Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 10 (7.5.1909)
- Date
- 1909-05-07
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 „Neue National-Zeitung" Seite 0 Mangels dieser gewichtigen Momente, konnte der Bericht der Parteileitung nicht befriedigen. Was die Präge „Zionismus und Landespolitik" betrifft, die zugunsten der letzteren entschieden wurde, so ist Nachstehendes zu bemerken: Wenn behauptet wurde, durch Landespolitik werde die Palästinaarbeit im Inlande vernachlässigt, und deshalb die Parole „Weg mit der Landespolitik", ausgegeben wird, so ist Letzterem folgendes entgegenzuhalten. Die Landespolitik als das Erwecken des politischen Verständnisses im jüdischen Volke, ist für den Zionismus geradezu fördernd, denn durch das Erwachen des nationalen Bewusstseins im Volke, wird doch dieses dem Zionismus näher gebracht. Schliesslich ist es vom staatsbürgerlichen Standpunkte aus im Interesse unseres Ansehens und unserer Selbstachtung im Verhältnisse zu den anderen Nationen dieses Landes unbedingte Pflicht, selbständige, unabhängige, demokratische Politik zu treiben. Es frägt sich nur, wer diese Politik führen soll und wie. Wenn im Sinne des Antrages Dr. Ringel die Landespolitik „nur von Zio nisten" gefühlt werden soll, so muss dem entgegengehalten werden, dass sowohl diejenigen, welche kontra stimmten, als auch die, welche sich der Abstimmung enthielten, von solch einem entarteten Zionismus sich abwenden müssen. Es wird ihnen dann vielleicht von einer Seite vorgeworfen werden, sie wären Reaktionäre, ledig jedes modernen politischen Denkens. Dem ist aber nicht so. Sie wollen eine politische Betätigung und sind sogar für eine radikalere Taktik. Aber sie sprechen der zionistischen Leitung die Kompetenz ab. Die Landespolitik als Gegenwartsarbeit absorbiert vollständig die Kraft der Parteileitung, was am besten durch die totale Vernachlässigung des palästinensischen Zionismus bewiesen wird. Es ist daher im Interesse des Zionismus und einer ernsteren Landespolitik nötig, dass diezionistischeZentrale nur auf die zionistische Tätigkeit beschränkt werde. Die Landespolitik als eine nationale Arbeit miisste von einem jüdischen Nationalrate (dem Schreiber dieses einigemal in der jüdischen Presse das Wort redete), dem Zionisten und Nichtzionisten anzugehören haben, kurz von bewährten nationalbewussten Männern geleitet werden. Wenn in den leitenden zionistischen Kreisen Lembergs über die Annahme des Antrages Ringel gejubelt wird, so sei den Herren gesagt, dass zahlreiche Anhänger bereits erklären, dieser Beschluss sei der Todesstoss des Zionismus in Galizien und werde eine Spaltung der Partei und zwar in eine rein zionistische und eine politische nach sich ziehen. ffOP^eSPCNDeNZCN Eine Duellforderung Dr. Mahl er — Dr. Gabel. Wien, 3. Mai. In einer der letzten Nummern der „Jüdischen Zeitung" wurde Abg. Dr. Mahler wegen seiner Haltung anlässlich der Intervention des Jüdischen Klubs für die bosnischen Juden vom Abg. Dr. Gabel angegriffen. In Folge dieses journalistischen Angriffes sah sich Dr. Mahler veranlasst, seinen Klubgenossen Dr. Gabel zum Duell zu fordern. Schliesslich wurde dieser Ehrenhandel durch eine Erklärung des Dr. Gabel gütlich beigelegt. Es ist in der Geschichte der parLmentischen Duelle der erste Fall, dass sich Mitglieder eines und desselben Klubs fordern. Ein jüdischer Generalstabsarzt. Wien. Anlässlich des letzten Mai-Avancements wurde Oberstabsarzt Dr. Salomon Kirchen berger zum Generalstabsarzt ernannt. Diese Ernennung, die in der verflossenen Aera Uriel unmöglich wäre, ist ein Beweis, dass der neue Chef des militärärztlichen Offizierskorps, Professor R. von Kratschmer, in einer gerechteren Weise den Pflichten seiner Stellung nachzukommen bestrebt ist, als es unter seinem Vorgänger der Fall war. Wir wollen hoffen, dass die Gesuche jüdischer Aspiranten um Verleihung von Stipendien oder Aufnahme in das Korps ebenfalls eine gerechte Beurteilung finden werden. Beim letzten Avancement liaben wir noch folgende Beförderungen zu verzeichnen: In der Landwehr Oberstabsarzt II. Klasse Dr. Bäcker zum Oberstabsarzt I. Klasse, weiters im Meere zwei Stabsärzte zu Oberstabsärzten II. Klasse und ein Regimentsarzt zum Stabsarzt. GE£MEiNU£= UN» VSR5kNSNAlfiRitWW Wien. Die 3a. ordentliche Generalversammlung der „Israelitischen Allianz zu Wien" findet am Donnerstag, den 13. Mai 1909 um 6 Uhr abends, im Saale der israelitischen Kultusgemeinde, 1., Seitenstettengasse 4, 2. Stock, mit folgender Tagesordnjng statt: 1. Bericht über die Tätigkeit des Vereines im Jahre 1908. 2. Bericht über die finanzielle üebahrung im Jahre 1908. 3. Wahl von fünf Vorstandsmitgliedern mit vierjähriger Funktionsdauer. 4. Etwaige Anträge der P. T. Mitglieder (§8 der Statuten.) Der Eintritt in das Versammlungslungslokal ist nur gegen Vorweisung der auf Namen lautenden Einladungen gestattet. Wien. Die Lese- und Redehalle jüdischer Hoch schüler veranstaltet Sonntag, den 9. Mai 1909, 10 Uhr Vormittags, eine wissenschaftliche Excursion auf den alten Judenfriedhof in der Seegasse, unter der Führung des Herrn Dr. B. Wach stein. Alle diejenigen, die sich für den altehrwürdigen jüdischen Friedhof, sowie für die erfolgreichen Arbeiten Dr. Wachsteins zur Erforschung dieser historischen Sehenswürdigkeit interessieren, sind höflichst zu dieser Excursion geladen. Zusammenkunft Sonntag, 9. Mai 10 Uhr, IX., Seegasse vor de n jüdischen Versorgungshause. Wien. (Verein der Sabbatfreunde „Schonire Schab bos") Montag, 10. Mai, 8 Uhr abends, findet im Hotel Central, IJ., Taborstrasse, der erste Vortrags- und Diskussionsabend statt. Herr Moritz A. Loeb aus Frankfurt a. M. Vorsitzender des leichsdeutschen Verbandes der Sabbatfreunde wird über „Der Sabbat im Kulturleben der Gegenwart" sprechen. Gäste, auch Damen, w illkommen. tyjß AUEN wenraiLM Chief-Rabbi Dr. Adler von Grossbritannien feiert am 30. Mai seinen 70. Geburtstag. Die vereinigten Synagogen haben daher ein besonderes Komitee eingesetzt, um einen Fonds zu schaffen, der verschiedenen Zwecken gewidmet sein soll, z. K der Herstellung eines Porträts des Chiefrabbi sowie eines illustrierten Albums mit Unterschriften der Zeichner, der Schenkung einer Silberplastik von geschichtlichem jüdischen Interesse, was alles dem Chiefrabbi über-