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Neue Nationalzeitung · 1909-05-07 · Heft 10 (7.5.1909) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XI (1909)
Issue
Heft 10 (7.5.1909)
Date
1909-05-07
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 „Neue National-Zeitung" Seite 7 Wahlrechtes mit dem allgemeinen Wahlrecht die Versammlung zu verwirren suchten. Zu diesem Paragraphen wurde seitens der Rabbiner Dr. K u r r e i n und Dr. David beantragt, dass der in den Landesverband zu berufende Rabbiner nicht von der Verbandsleitung zu berufen, sondern von sämtlichen Rabbinern des Verbandsterritoriums zu wählen sei. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Dr. Straucher beantragt, im Sinne eines von einer jüdischen Volksversammlung in Radautz gefassten Resolution, dass wenn am Sitze des Landesverbandes sich mehrere Rabbiner befinden, ein Rabbiner von der fortschrittlichen und einer von der orthodoxen Richtung zu berufen sei. Dieser Antrag wurde angenommen, jedoch nur für Oalizien und die Bukowina. Zweiter Beratungstag. Die Debatte stand an diesem Tage nicht mehr auf der Höhe des ersten Tages. Die Versammlung war schwächer besucht und die Delegierten waren offenbar bemüht, „fertig zu werden." Die meisten Paragraphen des Entwurfes wurden daher en bloc angenommen und nur in einzelnen prinzipiellen Fragen ergab sich eine lebhafte Diskussion. Besonders interessant war es, als Oberrabbiner Dr. Güdemann den Antrag stellte, den am ersten Beratungstage bereits angenommenen § 6 im Wege einer Reassumierung dahin abzuändern, dass den Rabbinern, die bekanntlich kein passives Wahlrecht für den Kultusvorstand besitzen, dieses passive Wahlrecht für die Landesverbände eingeräumt werde. Die Autorität des Herrn Oberrabbiners hat jedoch diesmal, wenigstens bei den auswärtigen Delegierten, versagt, und sein Antrag wurde abgelehnt. Im § 7 („Wirkungskreis der Verbandsversammlung" — vgl. den Text in der vorigen Nummer) war der Absatz h, betreffend „die Feststellung der Lehrpläne für den Religionsunterricht, sowie die Qualifikation der Rabbiner" Gegenstand eingehender Beratung. Es machte grossen Eindruck, als Dr. Spitzer (Wien) tür die galizischen Juden und die ihnen schuldige Achtung in sehr warmer Weise eintrat. Von den verschiedenen Amendements zum §7. wurde lediglich folgender Zusatzantrag Dr. Strauch e r s angenommen: „Die Feststellung jener Mittel, die dazu dienen sollen, den Geist der Zusammengehörigkeit und des Selbstbewusstseins im jüdischen Volke zu heben, jüdisches Wissen und die Kenntnis der jüdischen Geschichte zu fördern, Wohlfahrt und Kultur unter den Juden zu verbreiten". Der Antrag des Doktor Grüner, den Landesverbänden die Kontrolle über die Geschäftsgebahrung der Kultusgemeinden einzuräumen, wurde jedoch abgelehnt. Die restlichen Paragraphe, speziell die, welche den Wirkungskreis des Reichsverbandes und des Oberrates betrafen, wurden en bloc angenommen. Hingegen wurden bezüglich der Zahl der von den einzelnen Landesverbänden in den Reichsverband abzusendenden Delegierten einige Aenderungen vorgenommen. Es delegieren sonach Triest 3, Czernowitz 7, alle anderen Verbände, mit Ausnahme von Wien und Prag, welche 10 Delegierte absenden, je fünf Delegierte. Der Gemeindetag wurde um 2 Uhr nachmittags mit nachstehender Ansprache des Präsidenten Dr. Stern geschlossen. Schlussrede des Präsidenten. Meine Herren! Leider hat diese Versammlung mit Protesten begonnen, sie hat auch in ihrem Verlaufe Proteste zu verzeichnen. Mit Ach und Krach ist dieser Entwurf doch zu stände gekommen. Und da möchte ich nun den Herren Dr. Sonnenschein und Dr. Fialla, die diesen Entwurf mit grosser Mühe ausgearbeitet haben, meinen herzlichsten Dank aussprechen. Nun wollen wir schauen, was wir damit anfangen werden. Es liegt an uns, die weiteren Schritte zu unternehmen, und ich möchte glauben, dass wir mit denselben das Präsidium der Wiener Kultusgemeinden betrauen sollen. Sie können überzeugt sein, dass ich und Herr Dr. Kohn auch ferner Zeit finden werden, obwohl wir auch durch vieles andere in Anspruch genommen sind. Ich hoffe, dass es uns gelingen wird, die dissentierenden Elemente zu beruhigen. Es ist traurig, dass wir Glaubensgenossen haben, die da sagen, sie haben mehr Zutrauen zu einem Christen als zu uns, und ich glaube, dass sie zu einer besseren Meinung kommen werden. Mit Dankesworten des Herrn Giesinger an den Präsidenten endete sohin die Versammlung. ein „jüdischer" Richter als - Huligan. Eines der beliebtesten Mittel, polnischen Patriotismus in die jüdische Bevölkerung Galiziens zu tragen, bildet jetzt die Gründung von „Bernard Goldmann Lesevereinen", so benannt, weil der verstorbene Herr Goldmann sich im Jahre 1863 an der polnischen Revolution beteiligt und später als Kassier der Lemberger Hypothekenbank stets den nationalen Kontusz getragen hat. Diese Vereinsmeierei ist für einige Streber, Richter und Gymnasiallehrer, ein Mittel, mit ihrem polnischen Patriotismus zu renommieren und dadurch Karrriere zu machen. Es bleibt aber bei dieser Vereinsmeierei allein nicht. In ihrem Zeloteneifer pflegen diese Streber selbst vor Gewaltakten, vor Missbrauch ihrer Amtsgewalt nicht zurückiuschrecken und zahlreiche vernichtete Existenzen, ja selbst Leichen, bilden die Stufenleiter, über welche dieser Abschaum des Judentums hinaufzusteigen sich bemüht. In der Parlamentssitzung vom 28. April d. J. hat der unermüdliche Freund unseres Volkes, Abgeordneter Ernst Breiter, an den J u s t i z m i n i st e r eine Interpellation gerichtet, in der die Ver worfenheit eines solchen „Patrioten", des Richters Samuel Melzer in Zaleszczyki, an der Hand eines haarsträubenden Materiales geschildert wird. Diese Interpellation lautet: „Wie weit die Korruption bereits vorgeschritten ist, dafür möge das Vorgehen des Strafrichters Samuel Melzer in Zaleszczyki als Beispiel dienen. Dieser Strafrichter Melzer ist in seinen Mussestunden Vorsitzender eines polnisch-assimilatorisch-jüdischen „Bernard Goldmannschen Lesevereines". Wie er diese Würde mit dem Amt eines k. k. Strafrichters im Einklang zu bringen versteht, dafür nur wenig Beispiele. Der Richter Melzer duldet keinen Vergleich. In Zaleszczyki besteht ein jüdischer Unterstützungsverein, dessen Mitglieder in Opposition zur bisherigen korrupten, unehrlichen und verwerflichen Kahalsmisswirtschaft und unter anderem sich zur jüdischnationalen Idee bekennen. Dieser Verein ist dem sattsam bekannten politischen Wegelagerer Bürgermeister von Zaleszczyki, Herrn Dr. Blutreich, sowie auch dem Herrn Strafrichter Melzer, als

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