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Neue Nationalzeitung · 1909-05-21 · Heft 11 (21.5.1909) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 11 (21.5.1909)
Date
1909-05-21
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 11 „Neue National-Zeitung" Seite 5 Kirchenräte, dem alten Baume des Judentums aufpropfen. Darum wiederholen wir; unsere Meinung ist: „Es bleibt alles beim Alten." * Die zu schaffende Organisation soll sich auch auf den Religionsunterricht erstrecken. Lehrer, Lehrplan, Lehrbücher sollen von ihr die Sanktion erhalten. Wir sind allerdings der Meinung, dass in unserem Religionsunterrichte namentlich, es auf die Person des Lehrers ankommt. Kein Lehrplan, kein Lehrbuch kann diesen ersetzen. Der Lehrer muss unter Berücksichtigung der jeweiligen örtlichen Verhältnisse und seines Schülermaterials den Unterricht erteilen. Wir sind dabei durchaus nicht der Meinung eines Herrn Rabbiners der Wiener Kultusgemeinde, der in einem langatmigen Artikel in einem Wiener jüdischen Blatte dem Gedanken Raum gab, der Lehrer müsse alles vermeiden, um sich nicht in einem Gegensatz zum Hause zu stellen, in dem die Religion als quantite negligeable behandelt wird. Der jüdische Religionslehrer muss > ielmehr den Mut besitzen, die Lehren der Religion den Schülern als heilige hinzustellen, ob man nun zuhause darüber lacht, oder sie ausübt. Traurig ist es um das jüdische Haus bestellt, in dem man den Unterricht in der Religionslehr-e bespöttelt. Zur Ehre der jüdischen Eltern wollen wir annehmen, dass dies nicht geschieht. Und, wenn es geschehen sollte, mögen sich vielleicht die betreffenden Lehrer fragen, ob sie daran ganz unschuldig sind . . . Doch wenn die neue Organisation auch den Religionsunterricht in den Bereich ihrer ausgebreiteten Tätigkeit ziehen will, warum fragen wir neugierig, wie wir schon sind, wurde kein einziger praktisch tätiger Schulmann zu den Vorberatungen in die Delegation herangezogen? Wie wird man die Lehrpläne, die übrigens in ihrer Giltigkeit für die Gesamtheit der Schulen mit ihren verschiedenen Bedingungen, eigenartigen Verhältnissen, mit ihrer variierenden Schülerzabl und veischiedenartigen Abteilungen, ein Ding der Unmöglichkeit sind, konstruieren? Man sieht eben wieder, wie wenig Kenntnis diejenigen, welche eine Organisation schaffen wollen, von den ureigensten Bedürfnissen des Religionsunterrichtes besitzen. Doch wird man mir entgegenstellen: Da sollen die Rabbiner eingreifen! Aber diese sind nicht überall Religionslehrer, die Funktionen wie Trauungen und Begräbnisse, halten sie davon ab, dem Unterrichte jene Aufmerksamkeit und jenes Augenmerk zuzuwenden, dessen diese wichtigste Aufgabe des Judentums in unseren Tagen bedarf. Vom grünen "Tische aus lässt sich leicht dekretieren, tadeln, nörgeln. Aber der Unterricht ist ein Praktikum und bedarf geschulter Männer, welche pädagogisch zu lehren, Disziplin zu halten und zu unterrichten, ebenso. wie zu erziehen verstehen. Wir besitzen solche Männer, aber man ging über ihre Köpfe zur Tagesordnung über. Die Kantoren haben gegen ihre Uebergehung protestiert, vielleicht hätten es auch die Schächter getan, nur die Religionslehrer haben sich ihre Nichtbeachtung gefallen lassen. Man wird Lehrpläne ohne sie fabrizieren. Sie werden danach ausfallen. Die Advokaten können ja?lles. Aber „eswird beim Alten bleiben". Und dies wird auch das Beste an der Sache sein. * Zum Schlüsse können wir es nicht verhehlen, dass es uns zur Heiterkeit stimmte, als wir hörten, wie der tschechisch-deutsche Streit, an dem wir in Oesterreich leiden, auch in diese jüdische Organisation getragen wurde. Heiter, auch in ernster Zeit. Man begnügte sich nicht, einen tschechischen und deutschen Verband für Böhmen zu verlangen, man möchte auch Mähren mit den Segnungen eines doppelsprachigen Verbandes beglücken. Das fehlte noch Zu den konfessionellen sollen auch die nationalen Reibungen kommen. In Mähren ist es wahrlich noch nicht soweit gekommen, dass man tschechische Vertreter in der Organisation bedürfte. Richtig ist, dass in vielen Gemeinden Mährens die Juden bei den Wahlen mit den Tschechen gehen, dazu zwingt sie die Not der Zeit, der Boykott, die wirtschaftliche Ausschliessung. Ueber ihre Angelegenheiten werden doch wohl aber die Juden in der Sprache beraten dürfen, die ihnen beliebt. Wer dies nicht einsieht, ist mit Blindheit geschlagen. Solche Chauvinisten sind wir doch ^ohl nicht. Es fehlte noch zu beantragen, man möge einen nationalen Ausgleich zwischen deutschen und tschechishen Juden schaffen, oder vielleicht ein Sprachengesetz statuieren. Man sieht, welche Blüten der Kampf, in dem wir uns befinden, zeitigt. Man spricht von Frieden, und es ist kein Frieden. Weil wir selbst die Zankäpfel in unsere Mitte werfen, das Wichtigtun bei vielen die Hauptsache zu sein scheint. Dass wir einer Organisation bedürfen, wird niemand leugnen. Aber diese Organisation hätte alles Scheidende auszuschalten und dort einzusetzen, wo uns der Schuh drückt, das ist in unserem wirtschaftlichen und politischen Leben. Jede Verletzung der Staatsgrundgesetze Juden gegenüber müsste diese Organisation abwehren. Die religiösen Fragen mögen diejenigen ordnen, denen es obliegt, soweit es nicht zu spät ist, einer solchen leligiösen Organisation näher zu treten. Wir fürchten, es sei in dieser Richtung von den kompetenten Faktoren vieles versäumt worden und das Schiff der Religion habe seine Manövrierfähigkeit verloren . , . Die Regierung wird einen Einblick in die Zwistigkeiten erhalten, die uns zerklüften. Es wird Proteste gegen diesen Organisationsentwurf regnen, und wir besorgen, es wird als „schätzbares Material" irgend einem Archive im Ministerium einverleibt werden. Sein Hauptfehler besteht wohl darin, dass er nicht aus dem Volke hervorgegangen ist, sondern aus der Mitte von Männern, die alles vermeiden, was sie mit den Bedürfnissen des Volkes in Berührung bringen könnte. Man will uns mit „indirekten Wahlen für die Landesverbände" beglücken. Diese Worte sprechen Bände. Aber wir glauben, es werde „alles beim Alten bleiben". Die Regierung hat das letzte Wort zu sprechen. Eine Versammlung der gafizisdien Süden, Wien, 16. Mai. Die am jüdischen Gemeindetage gegen die galizischen Juden seitens mehrerer Delegirten gemachten Aeusserungen haben in den weitesten Kreisen der hiesigen galizischen Juden eine Beunruhigung hervorgerufen. Man hielt es für bedenklich, Ausdrücke wie „galizische Stampiglien-Kultur," die aus dem Munde eines jüngst aus Deutschland nach Brünn eingewanderten Rabbiners gefallenen sind, oder die anmassende Enurciation des Brünner Kultuspräsidenten, „Galizien soll uns mit seinen Luftmenschen in

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