringen, das will sagen dass wir 2500 ständige Mitglieder ä 4 Kronen brauchen Das scheint uns bei der jüdischen Einwohnerzahl Wiens keine schwere Aufgabe, keine unerfüllbare Hoffnung, aber eben dazu gehören moralische Förderung, stete Mithilfe der Mitglieder, unausgesetzte Werbung.". Im letzten Jahre hat der Verein dank der Rührigkeit seines Ausschusses, an Mitgliedsbeiträgen' K 1,944-s an Spenden K 4842*56 eingenommen. %US AUEN WELSXEiLGN „Ohne Unterschied der Konfession". Herr Siegmund Brody, Zeitungsherausgeber in Budapest, hat vor einigen Jahren eine grössere Stiftung für ungarische Schriftsteller hinterlassen, deren Zinsen im Betrage von 6000 K. — jeweilig an den tüchtigsten ungarischen Schriftsteller verliehen werden sollten. In diesem Jahre wurden auch richtig die Zinsen einem der berüchtigtesten antisemitischen Hetzer zugewiesen u. zw. an den Wortführer der klerikalen Volkspartei Baron Ivor Kaas. Auch Herr Dr. Heinrich Fries in Wien, Schwiegersohn des verstorbenen Abgeordneten Arnold von Rappaport, weiss mit seiner Spende von 10.000 K nichts besseres zu tun, als sie dem Bürgermeister von Wien zur Verteilung an Arme ohne Unterschied der Konfession zu übergeben. Natürlich werden die jüdischen Armen von diesen 10.000 K das Allerwenigste erhalten. Die Judentaufen in Ungarn. Das Beispiel der Kinder des verstorbenen Präsidenten der Kultusgemeinde von Budapest, Moritz Wahrmann, die sich alle taufen Hessen, scheint sehr ansteckend auf die jüdischen Oberen Zehntausend gewirkt zu haben. Der neueste Fall betrifft nun den Präsidenten des Kuratoriums des Landesrabbinerseminars Herrn Josef Deutsch de Hatvany. Dieser Fall liegt allerdings nicht so einfach, er ist vielmehr äusserst romantischer Natur. Herr von Deutsch hat nämlich das Bedürfnis empfunden, sich nach berühmten Mustern einen christlichen Baron als Schwiegersohn zu kaufen. Merkwürdiger Weise kam diese „glänzende" Partie nicht zu stände, da das Mädchen Widerstand leistete. Bei der reh'gijsen Erziehung im Hause Deutsch-Hatvany waren es allerdings keine religiösen Momente, die sie von dieser Verbindung zurückhielten: sie hatte einfach selbst eine Wahl getroffen. Der Zufall wollte es, dass sie dem jüdischen Bauunternehmer Emerich Freund ihre Gunst schenkte. Allein Papa Seminarpräsident erklärte, diese Ehe nie anzuerkennen und seiner Tochter keinen Heller Mitgift zu geben. Trotzdem fand in den letzten Tagen die Vermählung des Frl. von Deutsch mit Herrn Emerich Freund im Tabaktempel statt. Der Herr Papa samt Famlie der Braut waren abwesend. So etwas ist allerdings den drei „Kirchenvätern" im Wiener Kultusvorstande nicht passiert. Abgeordneter Or. B. Straucher, Ehrenbürger von Czernowitz. Die Gemeindevertretung von Czernowitz hat den Abgeordneten Dr. B. Straucher zu ihrem Ehrenbürger ernannt. Diese Auszeichnung wurde dem genannten Abgeordneten durch folgendes Telegramm des Bürgermeisters Baron Fürth zur Kenntnis gebracht: „Der Gemeinderat hat Euer Hochwohlgeboren, seinem langjährigen Mitgliede in dankbarer Würdigung Ihrer hervorragenden Verdienste um Stadt und Land das Ehrenbürgerrecht verliehen. Es freut mich, Ihnen namens des Präsidiums die herzlichsten Glückwünsche auszudrücken." Die Kundgebung für Dr. B. Straucher erfolgte einmütig. Der Selbstmord des Einjährigen Bloch. Der in unserer letzten Nummer behandelte „hall Bloch", dessen erste Verhandlung vor dem Kriegsgerichte in Mülhausen sowohl wegen der Milde der gegen den Angeklagten erkannten Strafe als auch wegen der Haltung des Vertreters der Anklage und anderer Absonderlichkeiten der Prozessführung weit über die Grenzen des Elsass hinaus berechtigtes Aufsehen erregt hatte, wurde am 15. d. M vor dem Oüerkriegsgericht in zweiter Instanz verhandelt, da sowohl die Anklagebenörde, als auch der Angeklagte selbst gegen das erstinstanzliche Urteil, welches auf swei Tage Stubenarest gelautet hatte, Berufung einlegten. Trotz der zahlreichen antisemitischen Beleidigungen, welche wiederum festgestellt wurden, nahm das Gericht keinen ursächlichen Zusammenliang dieser Vergehen mit dem tragischen Ende des Einjährigen Bloch an. Der Vertreter der Anklage beantragte eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten. Der Gerichtshof hielt eine weit mildere Beurteilung am Platze und erkannte nur auf eine Strafe von 15 Tagen btubenarrest, wegen vorschriftswidriger Behandlung und Beleidigung eines Untergebenen. Wir glauben nicht, dass damit schon das letzte Wort gesprochen ist. (XXXIX. k k. Staatslotterie.) Die k. k. Lottogefällsdirektion veranstaltet auf Allerhöchsten Befehl die XXXIX Staatslotterie, deren Reinertrag Zivilwohltätigkeitszwecken der diesseitigen Reichshälfte gewidmet ist. Die Ziehung erfolgt unwiderruflich am 17. Juni 1909. Wir entnehmen dem Prospeci, dass auch diese Staatswohltätigkeitslottcrie sehr reichlich mit namhaften Treffern ausgestattet ist. Sie enthält 18,399 Gewinns'.e in barem Gelde im Gesamtbetrage von 513,600 K., darunter Haupttreffer zu 200 000 K., 40.000 K., 20.00Ü K. Die Gewinstchancen sind soweit überaus günstig. Lose ä 4 K. sind zu haben in Lottokollekturen, Tabaktrafiken, Wechselstuben, bei Postämtern, Steuerämtern usw. Hochfeines natürliches Tafelwasser Klösterle _ Narürlicher Sauerbrunn Lirhion-Quelle. von Klösteile bei Karlsbad. — Ueberall zu haben. Niederlage: Wien, l.v Sonnenfelsgasse 4.

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