Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XI (1909)
- Issue
- Heft 9 (23.4.1909)
- Date
- 1909-04-23
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9. „Neue National-Zeitung" Seite 7. möglich sei, den jüdischen Sabbat 24 bis 26 Stunden lang zu beobachten und doch sieben Tage in der Woche Geschäfte zu verrichten. Der Gerichtshof erklärte, er könne keine Basis für die Anklage finden, da, wie er feststellte, § 264 des Strafgesetzbuches diejenigen, die den jüdischen Sabbat halten, von der Anlange wegen Ueberfretung des Sonntagsruhe-Gesetzes ausschliesst. Detektiv Silverstein wies dann darauf hin, dasj die Gesetzgebung, Kapitel 677 des Gesetzes von 1892, abgeändert im Jahre 1894, bestimme, ein Kalendertag umfasse die Zeit von Mitternacht an. Nach dem Gesetz sei also unter einem Kalendertage Sonntag wie jeder andere Tag in seiner ganzen Ausdehnung zu verstehen. Daher sei es für jeden gesetzwidrig, während des ganzen Sonntags Geschäfte zu verrichten. In Bezug auf diese Behauptung meinte der Gerichtshof, die Definition des Kalendertages könne nicht in Betracht gezogen kommen, gegenüber dem § 25t, der den jüdischen Kaufteuten besondere Privilegien für den Sonntag erteile. Der Richter sagte, dass, wenn man die Frage von dem Standpunkte aus betrachte, welchen Zweck das Strafgesetzbuch in seiner Verordnung verfolge, es klar sei, dass dasselbe dahin ziele, Kaufleuten jüdischen Glaubens dieselben Privilegien einzuräumen, wie den Christen, und dass die statutarische Gesetzgebung in dem vorliegenden Falle nicht als Beweis-Beleg gelten könne, weil diese die Bestimmung, wie sie im Gesetzbuche dargestellt sei, ungiltig mache. Er behauptete, dass die Wirkung der statutarischen Gesetz-Auslegung jüdischen Kaufleuten, die ihre Religionsgesetze halten, einen Druck auferlege, weil sie gezwungen' wären, ihr Geschäft ausserdem noch sechs Stunden zu schliessen, um dem staatlichen Sonntags-Ruhegesetze nachzukommen. „Nun, ich betrachte die Frage nach der Richtung, ob wir in Jerusalem oder in den Vereinigten Staaten wohnen", sagte Detektiv Silverstein. Mr. Babrovvski erwiderte, dass der Stifter der christlichen Religion den jüdischen Sabbat auch gehalten habe. Der Richter Mc. Kennel verkündete, dass er zu der Streitsache ein Memorandum verfertigen würde, zur Nachachtung für die Polizei, wenn diese zur Verhaftung jüdischer Kaufleute, die ilre Läden Sonntags offen halten, aufgefordert werde. GEMEINU5üno V5R5iNSNGUtö»craW Wien. („Oesterreichisch - Israelitische Union") Samstag, den 24. April 1909, abends halb 8 Uhr, findet im Restaurant Guth, II., Stefaniestrasse 14, die G e n e r a 1 v e r - Sammlung der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" statt. Tagesordnung: 1. Mitteilungen des Vorstandes. 2. Rechenschaftsbericht. 3. Kassabericht. 4. Wahlen in den Vorstand. 5. Anträge und Interpellationen. 6. Diskussion. Wien. Kürzlich fand in Floridsdorf eine Versammlung zum Zwecke der Konstituierung der Ortsgruppe Wien VII (XXI. Bezirk) des Galizischen Hilfsvereines statt, der ungefähr 30 Mitglieder beiwohnten. Den Vorsitz führte Herr Rabbiner Dr. M. Rosen mann. Von der Vereinsleitung waren erschienen die Herren Bankier Hugo Tugendhat und der Sekretär des Hilfsvereines, Herr Dr. W i 1 h e 1 m L ö w y. Letzterer hielt einen Vortrag über die Ziele und die Tätigkeit des Hilfsvereines, der von den Anwesenden mit Beifall aufgenommen wurde. In den Vorstand der Ortsgruppe Wien, VII., wurden folgende Herren gewählt: Dr. M. Rosen mann, Rabbiner, zum Obmanne, Ignaz Buchwald, Kaufmann, zum Obmann-Stellv., Beny Deutsch, Kaufmann, zum Schriftführer, Hugo Schwarz, Beamter der Kreditanstalt, zum Schriftführer-Stellv., Adolf Frankel, Lederhändler, zum Kassier und Naftali Brande i s, Kaufmann, zum Kassier-Stellvertreter. Wien. (R a b b i n e r w a h 1.) Der Vorstand des „Isr. Tempel- und Schulvereines" VT., Stumpergasse, dessen Rabbiner, Ehrw. Dr. S. Rubin einer Berufung auf die Lehrkanzel des sei. Lektor Friedmann Folge gab, wählte mit Stimmeneinhelligkeit den Sechshauser Rabbiner, Ehrw. A Fürst, auch zu seinem Rabbiner. Herr Rabbiner Fürst wird nunmehr an beiden Synagogen amtieren. Freunde und Gesinnnngsgepossen! Verlangt in allen Gast- und Kaffeehäusern die „Heue Ilational-Zeiiung". $US ftllEN WCLtCCiLEN König Karol von Rumänien, in dessen Reich bekanntlich die Juden heimatslos und vogelfrei sind, ist am 20. d. M. 70 Jahre alt geworden. Darüber freut sich riesig die „Neue Freie Presse" und feiert den König in einem Panegyricus, als ob sie dafür bezahlt wäre. Dieser Artikel, als dessen Verfasser der rumänische Oeneral-Konsul von Lindheim zeichnet, beginnt mit den Worten: „Wenn die Glocken morgen dem Lande Rumänien mit hellem Klange verkünden werden, dass sein König den siebzigsten Geburtstag feiert, so wird ihr eherner Ton nicht nur innerhalb der engen Grenzen des königlichen Machtgebietes, sondern weit darüber hinaus in der gesamten Kulturwelt gehört, verstanden und gewürdigt werden. Denn die Persönlichkeit des Königs Karol wird von allen Menschen geliebt und geehrt'" . . . Im rumänischen General-Konsulat und in der „Neuen Freien Presse" hört man vielleicht diesen ehernen Ton ... Zu unseren Ohren dringt mächtiger als dieses Phrasengewäsch der Jammer von tausenden Juden, die von der wilden Soldateska in der Donau ertränkt, von Bauernhorden niedergemetzelt und von korrupten Beamten aus ihrer heimatlichen Scholle veitrieben werden. Das sind dunkle Schatten, die auf die Regierung König Karols fallen. Der Servilismus der „Neuen Freien Presse" wird diese traurigen Erinnerungen aus dem Gedächtnisse selbst seiner jüdischen Leser nicht verwischen können. Das Lehrerseminar des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Jerusalem entliess jetzt zum drittenmal seit seinem Bestehen Absolventen — neun an der Zahl. Sämtliche neun Examinanten haben die Lehrerprüfung bestanden. Bis auf einen jungen Mann, der direkt aus Russland kam, sind sie in Palästina heimisch, fünf in Städten, drei in Kolonien. Fünf sind Zöglinge der Lämeischule in Jerusalem, die übrigen haben eine Kolonieschule oder eine Jeschiwah durchgemacht und alsdann zu der erforderlichen Vorbereitung für das Seminar die Präparandenklasse desselben besucht. Die Absolventen finden u. a. an der Lämeischule, an Kolonieschulen, die der Hilfsverein subventioniert und an Schulen des Hilfsvereins, Anstellung. Mayer Sulzberger, einer der hervorragendsten jüdischen Führer in Nordamerika, seinem Berufe nach Richter in Philadelphia, hat die ihm angetragene Botschafterstelle in Konstantinopel abgelehnt. Er zieht es vor, in Amerika zu bleiben. Der japanische Botschafter in Washington bestreitet in einer an den „American Israelite" gerichteten Zuschrift, dass die nordamerikanisdie Regierung die Ernennung Oskar Strauss' zum Botschafter in Tokio avisiert hätte. Es wäre aber auch in einem solchen Falle kein Grund vorhanden, Strauss abzulehnen. Die Ausgrabung des alten Jericho. Wie aus Palästina mitgeteilt wir, ist die Ausgrabung des alten | e r i c h o, von der wir bereits vor einem Jahre, auf Grund eines Interviews mit Professor Sellin selbst, berichtet haben, unter Leitung desselben nunmehr beendigt, und der genannte Gelehrte befindet sich bereits auf der Heimreise. Durch diese Ausgrabung, deren Ergebnisse auf den verschiedensten Gebieten