Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 11 (21.5.1909)
- Date
- 1909-05-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 11 „Neue National-Zeitung" Seite 7 Das flsyl für mittellose kranke Israeliten in Hieran. In Meran fand jüngst die Eröffnung des „Asyls für mittellose kranke Israeliten" statt. Herr Rabbiner Dr. K u r r e i n beleuchtete vor einem zahlreichen Publikum den edlen Zweck des neuen Hauses, das ganz auf Wohltätigkeit gegründet ist und durch rechtzeitiges Eingreifen den Mittellosen ermöglichen soll, Gesundheit und Berufsfältigheit wieder herzustellen. Die neue Anstalt ist nicht für Sieche bestimmt, sondern nur für solche, die heilungsfähig sind und durch, den Aufenthalt in Meran ihre volle Kraft und Gesundheit erlangen können. Der grösste Teil der 1—2 bettigen hellen, luftigen Krankenzimmer — es sind im ganzen an 60 — ist gegen den Süden gerichtet und mit offenen, von der Südsonne bestrahlten Liegebalkons versehen; das Haus ist mit Zentralheizung, elektrischer Beleuchtung, einem Personen- und Speisenaufzug ausgestattet; in jedem Stockwerk findet sich ein grosser Raum als Tagraum, im Parterre überdies ein Lesesaal und der herrliche Speisesaal. Das Asyl wurde von dem hiezu gegründeten Verein unter dem Präsidium der Herren Dr. Koref und Dr. Herscli erbaut. Der Verein wendet sich nunmehr an die jüdische Oeffentlichkeit mit der Bitte um Unterstützung, Dieser Aufruf schließt mit dem Apell: „Wir bitten deshalb genossen den, unserem '-MJtÖigS * ' jfe'.. A DAS JÜDISCHE ASYL IN MERAN alle unsere Glaubens uns zu unterstützen, uns Gelder einzusen Vereine als Mitglieder beizutreten damit wir imstande sind, die Verpflegskosten für unsere Pfleglinge zu bestreiten, dieselben ihrer Krankheit entsprechend zu nähren und auf diese Art und Weise uns behilflich zu sein, daß wir unsere armen Glaubensgenossen wieder ihrem Berufe zuführen können. Wir glauben keine Fehlbitte getan zu haben, und bitten die milden Gaben an die Adresse: „Verein Asyl für mittellose kranke Israeliten in Meran" oder Dr. Wilhelm Hersch, Meran, Winkelweg, gütigst einzusenden." 0RR6SP0NDeNZCN Israelitische Allianz. (36. ordentliche Generalversammlung.) Wien, 17. Mai. Am 13. d. fand im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde die 36. ordentliche Generalversammlung der „Israelitischen Allianz zu Wien" unter dem Vorsitze des Präsidenten, Herrn David Ritter von Gutmann, statt. Wie alljährlich hat sich auch heuer die ganze „Sache" rasch abgewickelt. In einer Viertelstunde T war man mit allem fertig. Ueber Antrag des Herrn D. Rott er, Sekretär der I. C. A., wurde von der Verlesung des Jahresberichtes, da sich derselbe bereits seit mehreren Tagen in den Händen der Mitglieder befand, Abstand genommen und der Bericht über die Tätigkeit der Organisation im verflossenen Jahre einstimmig ohne Debatte zur Kenntnis genommen. In gleicher Weise wurde der Bericht über die finanzielle Gebahrung im Berichtsjahre einstimmig genehmigt. Die turnusmässi gausscheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren kais. Rat Bernhard Pol lack Edler von Parnau, Emil Horner, Dr. Arthur Kur an da, Julius Reitlinger und Reichsratsabgeordnetcr Camillo Kuranda, Ministerialrat i. P., werden per Akklamation mit vierjähriger Funktionsdauer wiedergewählt. Der Vorsitzende hielt sodann den im verflossenen Jahre mit Tod abgegangenen Freunden und Förderern der „Allianz" einen warmen Nachruf, der von der Versammlung zum Zeichen der Trauer stehend angehört wurde. Insbesondere gedachte Herr von Gutman der Tätigkeit des langjährigen Vorstandsmitgliedes Herrn Emanuel Baumgarten. Hierauf dankte Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer der Allianz im Namen des Kultusvorstandes und Rabbiner Dr. F e u c h twang im Namen der Vereinsmitglieder. Es war also eine idyllische Versammlung, wie sich alte, ruhebedürftige Herren kaum schöner wünschen könnten. Die Aktionen der Allianz im abgelaufenen Vereinsjahr und in der Zukunft haben zu keiner Diskussion Anlass gegeben; sie sind ja am Papier. David von Gutmann gegen den Gemeindetag. Einen kleinen Misston brachte erst der Präsident David von Gutmann zum Schlüsse in die Versammlung. Er hielt es in seinem Schlussworte für angezeigt, auch seine Meinung über den abgehaltenen Gemeindetag auszusprechen, Er bemerkte: „Ich bin ein Vormärz jud et Ich sage daher: Wir Juden müssen möglichst ruhig sein und still sitzen. Bleiben wir ruhig u n d b e s c h e i d e n." Die jüdische Oeffentlichkeit wird sich schwerlich nach den Worten des Multimillionärs richten. Er kann ja leicht anderen „Ruhe und Bescheidenheit" predigen, denn ihm schadet sein Judentum nicht, er macht damit noch, gute Geschäfte, denn es bringt ihm hohe Ehrenstellen ein. Was dieser Greis selbstgefällig Ruhe und Bescheidenheit nennt, sehen aber viele tausende Juden als Feigheit oder als Ausfluß des Strebertums, speziell bei jenen an, die für jüdische Zwecke kein Geld haben und sirh trotzdem geehrt fühlen, wenn man sie für deutsch-nationale Studentenzwecke anschnorrt. Die Meinung des Herrn David v. G u t m a n n ist wohl nur für Leute maßgebend, die von ihm abhängen. Uns hat es nur belustigt, daß dieser große Herr durch die scharfe Kritik des Gemeindebundes seinen Nachbar, den neben ihm sitzenden Vizepräsi-